Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

fantasieren

Grammatik Verb · fantasiert, fantasierte, hat fantasiert
Nebenform phantasieren · Verb · phantasiert, phantasierte, hat phantasiert
Worttrennung fan-ta-sie-ren ● phan-ta-sie-ren
Wortzerlegung Fantasie -ieren
Rechtschreibregel § 32 (2)
Wortbildung  mit ›fantasieren‹ als Letztglied: zusammenfantasieren · zusammenphantasieren
Herkunft zu phantasiārīspätlat ‘sich vorstellen, sich einbilden’
eWDG

Bedeutungen

1.
von etw. fantasierensich den wechselnden Vorstellungen der Fantasie hingeben
Beispiel:
der Ingenieur fantasiert von kühnen Konstruktionen, neuen Maschinen
sich Trugbildern, Wahnvorstellungen hingeben
Beispiele:
von großem Reichtum, von einem Schatz fantasieren
umgangssprachlich fantasiere bloß nicht! (= rede keinen Unsinn!)
er kam ins Fantasieren
2.
Medizin irrereden
Beispiele:
der Kranke fantasierte stark
im Fieber fantasieren
der Verletzte lag fantasierend im Bett
Der Schneider […] hatte, seit er im Krankenhaus lag, Tag und Nacht von Emanuel Quint phantasiert [ G. Hauptm.Quint1,197]
3.
Musik aus dem Stegreif spielen
Beispiele:
auf der Geige, über ein Thema fantasieren
wenn er […] auf einem alten Klavier wunderlich wild phantasierte [ A. ZweigClaudia80]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Phantasie · Fantasie · phantasieren · Phantast · phantastisch
Phantasie f. ‘Einbildungskraft, Vorstellungsvermögen, Erfindungsgabe, nicht der Wirklichkeit entsprechende Vorstellung’, in der Medizin ‘Fieberträume, Wahnvorstellungen’, mhd. fantasīe ‘Einbildung, Trugbild, Anfechtung’, nhd. Phantasei (überwiegend bis etwa 1800, danach nur selten) und Phantasie, entlehnt aus lat. phantasia, griech. phantasía (φαντασία) ‘Erscheinung, Aussehen, Vorstellung, geistiges Bild, Einbildung’, eine Bildung zu griech. phantázesthai (φαντάζεσθαι) ‘sichtbar werden, erscheinen, sich vorstellen, einbilden’. Die unter frz. Einfluß (afrz. fantasie, frz. fantaisie) stehende Schreibung Fantasie besteht bis ins 19. Jh. neben der mit Ph-, die dann nach klassischem Muster gültig wird. In der Sprache der Musik dagegen meist Fantasie ‘improvisiertes, keinen bestimmten Formgesetzen unterworfenes Instrumentalstück’ (nach ital. fantasia). phantasieren Vb. ‘sich den wechselnden Vorstellungen der Phantasie hingeben, schwärmen, im Fieber wirr reden, Unsinn reden’, in der Musik ‘frei aus dem Stegreif spielen, improvisieren’, frühnhd. fantasieren (15. Jh.); spätlat. phantasiārī ‘sich vorstellen, sich einbilden’. Phantast m. ‘wirklichkeitsfremder Träumer, Schwärmer’, frühnhd. fantast (15. Jh.); vgl. griech. phantastḗs (φανταστής) ‘wer sich zur Schau stellt oder brüstet, Prahler’. phantastisch Adj. ‘nur in der Phantasie bestehend, schwärmerisch, unwirklich, ungewöhnlich’ (16. Jh.), in der Umgangssprache auch ‘großartig, wunderbar, unglaublich’; vgl. spätlat. phantasticus, griech. phantastikós (φανταστικός) ‘zum Vorstellen befähigt, Vorstellungen bildend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
fantasieren · phantasieren · tagträumen · träumen
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) fabeln (von) · fabulieren · wirres Zeug reden  ●  Unsinn erzählen  Hauptform · (herum)fantasieren  ugs. · (herum)phantasieren  ugs. · (herum)spinnen  ugs. · (sich etwas / ugs. sich einen) zusammenphantasieren  ugs. · Blech reden  ugs., veraltend · Scheiße erzählen  derb · Scheiße labern  derb · dummes Zeug erzählen  ugs. · einen vom Pferd erzählen  ugs. · irrereden  geh. · kariert quatschen  ugs., berlinerisch · rumspacken  ugs., jugendsprachlich, salopp · saublöd daherreden  ugs., süddt. · saudummes Zeug daherreden  ugs. · spintisieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(abenteuerliche) Vermutungen (anstellen) · (drauflos) spekulieren · Kaffeesatzleserei (betreiben) · Spekulationen anstellen · herumspekulieren · keine gesicherte Datenbasis (zugrunde legen) · orakeln · wilde Spekulationen (...) · zwischen den Zeilen (lesen)  ●  (herum)fantasieren  abwertend · (sich etwas) zusammenphantasieren  abwertend · (sich) in (abenteuerlichen) Spekulationen ergehen  variabel · (sich etwas) aus den Fingern saugen  ugs., fig. · herumraten  ugs. · herumspinnen  ugs., abwertend · herumspintisieren  geh., abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›fantasieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›fantasieren‹ und ›phantasieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›fantasieren‹, ›phantasieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kaum hatte sie den Wein getrunken, so fing sie auch schon an zu phantasieren. [Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 456]
In den stillen Nächten, schlaflos, phantasiert man sich Frauen vor. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 328]
Oft phantasiert er auch außerhalb seiner künstlerischen Kompetenz, im nüchternen Leben. [Die Zeit, 04.03.1985, Nr. 09]
Was kann denn ein Kind begreifen, wo phantasiert es hinzu, wo lernt es wirklich? [Die Zeit, 16.10.1981, Nr. 43]
Als ich langsam aus dem künstlichen Koma geholt wurde, phantasierte ich sehr stark. [Süddeutsche Zeitung, 13.08.2002]
Zitationshilfe
„fantasieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/fantasieren>.

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