pfeifen

GrammatikVerb · pfiff, hat gepfiffen
Aussprache
Worttrennungpfei-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›pfeifen‹ als Erstglied: ↗Pfeifente · ↗Pfeiferei · ↗Pfeifhase · ↗Pfeifinstrument · ↗Pfeifkessel · ↗Pfeifkonzert · ↗Pfeifton
 ·  mit ›pfeifen‹ als Letztglied: ↗abpfeifen · ↗anpfeifen · ↗auspfeifen · ↗heranpfeifen · ↗mitpfeifen · ↗nachpfeifen · ↗umpfeifen · ↗verpfeifen · ↗vorpfeifen · ↗vorüberpfeifen · ↗zerpfeifen · ↗zurückpfeifen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mit ausgeatmeter oder auch eingeatmeter Luft durch den Mund einen Pfeifton hervorbringen
a)
mit gespitzten Lippen
Beispiele:
er pfeift eine Melodie, einen Schlager, ein Liedchen
es wurde fröhlich gesungen und gepfiffen
leise vor sich hin pfeifen
Die Knechte setzten sich auf und pfiffen sich eins [LöscherAlles Getrennte253]
jmdm., nach jmdm. pfeifenjmdn. durch Pfeifen zu sich rufen
Beispiele:
er pfiff seinem Hund
Dann pfiff er nach Johann [WiechertEinfaches Leben346]
bildlich
Beispiel:
die Spatzen pfeifen es von den Dächern (= es ist allgemein bekannt)
salopp, übertragen jmdm. was, eins pfeifennicht nach jmds. Wunsch handeln, jmds. Zumutung zurückweisen
Beispiele:
ich werd' dir was pfeifen!
Ich pfeif euch eins [SeegerHabicht88]
auf jmdn. pfeifenmit jmdm. nichts zu tun haben wollen
Beispiel:
ich pfeife auf deinen Freund
auf etw. pfeifenauf etw. keinen Wert legen, etw. geringschätzen
Beispiele:
ich pfeife auf den ganzen Kram, auf deine Freundschaft
ich pfeife drauf (= ich mache mir nichts daraus) (= ich rechne nicht mehr damit)
b)
auf zwei Fingern
Beispiele:
ein lautes, ohrenbetäubendes, schrilles Pfeifen
der Kellner pfiff auf den Fingern nach einem Wagen
die Menge johlt und pfeift (= gibt ihr Mißfallen kund)
c)
durch die Zähne
Beispiel:
er pfiff überrascht durch die Zähne
2.
Luft in eine Pfeife blasen und dadurch einen Ton hervorbringen
Beispiele:
Sport ein spanischer Schiedsrichter hat das Spiel gepfiffen (= geleitet)
der Wasserkessel (= die Pfeife des Wasserkessels) pfeift
nach einer bestimmten Anzahl von Minuten beginnt der elektrische Eierkocher zu pfeifen
Die Spielleute pfiffen und trommelten allerorts – aber dünn [R. WalterAbenteuer102]
Ab und zu pfiff eine Lokomotive schrill [O. M. GrafBolwieser12]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich ich soll tanzen, wie sie pfeift (= soll mich nach ihr richten)
salopp jmd. pfeift auf dem letzten Loch (= jmdm. geht es sehr schlecht)
salopp Gott seiʼs getrommelt und gepfiffen! (= Ausruf der Erleichterung)
3.
ein Tier, etw. pfeiftein Tier, etw. bringt einen Pfeifton hervor
Beispiele:
der Gämsbock pfeift
nachts hörten wir die jungen Mäuse pfeifen
die Murmeltiere pfiffen schrill
der Wind, Schneesturm pfeift um das Haus
sie hörten die Kugeln pfeifen
sein Atem pfeift, ging pfeifend
Ducke ließ ... seinen Korporalstock durch die Luft sausen, daß der Stock nur so pfiff [ZuchardtSpießrutenlauf331]
übertragen
Beispiele:
jetzt pfeift der Wind, pfeift es aus einem andern Loch (= jetzt wird strenger durchgegriffen)
pfeift der Wind daher? (= ist das so gemeint?)
jetzt pfeift der Wind, pfeift es aus einem andern Loch (= jetzt wird strenger durchgegriffen)
4.
salopp etw. verraten, gestehen
Beispiele:
er hat nicht gepfiffen
Ich geb zu, du hast 'nen feinen Tip gepfiffen [FalladaBlechnapf405]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

pfeifen · Pfiff · pfiffig · Pfiffikus
pfeifen Vb. ‘durch Luft (mit gespitztem Mund, mit einem Instrument) Töne hervorbringen’, ahd. phīfōn (11. Jh.), mhd. phīfen, mnd. mnl. pīpen, aengl. pīpian, engl. to pipe, nl. pijpen ‘mit dem Mund bzw. mit einem Instrument (Flöte, Geige, Trompete, Dudelsack) hohe Töne erzeugen’ sind Entlehnungen aus lautmalendem lat. pīpāre (s. ↗piepen). Unter dem Einfluß von Pfeife gilt das Verb im Germ. vornehmlich für das Spielen eines Instruments; entlehntes mnd. mnl. pīpen fällt in den Präsensformen mit altem lautmalendem pīpen (s. ↗piepen) zusammen. Im Mhd. Mnd. Mnl. nimmt das aus dem Lat. stammende Verb (bis auf Ausnahmen) starke Flexion an (analog mhd. grīfen, slīfen, nhd. greifen, schleifen), so daß sich in der Regel gegenüberstehen entlehntes (nunmehr starkes) mnd. mnl. pīpen, nl. pijpen ‘ein Instrument spielen’ und altes, lautmalendes (schwaches) mnd. mnl. pīpen, nl. piepen ‘piep(s)en’ (entsprechend dem hd. pfeifen gegenüber piepen). Pfiff m. ‘schriller Ton des Pfeifens’, ablautende Rückbildung (Anfang 16. Jh.) zu pfeifen; die Bedeutung ‘Kniff, Trick’ (Ende 18. Jh.) ist entweder gaunersprachlicher Herkunft nach dem Ablenkungspfiff der Betrüger, Taschenspieler, dem Verständigungspfiff der Kartenspieler oder entsteht nach dem Lockpfiff der Jäger, Vogelsteller. Dazu pfiffig Adj. ‘schlau, gewitzigt’ (18. Jh.). Pfiffikus m. ‘Schlaukopf, anstelliger Mensch’, studentensprachliche Bildung zu pfiffig mit latinisierender Endung (um 1700).

Thesaurus

Synonymgruppe
fiepen · pfeifen · ↗piepen · ↗piepsen · ↗quieken · ↗quieksen  ●  ↗fiepsen  ugs.
Oberbegriffe
  • Laute von sich geben
Assoziationen
Synonymgruppe
eilen · ↗galoppieren · ↗hasten · ↗hechten · ↗hetzen · ↗huschen · pfeifen · ↗rasen · schnell laufen · ↗schnellen · ↗sprinten · ↗stieben  ●  ↗fegen  fig. · ↗laufen  Hauptform · ↗rennen  Hauptform · ↗schießen  fig. · Gummi geben  ugs. · Hackengas geben  ugs. · ↗dahinpreschen  ugs. · die Beine in die Hand nehmen  ugs., fig. · ↗düsen  ugs. · ↗fetzen  ugs. · fitschen  ugs., ruhrdt. · ↗fliegen  geh., fig., literarisch · ↗flitzen  ugs. · ↗jagen  ugs. · ↗pesen  ugs. · ↗preschen  ugs. · ↗sausen  ugs. · ↗spurten  ugs. · ↗stürmen  ugs. · ↗wetzen  ugs. · ↗zischen  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
  • (sich) fortbewegen · von A nach B kommen
Unterbegriffe
Assoziationen
  • in schneller Gangart · schnellen Schrittes  ●  mit kurzen, schnellen Schritten  militärisch · eilenden Schrittes  geh. · hurtigen Schenkels  ugs., ironisch · im Sauseschritt  ugs. · im Schweinsgalopp  ugs.
  • langsam laufen · ↗schnüren (z.B. Füchse) · ↗traben
Synonymgruppe
Schiedsrichter sein (vor allem beim Fußball) · pfeifen
Assoziationen
Synonymgruppe
blasen (kräftiger Wind) · ↗fahren · ↗jagen · pfeifen · ↗treiben  ●  (irgendwohin/irgendwoher) wehen (starker Wind)  Hauptform · ↗fegen  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dach Elfer Elfmeter Fan Foul Kugel Loch Melodie Merk Ohr Partie Referee Ritze Schiedsrichter Schiri Spatz Wind Zahn abpfeifen anpfeifen auspfeifen buhen drauf hinpfeifen johlen klatschen mitpfeifen nachpfeifen trommeln zurückpfeifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›pfeifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Fans pfiffen beim Spielende - nur der Trainer war zufrieden.
Bild, 07.04.2003
Als sein neben ihm sitzender Sohn zu ihm spricht, beginnt das Gerät zu pfeifen.
Der Tagesspiegel, 13.08.1998
Da pfeift sie auf andere Männer und kommt zu ihm.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 350
Vielleicht hätte er dich zuletzt doch noch mal pfeifen lassen.
Hausmann, Manfred: Abel mit der Mundharmonika. In: ders., Gesammelte Werke, Berlin: Fischer 1983 [1932], S. 183
Ende des Monats bin ich da und pfeife vor dem Fenster, vor dem sich die Bürger unterhalten.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 11.08.1932. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1932], S. 9897
Zitationshilfe
„pfeifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/pfeifen>, abgerufen am 12.11.2019.

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