piekfein

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungpiek-fein (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

salopp besonders fein
Beispiele:
er hat sich piekfein gemacht, ausstaffiert
er hat einen neuen piekfeinen Anzug an
ein piekfeines Restaurant, Auto
Der Herr Doktor Groß ist nämlich ein piekfeiner Mann [L. Frank2,241]
In dieser piekfeinen Villengegend scheint es weder Läden noch Kneipen zu geben [FalladaWolf1,89]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

piekfein · pikobello
piekfein Adj. ‘ganz besonders fein, exklusiv’, Übernahme des im Nd. entstandenen, eigentlich tautologischen Kompositums pǖkfein, dessen ǖ im Hd. entrundet wird. Das zum Grundwort ↗fein (s. d.) hinzutretende Bestimmungswort nd. pǖk ‘rein, sauber, echt, ehrenhaft, redlich’, besonders von Waren ‘hochwertig, ausgezeichnet’ (vgl. pǖke Wāre, pǖk Gōd ‘beste Ware’), ist eine Entlehnung (18. Jh.) von nl. puik ‘vortrefflich’ (von Waren), hervorgegangen aus dem Substantiv mnl. puuc n. ‘beste Sorte, beste Qualität’, auch ‘beste Sorte Laken’, vgl. auch mnl. puuclāken, puucwolle und früh, mit dem Handel der Hanse entlehntes mnd. puck ‘wollenes Tuch’, puck(e)-, puicklācken (16. Jh.). Dazu gehören verbale Bildungen wie mnl. (ūte)pūken ‘das Beste auswählen’, nl. puiken, puikelen ‘pflücken, zupfen’, eigentlich ‘(das Beste) herauslesen’, sowie mnd. pūken ‘stechen, picken, auslesen’, nd. ‘rupfen, zupfen, kratzen’. Weitere Anknüpfungsmöglichkeiten finden sich nicht, so daß de Vries Nl. 552 glaubt, in der gemeinsamen Stammform den Rest einer Substratsprache sehen zu können. Eine scherzhafte Umbildung erfährt piekfein in der Umgangssprache, indem das Grundwort fein durch ital. bello ‘fein, schön, gut’ ersetzt und das Vorderglied piek-, ital. Lautung imitierend, umgeformt wird, daher pico-, pikobello Adj. (indeklinabel) ‘vorzüglich, tadellos, super’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(perfekt) gestylt · durchgestylt · herausgeputzt · piekfein  ●  (schwer) in Schale  ugs. · aufgebrezelt  ugs. · aufgedonnert  ugs. · aufgetakelt  ugs. · ↗geschniegelt  ugs. · geschniegelt und gebügelt  ugs. · geschniegelt und gestriegelt  ugs. · in Kluft  ugs. · wie ein Pfingstochse  ugs. · wie ein Zirkuspferd  ugs.
Assoziationen
  • geschniegelt · geschniegelt und gebügelt · geschniegelt und gestriegelt · ↗picobello · ↗schmuck · sehr ordentlich angezogen (sein) · wie (gerade) einer Modezeitschrift entsprungen · wie einem Katalog entsprungen · wie geleckt  ●  wie aus dem Ei gepellt  ugs.
  • (übertrieben) stark geschminkt · grell geschminkt  ●  in voller Kriegsbemalung  ugs.
  • chic · ↗elegant · ↗fesch · ↗flott · ↗kleidsam · ↗modisch · ↗schick · ↗schmissig · ↗schmuck · ↗schnittig  ●  ↗frech  fig. · ↗cool  ugs. · ↗geil  ugs. · ↗schnatz  ugs., regional · ↗schnieke  ugs., berlinerisch · ↗stylish  fachspr., werbesprachlich · ↗todchic (Verstärkung)  ugs. · ↗todschick (Verstärkung)  ugs.
  • zu chic angezogen · zu sehr herausgeputzt · übertrieben elegant gekleidet  ●  ↗overdressed  engl.
  • in Festtagsgala · in Galakleidung · in Galauniform · in vollem Ornat · in voller Kluft  ●  in Festkleidung  Hauptform · in vollem Wichs  auch figurativ · ausstaffiert wie Graf Koks von der Gasanstalt  ugs. · geschmückt wie ein Pfingstochse  ugs. · in großer Toilette  geh., veraltend · schwer in Schale  ugs.
  • ausgehfertig · ↗stadtfein
  • ausstaffiert · fein gemacht · hergerichtet · zurechtgemacht  ●  herausgeputzt  auch figurativ
  • (ein) aufgetakeltes Etwas  ugs., variabel · ↗Püppchen  ugs. · Püppi  ugs. · ↗Schnitte  derb · Tuse  ugs., abwertend · Tusse  ugs. · ↗Tussi  ugs., Hauptform, salopp
  • aufgeblasen · frisiert · gepimpt · getunt · mit allen technischen Finessen (ausgestattet)  ●  ↗hochgezüchtet  abwertend · aufgemotzt  ugs., abwertend

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anzug Hotel Restaurant

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›piekfein‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Außer der piekfeinen Grafik gibt es jedoch nur wenig Neuerungen.
C't, 2001, Nr. 17
Von der einst piekfeinen Gegend ist nichts mehr übrig geblieben.
Süddeutsche Zeitung, 18.03.2000
Er trug einen piekfeinen dunkelblauen Westenanzug und ein gefälliges Lächeln.
Bild, 20.01.2005
Dort hatten erst im vergangenen Jahr die Leichtathletik-Europameisterschaften stattgefunden, und zwar auf einer piekfeinen Anlage.
Die Zeit, 19.06.1987, Nr. 26
Und im Puppenhaften steckt hier mehr Herz als in den piekfeinen französischen Seelendramen und auch - halten zu Gnaden - mehr als in manchen Weltanschauungsklubs.
Tucholsky, Kurt: Rechenmaschine aus USA. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1928], S. 20659
Zitationshilfe
„piekfein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/piekfein>, abgerufen am 24.10.2019.

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