Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

petzen

Grammatik Verb · petzt, petzte, hat gepetzt
Aussprache  [ˈpɛʦn̩]
Worttrennung pet-zen
Wortbildung  mit ›petzen‹ als Erstglied: Petzer  ·  mit ›petzen‹ als Grundform: Petze
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

jmd. petzt (bei jmdm.), jmd. petzt (jmdm.) etw., jmd. geht petzen
abwertend, Kindersprache, Schülersprache einem Erwachsenen etw. verraten, das ein anderes Kind unerlaubt, unerwünscht gesagt oder getan hat oder plant
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: beim Lehrer, bei den Eltern petzen
Beispiele:
Tatzen (= Schläge auf die Hand) hat Maria […] genau ein einziges Mal bekommen, und das auch nur deshalb, weil eine [Mitschülerin] aus der Achten [Klasse] gepetzt hatte: »Die K[…] hat geschwätzt.« [Münchner Merkur, 07.04.2022]
[»]Einmal hat mich ein Junge gewürgt und mir gesagt, ich sei tot, wenn ich es der Lehrerin petzen würde«, sagt ein Haimburger (9). [Kleine Zeitung, 23.07.2014]
Immer schickst du mich vor, was meinst du[,] was passiert, wenn ich das der Mama petzen gehe. [Lautstark, 26.03.2012, aufgerufen am 31.08.2020]
Der Sohnemann schaut im Wohnzimmer Fernsehen, seine größere Schwester petzt: »Er sieht gerade eine Prostata‑Operation.« [Kleine Zeitung, 20.01.2000]
Da hat der kleine Sohn (er ist im Kindergartenalter) einer Bekannten gerade bei seiner Mama gepetzt, dass ihn sein großer Bruder (er ist zehn) auf dem Heimweg erst nicht an die Hand nehmen wollte. [Thüringer Allgemeine, 25.10.2017]
umgangssprachlich, allgemeiner, meist abwertend etw. Geheimes, Unangenehmes oder Verbotenes über andere verraten; jmdn. denunzieren
Beispiele:
Viel schlimmer als die eigene Geheimniskrämerei scheint den Murnauer Räten nun also zu sein, dass einer von ihnen gepetzt hat. [Süddeutsche Zeitung, 04.02.2022]
Bei dieser Gelegenheit müssen wir noch ein wenig petzen: Oliver R[…] hatte offenbar die Einladung zur Siegsteig‑Freigabe nicht richtig gelesen. Sonst hätte er statt Anzug und edler schwarzer Schuhe etwas anderes angezogen. [Rhein-Zeitung, 10.05.2014]
Sein Zellengenosse sei ein Schwein, petzt der Angeklagte. »Er hat immer neben das Klo gepinkelt und es nicht weggeputzt.« Also gab’s Prügel, in der Folge wurde das Opfer verlegt. Dann erzählte der Belgier überall, dass der Zellengenosse ihn verpfiffen habe. [St. Galler Tagblatt, 17.05.2019]
Hansi G[…] nahm im Protokoll kein Blatt vor den Mund und petzte kleine Vereinspannen. [Allgemeine Zeitung, 17.11.2014]
Dabei hat seine Lebensgefährtin Patricia Riekel am Rande der Verleihung des Deutschen Radiopreises gepetzt, dass Helmut Markwort begeistert Fußballspiele kommentiere. [Fränkischer Tag, 06.10.2014]
Ein 13‑jähriger Bandenkollege petzte den Fahndern, sein Freund sei der Esso‑Räuber. [Vorarlberger Nachrichten, 29.05.2004]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

petzen1 · Petze · verpetzen
petzen1 Vb. ‘angeben, verraten’ (bei Lehrern, Eltern), studentensprachlich (Ende 18. Jh.), zunächst auf Halle beschränkt, dann über md. Universitätsstädte (seit Mitte 19. Jh.) allenthalben in der Sprache der Studenten und Schüler verbreitet; Herkunft unsicher. Vielleicht aus rotw. petzen, pezetten ‘bei der Polizei angeben, anzeigen, verraten’ (zu jidd. Peizaddik, Pezet ‘Polizei’, das aus pe, der jidd. Bezeichnung für p, und zadik, der Bezeichnung für z, entstanden ist, vgl. Wolf Rotw. 241); oder zu Petze ‘Hündin’ (unbekannter Herkunft), eigentlich wohl ‘Verbellerin’ (Ende 15. Jh.), unter dessen Einfluß auch Petze f. ‘Verräter(in), Angeber’ (Ende 19. Jh.) entstanden sein kann. Am ehesten aber ist das Verb wohl als eine Bedeutungsvariante von pfetzen, petzen2 (s. d.) aufzufassen, indem sich dort genanntes ‘übel reden, beschimpfen, schmähen, tadeln’ in der Schüler- und Studentensprache zu ‘angeben, anzeigen, verraten’ weiterentwickelt und eine überlandschaftliche Verbreitung erfahren hat. verpetzen Vb. ‘verraten, anzeigen’ (Ende 18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›petzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›petzen‹.

Zitationshilfe
„petzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/petzen#1>.

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petzen

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈpɛʦn̩]
Worttrennung pet-zen
DWDS-Verweisartikel

Bedeutung

Synonym zu pfetzen

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

pfetzen · petzen2
pfetzen, petzen2 Vb. westd. (mit wechselndem Anlaut in breiter Bedeutungsentfaltung), mit den Fingern ‘zusammendrücken, zwicken, kneipen, klemmen, stechen, ritzen’, (von Hunden, Ameisen) ‘beißen’, (mit einer Zange) ‘kneifen, zwacken’, (einen Fahrschein) ‘knipsen, lochen’, (mit glühender Zange) ‘foltern’, (bildlich) ‘belästigen, necken, übel reden, ärgern, tadeln, schmähen, verspotten, strafen’, mhd. phetzen ‘berühren, kitzeln’. Herkunft ungewiß. Die Lautverschärfung (im Wortinneren -tz- und im Anlaut oft pf-) legt nahe, das Verb lautmalend an einen expressiven Wortstamm *pīnts- (auch *pīts-, *pits-) ‘greifen, kneifen’ anzuschließen (s. auch Pinzette).

Typische Verbindungen zu ›petzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›petzen‹.

Zitationshilfe
„petzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/petzen#2>.

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