peitschen

GrammatikVerb · peitscht, peitschte, hat/ist gepeitscht
Aussprache
Worttrennungpeit-schen
Wortbildung mit ›peitschen‹ als Letztglied: ↗anpeitschen · ↗aufpeitschen · ↗auspeitschen · ↗durchpeitschen · ↗einpeitschen · ↗hinauspeitschen · ↗hineinpeitschen · ↗hochpeitschen · ↗totpeitschen · ↗vorbeipeitschen
 ·  formal verwandt mit: ↗angstgepeitscht · ↗sturmgepeitscht · ↗wutgepeitscht
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ein Tier, jmdn. mit der Peitsche schlagen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
der Kutscher peitschte das Pferd
er peitschte seinen Hund
jmd. ist wie von Furien gepeitscht
um ihn zu Geständnissen zu zwingen, hat man ihn gepeitscht [Wasserm.Wahnschaffe2,216]
Es fehlte nicht viel, er wäre aufgesprungen und wie von höllischen Geistern gepeitscht davongerannt [G. Hauptm.Quint1,22]
gehoben, bildlich etw. peitscht etw.
Beispiele:
Äste peitschten sein Gesicht
die Meereswogen peitschen das Ufer, die Klippen
Der Leib des Fisches peitschte das Wasser [CramerKonzessionen58]
Der Regen peitscht ihre Gesichter [RehfischHexen365]
übertragen etw. peitscht jmdn., etw.etw. treibt jmdn., etw. heftig an
Beispiele:
jmdn. peitscht der Ehrgeiz
von Angst gepeitscht etw. tun
im Tempo unserer von der Kohle gepeitschten Zeit [A. ZweigElfenbeinfächer57]
Luisa ließ ihre Kastagnetten knattern, und das hölzerne, herrische Klappern peitschte (= erregte) das Blut [E. ClaudiusGrüne Oliven158]
2.
gegen, an etw. peitschengegen, an etw. prasseln, schlagen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’, mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Regen peitscht gegen, an die Fensterscheiben
die Segel peitschten im Wind (= schlugen hin und her)
Noch ein Befehl – und Schüsse peitschten über den Rathausmarkt in die Menge [BredelSöhne298]
übertragen
Beispiel:
immer wieder peitschten (= jagten) die gleichen Gedanken durch sein ödes Hirn [O. M. GrafBolwieser29]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Peitsche · peitschen
Peitsche f. ‘Schlaggerät aus einem Lederriemen bzw. einer Schnur an langem Stiel’. Die frühesten Zeugnisse obd. (nordbair.) picze (14. Jh.), omd. pytcze (um 1400), piczsche (15. Jh.) sowie (böhm.) peitsche (Ende 14. Jh.), (schles.) peytsche, obfrk. peitsch (Ende 15. Jh.) weisen auf eine Entlehnung aus asorb. *bič m. ‘Geißel’ (vgl. obsorb. bič, nsorb. bic, auch ‘Schlegel, Dreschflegel’) oder gleichbed. atschech. bič m., einer gemeinslaw. postverbalen Bildung zu urslaw. *biti, aslaw. biti, russ. bit’ (бить) ‘schlagen’, im Dt. mit Diphthongierung des ī zu ei und wohl expressiver Verstärkung des Anlauts. Der Ausdruck findet, vom Omd. ausgehend, überlandschaftliche Verbreitung durch die Lutherbibel. Peitsche steht anfänglich für ‘Züchtigungsinstrument’ (zumal in religiöskirchlichen Texten), geht dann in den allgemeinen Gebrauch über und verdrängt im Sinne von ‘Gerät des Wagenlenkers’ (Mitte 18. Jh.) einheimisches ↗Geißel (s. d.), wobei dessen feminines Genus auf Peitsche übergeht. peitschen Vb. (Ende 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
auspeitschen · die Knute spüren lassen · die Peitsche geben · flagellieren · ↗geißeln · ↗knuten · peitschen
Synonymgruppe
klatschen · ↗patschen · peitschen · ↗platschen · ↗prasseln (Regen) · ↗trommeln  ●  ↗pladdern  norddeutsch
Oberbegriffe
  • (ein) Geräusch machen · zu hören sein

Typische Verbindungen
computergeneriert

Böe Eiltempo Gewehrsalve Gewehrschuß Gischt Herbststurm Orkanböe Regen Regenschauer Schuß Stundenkilometer Sturm Sturmböe Sturmflut Vorhand Westwind Wind Windböe anpeitschen aufpeitschen auspeitschen durchpeitschen einpeitschen entgegen hineinpeitschen hochpeitschen voranpeitschen vorn vorne waagerecht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›peitschen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bald freilich peitscht der Regen fast waagerecht von der See herein.
Der Tagesspiegel, 07.09.2001
Der Regen peitscht waagerecht durch die Stadt, der Sturm fegt die goldenen Blätter von den Bäumen, die Tage werden immer kürzer.
Bild, 10.10.1997
Auch Balla, hellhörig gepeitscht wie selten, bemerkte die Leere in den Worten.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 420
Der Wagen fuhr durch die Auen, nasse Zweige peitschten sein Dach.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 59
Sein Schwanz peitschte durch den Stollen wie ein gerissenes Tau.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 977
Zitationshilfe
„peitschen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/peitschen>, abgerufen am 12.12.2019.

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