Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

pingelig

Grammatik Adjektiv · Komparativ: pingeliger · Superlativ: am pingeligsten
Aussprache  [ˈpɪŋəlɪç]
Worttrennung pin-ge-lig
Wortbildung  mit ›pingelig‹ als Erstglied: Pingeligkeit

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich, meist abwertend] übertrieben gründlich, genau; kleinlich
  2. 2. [oft anerkennend] sehr gewissenhaft, sorgfältig
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, meist abwertend übertrieben gründlich, genau; kleinlich
Synonym zu pedantisch
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: ziemlich, besonders, äußerst pingelig [sein]
als Adjektivattribut: ein pingeliger Mensch
als Adverbialbestimmung: auf etw. pingelig achten; mit etw. pingelig umgehen
Beispiele:
Bei Reparaturen sind wir nicht pingelig, wenn die Garantie erst vor zwei Monaten abgelaufen ist. [Der Tagesspiegel, 01.09.2001]
Frisches Obst und Gemüse muss nämlich speziell und besonders sorgfältig eingepackt werden, um Druckstellen zu vermeiden. Die Kunden sind da sehr pingelig. [Die Zeit, 08.03.2014]
Müßiggang gehört jedoch selten zum Job [des Hoteltesters] – viel wichtiger ist es, pingelig zu sein und das Personal zu nerven. [Der Spiegel, 25.08.2013 (online)]
Umgekehrt genügte Foucaults kreativer Einsatz von Quellen pingeligeren Formalisten meist schon, um das gesamte Werk zu verwerfen – ohne dessen Tragweite zu erkennen. [Welt am Sonntag, 29.03.2009]
Was immer er später als Ergebnis vorweist, wird vom Vorgesetzten kritisch beäugt und pingelig korrigiert. [Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs. Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 80]
Geradezu pingelig achten zuweilen die Regierungschefs höchstpersönlich darauf, daß ihre jeweilige Muttersprache nicht zu kurz kommt. [Der Spiegel, 13.01.1986]
2.
oft anerkennend sehr gewissenhaft, sorgfältig
Synonym zu penibel
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: ziemlich, besonders, äußerst pingelig [sein]; weniger pingelig [sein]
als Adverbialbestimmung: auf etw. pingelig achten; mit etw. pingelig umgehen
Beispiele:
Heute gleichen die chinesischen Städte zunehmend ihrem Vorbild. Schon ist die Müllabfuhr in Shanghai und Peking fast genauso pingelig wie in Singapur. [Die Zeit, 21.11.2011]
Bei ihm gefiel mir die fast schon pingelige, saubere Art, einen Plan durchzuziehen. [Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2015]
Können Sie auch bügeln? Ich bin der pingeligste Bügler überhaupt. Deshalb gebe ich in Hotels meine Hemden auch nicht weg[…]. [Bild am Sonntag, 10.05.2015]
Man muß [als Schönheitschirurg] geradezu pingelig sein und vor allem ein ausgeprägtes Gefühl für die Ästhetik haben. [Die Welt, 05.11.2005]
Medizinischer und Wissenschaftlicher Beirat bei Krebshilfe und Forschungsstiftung seien, so Mildred Scheel, »sehr pingelig« bei der Vergabe von Geldern. [Der Spiegel, 09.08.1982]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pein · peinigen · Peinigung · peinlich · pingelig
Pein f. ‘Strafe, Qual, Schmerz’, ahd. pīna (8. Jh.), mhd. mnd. pīne, pīn ‘Mühseligkeit, Drangsal, Marter, Not’, asächs. pīna, afries. mnl. pīne, nl. pijn. Das Wort gelangt mit dem Christentum in das Germ. (frühe abgeleitete Formen zeigen im Ahd. verschobenen Anlaut, s. unten). Es ist entlehnt aus mlat. pena ‘Strafe, Buße, Höllenqual, Folter, Mühe, Schwierigkeit’ (dessen geschlossenes, im Vlat. entwickeltes ē mit ahd. ī wiedergegeben wird), lat. poena, griech. poinḗ (ποινή) ‘Sühne, Strafe, Rache’, lat. auch ‘Qual’. – peinigen Vb. ‘Schmerzen zufügen, quälen’, mhd. pīnegen, pīnigen, pīngen, mnd. pīnigen; vgl. älteres ahd. pīnōn und (entsprechend der Lautverschiebung) phīnōn (8. Jh.), mhd. pīnen, nhd. (älter) peinen; dazu Peinigung f. spätmhd. pīnegunge, pīnigunge; vgl. ahd. phīnunga (um 800), spätmhd. pīnunge. peinlich Adj. ‘qualvoll, schmerzlich, unangenehm, beschämend’, älter (in der Gerichtssprache) ‘mit Folterschmerzen verbunden’ (16. Jh.; vgl. peinliche Frage ‘Befragung unter Anwendung bzw. Androhung der Folter’), ‘innerliche Unruhe, Verlegenheit bereitend, innerlich quälend, voller Eifer’ (16. Jh.), danach ‘gewissenhaft, übertrieben sorgfältig’ (Mitte 18. Jh.), mhd. pīnlich ‘schmerzlich, quälend, grausam, straffällig, strafwürdig’. Von Köln aus (seit dem 19., besonders in der 2. Hälfte des 20. Jhs.) verbreitet sich die westd. Form pingelig Adj. ‘übertrieben gewissenhaft, übergenau, kleinlich, heikel’, aus rhein. pingelich, pingelije ‘sehr empfindlich, zimperlich, peinlich genau’ zu Ping(k), der mundartlichen Entsprechung von hd. Pein.

Thesaurus

Synonymgruppe
akribisch · aufs Genaueste · aufs Gewissenhafteste · aufs Sogfältigste · bis ins letzte Detail · bis zur (aller)letzten Kleinigkeit · detailbesessen · detailverliebt · detailversessen · minutiös · minuziös · mit äußerster Sorgfalt · pedantisch · peinlich genau · penibel · perfektionistisch · pinselig · übergenau · überpenibel  ●  buchhalterisch  fig. · kleinkariert  abwertend · kleinlich  abwertend · päpstlicher als der Papst  sprichwörtlich · hyperkorrekt  ugs. · pingelig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
haglich  österr., dialektal · heikel  bayr., österr. · wählerisch (beim Essen)  Hauptform · (g)schnädderfräsig  ugs., schweiz. · gnäschig  ugs., fränk. · kiebisch  ugs., sächsisch · klott  ugs., moselfränkisch · krüsch  ugs., norddeutsch · käbsch  ugs., sächsisch · mäkelig  ugs., norddeutsch, ostdeutsch · pingelig  ugs., rheinisch · schlauchig  ugs., rheinisch · schleckig  ugs., schwäbisch · schnäkig  ugs., pfälzisch
Assoziationen
  • (sich) das Beste herauspicken · (sich) die besten Stücke herauspicken  ●  (die) Spreu vom Weizen trennen  fig. · guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen (tun)  Spruch · sich die Rosinen aus dem Kuchen picken  fig. · sich die Rosinen herauspicken  fig. · sich die Rosinen vom Kuchen herauspicken  fig.
  • Schleckermaul · jemand, der gerne Süßigkeiten isst  ●  Leckermaul  ugs., Hauptform · Leckermäulchen  ugs. · Naschkatze  ugs. · Schmecklecker  ugs., ruhrdt., regional · Zuckermaul  ugs. · Zuckermäulchen  ugs. · süßer Zahn  ugs.
  • anspruchsvoll · das Beste ist gerade gut genug · kritisch · wählerisch  ●  spitzfingrig  fig. · krüsch  ugs., regional · schneubisch  ugs., regional

Typische Verbindungen zu ›pingelig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›pingelig‹.

Zitationshilfe
„pingelig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/pingelig>.

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