peinlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungpein-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›peinlich‹ als Erstglied: ↗Peinlichkeit · ↗peinlicherweise  ·  mit ›peinlich‹ als Letztglied: ↗hochnotpeinlich · ↗überpeinlich
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Unbehagen, Verlegenheit hervorrufend, unangenehm
Beispiele:
eine peinliche Angelegenheit, Äußerung, Auseinandersetzung, Unterredung, Affäre, Situation, Lage, Szene, Enthüllung
ein peinlicher Auftritt, Zwischenfall, Brief, Augenblick, peinliches Gefühl
bei der Unterhaltung gab es eine peinliche Pause
etw. Peinliches war geschehen, stößt jmdm. zu
etw. ist peinlich
Beispiele:
es ist peinlich, wenn man sich so wiedersieht
was er erzählt, ist peinlich
Direkt peinlich, wie ihr mir auf die Zehen starrt [M. WalserÜberlebensgroß11]
etw. ist jmdm. peinlich
Beispiele:
es ist mir sehr peinlich, dass ich Sie jetzt stören muss, Ihnen das mitteilen zu müssen, dich das zu fragen, dich darum zu bitten
es ist mir peinlich, dass ich nicht kommen konnte
die Unterhaltung wurde ihm peinlich
das ist für ihn peinlich
von etw. peinlich überrascht, berührt, betroffen sein
2.
sehr sorgfältig, äußerst genau
Beispiele:
eine peinliche Beachtung, Befolgung aller Vorschriften
die peinliche Überwachung der Gefangenen
Vorschriften, Regeln peinlich beachten, befolgen
peinlich auf etw., alles achten
peinlich auf Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordnung halten
alle Materialien peinlich registrieren, buchen
der peinlich gepflegte Fußboden
etw. mit peinlicher (= sehr großer) Genauigkeit, Korrektheit, Sorgfalt tun
er vermied es peinlich, Anstoß zu erregen, ein heikles Problem zu berühren (= er vermied es um jeden Preis, Anstoß zu erregen, ein heikles Problem zu berühren)
wie peinlich, wie korrekt malt er diesen Waggon [UnruhNike103]
Zu beiden Seiten peinlich geordnete Reihen von Fässern [U. BecherMänner20]
Es war alles aufs peinlichste organisiert [DürrenmattVersprechen185]
dient als Verstärkung
Beispiele:
etw. peinlich genau beachten (= etw. sehr, überaus genau beachten)
die peinlich genaue Registrierung der Kunstgegenstände
jmd. ist peinlich genau rasiert, peinlich korrekt gekleidet
peinlich korrekt, sauber sein
Begreift man, warum Homer so peinlich genau war, wenn es galt, den Charakter zu formen [JensGötter26]
3.
veraltet, Jura Leib und Leben betreffend
Beispiele:
das peinliche Gericht
die peinliche Gerichtsbarkeit, Gerichtsordnung
jmdn. unter peinliche Anklage stellen, peinlich verklagen
unter Anwendung der Folter
Beispiele:
jmdn. peinlich befragen
ein peinliches Verhör
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pein · peinigen · Peinigung · peinlich · pingelig
Pein f. ‘Strafe, Qual, Schmerz’, ahd. pīna (8. Jh.), mhd. mnd. pīne, pīn ‘Mühseligkeit, Drangsal, Marter, Not’, asächs. pīna, afries. mnl. pīne, nl. pijn. Das Wort gelangt mit dem Christentum in das Germ. (frühe abgeleitete Formen zeigen im Ahd. verschobenen Anlaut, s. unten). Es ist entlehnt aus mlat. pena ‘Strafe, Buße, Höllenqual, Folter, Mühe, Schwierigkeit’ (dessen geschlossenes, im Vlat. entwickeltes ē mit ahd. ī wiedergegeben wird), lat. poena, griech. poinḗ (ποινή) ‘Sühne, Strafe, Rache’, lat. auch ‘Qual’. peinigen Vb. ‘Schmerzen zufügen, quälen’, mhd. pīnegen, pīnigen, pīngen, mnd. pīnigen; vgl. älteres ahd. pīnōn und (entsprechend der Lautverschiebung) phīnōn (8. Jh.), mhd. pīnen, nhd. (älter) peinen; dazu Peinigung f. spätmhd. pīnegunge, pīnigunge; vgl. ahd. phīnunga (um 800), spätmhd. pīnunge. peinlich Adj. ‘qualvoll, schmerzlich, unangenehm, beschämend’, älter (in der Gerichtssprache) ‘mit Folterschmerzen verbunden’ (16. Jh.; vgl. peinliche Frage ‘Befragung unter Anwendung bzw. Androhung der Folter’), ‘innerliche Unruhe, Verlegenheit bereitend, innerlich quälend, voller Eifer’ (16. Jh.), danach ‘gewissenhaft, übertrieben sorgfältig’ (Mitte 18. Jh.), mhd. pīnlich ‘schmerzlich, quälend, grausam, straffällig, strafwürdig’. Von Köln aus (seit dem 19., besonders in der 2. Hälfte des 20. Jhs.) verbreitet sich die westd. Form pingelig Adj. ‘übertrieben gewissenhaft, übergenau, kleinlich, heikel’, aus rhein. pingelich, pingelije ‘sehr empfindlich, zimperlich, peinlich genau’ zu Ping(k), der mundartlichen Entsprechung von hd. Pein.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) unangenehm · ↗beschämend · ↗blamabel  ●  (jemandem) die Schamesröte ins Gesicht treiben  fig. · peinlich  Hauptform · vor Scham im Boden versinken  fig., variabel · ↗daneben  ugs. · ↗hochnotpeinlich (Verstärkung)  ugs.
Assoziationen
  • betreten · ↗genierlich · in Verlegenheit · peinlich berührt · ↗verschämt  ●  ↗gschamig  süddt. · ↗verlegen  Hauptform
  • Das könnt ihr doch nicht (mit mir / uns) machen! · Was sollen die Leute denken? · Wie sieht das denn aus, wenn (...) · Wie stehe ich (denn) jetzt (vor meinen Leuten) da!?
  • (sich) genieren · (sich) in Grund und Boden schämen (Verstärkung) · ↗erröten · rot werden  ●  ↗(sich) schämen  Hauptform
  • (sehr) peinlich finden · (sich) fremdschämen · (sich) für jemand anderen schämen
  • deplatziert · fehl am Platz · gegen den guten Ton verstoßend · gegen die Etikette · ↗inkorrekt · nicht angebracht · nicht korrekt · ↗taktlos · ↗unangebracht · ↗unangemessen · ↗unfein · ↗ungebührlich · ↗ungeziemend · ↗unmanierlich · ↗unpassend · ↗unsachlich · ↗unschicklich  ●  ↗ungehörig  Hauptform · ↗daneben  ugs. · ↗unmöglich  ugs. · ↗unziemlich  geh.
  • (man) hätte mehr erwartet (von)  ●  ↗(eine) Bankrotterklärung (sein)  fig. · (etwas ist) keine Heldentat  fig. · (sich) ein Armutszeugnis ausstellen (mit)  fig. · ein Armutszeugnis (für jemanden/etwas sein)  Hauptform · (ein ...) sieht anders aus  ugs. · (jemand) sollte sich was schämen!  ugs. · kein Ruhmesblatt  geh.
  • (etwas) wäre jemandem (zu) peinlich · (jemandem) zu billig sein · (jemandem) zu platt sein · (jemandem) zu primitiv sein

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affäre Auftritt Aus Ausrutscher Befragung Enthüllung Genauigkeit Niederlage Panne Pleite Posse Sauberkeit Schlappe Schweigen Situation Verhör Verlegenheit Verlobte Verwechslung Vorfall Zwischenfall achten berühren berührt eher geradezu höchst irgendwie ziemlich äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›peinlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das verhinderte, dass sie zum Darling wurde, das wäre ihr auch peinlich gewesen.
Die Zeit, 05.04.2008, Nr. 15
Das ist ihr, beim ersten Mal zumindest, sichtlich peinlich und bringt den Ablauf etwas durcheinander.
Der Tagesspiegel, 17.05.2005
Das laute Wesen ihrer Mutter schien ihr peinlich zu sein.
Walser, Martin: Ehen in Philippsburg, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1957], S. 10
Die gütigen Augen der alten Dame auf sich gerichtet zu wissen, wäre peinlich, nicht wahr?
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 79
Es ist mir außerordentlich peinlich gewesen, diese Dinge nochmals aufzurollen.
Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 3959
Zitationshilfe
„peinlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/peinlich>, abgerufen am 16.11.2018.

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