performativ

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [pɛʁfɔʁmaˈtiːf]
Worttrennung per-for-ma-tiv
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Sprachwissenschaft eine mit einer sprachlichen Äußerung beschriebene Handlung zugleich vollziehend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein performativer Widerspruch; die performative Einstellung
Beispiele:
Die »performative« Dimension der Sprache beginnt dort, wo sprachliche Äußerungen mehr sind als Aussagen über Sachverhalte in der Welt oder Benennungen von Dingen, wo das Sprechen also zugleich Handeln ist. [Süddeutsche Zeitung, 03.07.2018]
In der Sphäre der Politik ist die performative Dimension der Sprache allgegenwärtig, eine herausgehobene Rolle nehmen in ihr aber die »deklarativen« Sprechakte ein, der Satz »Ich erkläre die Sitzung für eröffnet« zum Beispiel. [Süddeutsche Zeitung, 03.07.2018]
Der Trost wiederum liegt möglicherweise in einem performativen Selbstwiderspruch: Dadurch, dass all das Verlorene, Verschwundene, Vergangene in den Geschichten festgehalten wird, bleibt es zumindest in der Sprache erhalten. [Die Zeit, 25.06.2015]
Deshalb stellte er [der Sprechakttheoretiker John Austin] die Hypothese auf, dass es zwei Typen von Äußerungen gibt, konstative und performative, wobei die performativen die sprachlichen Handlungen sind. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2000]
Die Äußerung »Es gibt Haie im Wasser« könnte eine Warnung sein, muß es aber nicht. Als Satz in einem Biologiebuch ist sie eine Information. Die performative Kraft dieser Äußerung als Warnung erkennt man nicht an dem Satz allein. [konkret, 2000 [1999]]
Rhetorisch verstanden, besteht jede sprachliche Äusserung aus zweierlei: aus sinnhafter Form und setzender Kraft – aus, wie [Paul] de Man sagt, ihrem »konstativen« Gehalt und dem »performativen« Akt, der sie hervorbringt. [Neue Zürcher Zeitung, 29.10.1996]
2.
Kunst aktives Handeln betreffend; in der Art einer Performance (1), einer handlungsbetonten künstlerischen Aktion; eine Performance (1) betreffendDWDS
Kollokationen:
als Adjektivattribut: performative Kunst, Bildhauerei
Beispiele:
Wenn der Bundespräsident am 16. Januar in der Berliner Akademie der Künste das Auftaktfestival zum Jubiläum [des Bauhauses] eröffnet, dann geht es zunächst einmal nicht um Architektur oder Design. Neun Tage lang dreht sich fast alles um die performativen Künste – und um die Kunst des Feierns. [Die Welt, 10.01.2019]
Die surreale Schönheit mit den Stelzenbeinen zierte eine gelbe Betonpumpe […]. Der erste Gedanke beim Anblick der Frau war: Vielleicht ist das Ganze ja eine satirische Aktion oder ein feministisches Kunstwerk[…]. Aber hätte die Künstlerin oder der Künstler sich dann ausgerechnet das eher ungeile [München-]Harlaching als performativen Ort ausgesucht? [Süddeutsche Zeitung, 24.11.2018]
Inzwischen haben Häuser wie die Kammerspiele längst performative oder dokumentarische Spielformen amalgamiert. [Süddeutsche Zeitung, 08.11.2018]
Hätte ein Filmmuseum beispielsweise eine Kopie eines Fellini‑Films, dann würde diese nicht durch das Programm erfasst werden. […] Die Förderung schließt den performativen Teil, also die Aufführung in einem Saal, aus. Was nützt mir eine digitalisierte Kopie, wenn der Film nicht so gezeigt werden kann, wie die Filmemacher es vorgesehen haben? [Welt am Sonntag, 15.04.2018]
Die Schau startet in einer leeren Halle. Kuratiert unter anderem vom französischen Choreografen Boris Charmatz, werden dort Arbeiten von Marina Abramović, Simone Forti oder Lynn Hershman Leeson nicht nur dokumentiert, sondern auch in Live‑Akten vermittelt. […] Es geht um die Frage, wie sich Museen selbst performativer Methoden bedienen können. Vom immer irgendwie suspekten Gegenentwurf zum regulären Kunstbetrieb ist die Performance nicht nur zum Publikumsliebling, sondern auch innerhalb der Institutionen zum anerkannten und respektablen Medium geworden. [Die Zeit, 08.03.2012]
Ein [dem Samisdat] vergleichbares Genre gibt es weder in der russischen Literatur noch anderswo. […] Wegen der besonderen, der Not des Samisdat geschuldeten Qualität seiner Textträger ist es einerseits vor‑gutenbergisch; andererseits nach‑gutenbergisch, weil die Text‑Serien nutzbar sind wie die Fernbedienung beim Switchen durch die Kanäle. Fraglich, ob es sich um visuelle oder um performative Kunst handelt – oder um Literatur. [Süddeutsche Zeitung, 07.12.1994]

letzte Änderung:

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
performativ · performatorisch

Typische Verbindungen zu ›performativ‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›performativ‹.

Zitationshilfe
„performativ“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/performativ>, abgerufen am 20.01.2022.

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