Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

platt

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [plat]
Wortbildung  mit ›platt‹ als Erstglied: Plattbauch · Platterbse · Plattfisch · Plattform · Plattfuß · Plattgat · Plattgatt · Plattgold · Platthacke · Plattkäfer · Plattmacher · Plattmuschel · Plattstich · Plattstickerei · Plattwurm · platt machen · platt walzen · plattfüßig · plattmachen · plattnasig · plattwalzen
 ·  mit ›platt‹ als Binnenglied: unplattbar
eWDG

Bedeutungen

1.
flach, (wie) breitgedrückt
Beispiele:
eine platte Nase, Stirn
sich [Dativ] die Nase an der Fensterscheibe platt drücken
saloppsie ist platt wie ein Brett, Bügelbrett, Plättbrett (= flachbrüstig)
unser Auto hat einen Platten (= Plattfuß)
umgangssprachlichsich platt (= völlig waagerecht) auf die Erde, auf den Boden, auf den Bauch legen
umgangssprachlich platt auf dem, am Boden liegen
umgangssprachlicher warf sich platt hin
veraltendauf dem platten Lande (= außerhalb der Stadt, auf dem flachen Lande) leben, wohnen
Eine winzige Nase machte das Gesicht profillos, nahezu platt [ BredelHeerstraßen269]
indem er die gelblichen, platten Scheusale [Läuse] geschickt zwischen den Daumennägeln umbrachte [ A. ZweigElfenbeinfächer163]
als der Kies ausgestreut und bereits platt gewalzt war [ SchnurreRechnung69]
veraltendsetzt sich die Zweite Kammer zusammen aus Vertretern der Wahlkreise der Städte und des platten Landes [ BebelAus meinem Leben783]
2.
abwertend banal, trivial, geistlos, oberflächlich
Beispiele:
platte Redensarten, Ausdrücke, Witze, Späße
plattes Geschwätz
ein plattes Gespräch, Argument, Buch
ein platter Mensch
die platte Nachahmung der Natur, die noch jeder schöpferische Künstler verschmäht hat [ MehringLessing-Legende16]
mit dem Unvermögen, sich in die rohe Welt des platten Geldverdienens hineinzufinden [ TucholskyPanter138]
3.
salopp sprachlos, sehr verblüfft, erstaunt
Grammatik: nur mit »sein«
Beispiele:
da bin ich (ja, aber, wirklich, einfach, ganz) platt!
er war platt über diese Frechheit
da bist du wohl platt, was?
4.
glatt, ausgesprochen, offensichtlich
Grammatik: attributiv
Beispiele:
das ist eine platte Verleumdung, ein platter Schwindel
platter Zynismus
das ist eine platte Selbstverständlichkeit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

platt · plattdeutsch · plätten · Plätte · Plätteisen
platt Adj. ‘flach, eben’, übertragen ‘geistlos, nichtssagend’, ein nd. Wort, das zu Anfang des 17. Jhs. in die Literatursprache aufgenommen wird. Mnd. plat, nd. platt ‘flach, eben’ stammt aus gleichbed. mnl. nl. plat (woraus wohl auch vereinzeltes mhd. blatevuoʒ; nhd. Plattfuß erst 18. Jh.), das seinerseits eine Entlehnung von afrz. frz. plat ‘flach, eben’ darstellt. Das in der gesamten Romania Entsprechungen aufweisende Adjektiv setzt vlat. *plattus ‘flach’ (belegt erst im Mlat.) voraus, mit Konsonantendopplung entlehnt aus griech. platýs (πλατύς) ‘weit, breit, flach, eben’. – plattdeutsch Adj. Bezeichnung des (vor allem durch die zweite Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Dt. (2. Hälfte 17. Jh.). Zuvor steht der Ausdruck als herabsetzende Bezeichnung für das im Unterschied zur hd. Schriftsprache als Mundart empfundene Nd. Es handelt sich um eine volkstümliche Entlehnung eines im Nl. aufgekommenen Sprachgebrauchs, vgl. nl. in goede platten duytsche (1. Hälfte 16. Jh.), d. h. ‘in vertrauter, verständlicher Sprache’, danach ‘volkssprachlich einfach und derb’ in Gegenüberstellung zu der mit Fremdwörtern verzierten höheren niederländischen Sprache. Zugrunde liegt nl. plat (s. oben), hier im Sinne von ‘einfach, deutlich, verständlich’, vgl. Wendungen wie nl. ik seggt uw plat, opt platte, wozu entsprechend nd. platt Adj. (17. Jh.) und substantiviert Platt n. Vgl. A. Lasch in: PBB 42 (1917) 134 ff. plätten Vb. ‘flach, platt, glatt machen, bügeln’ (18. Jh.), mnd. pletten, Faktitivum zum Adjektiv. Plätte f. ‘Bügeleisen’ und gleichbed. Plätteisen n. (beide 18. Jh.), älter (mundartlich) Platteisen.

Typische Verbindungen zu ›platt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›platt‹.

Verwendungsbeispiele für ›platt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wäre einfacher, mit platten Mitteln auf das politische Ziel loszugehen. [Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 287]
Damit ist ein Zurechtfinden auf dem platten Land gänzlich ausgeschlossen. [C’t, 1998, Nr. 17]
Er mochte den Song nicht besonders, er war ihm zu platt. [Die Zeit, 20.05.1998, Nr. 22]
So platt allerdings mochten sie das in der Öffentlichkeit nicht sagen. [Die Zeit, 01.11.1996, Nr. 45]
Denn letztere liegt bereits in ihrer reinsten Form vor, nämlich auf der platten Hand. [o. A.: DIE VERSTORBENE EHRE DER BRD. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1985]]
Zitationshilfe
„platt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/platt#1>.

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platt

Grammatik Adverb
Aussprache  [plat]
Wortbildung  mit ›platt‹ als Erstglied: Plattdeutsch · plattdeutsch
eWDG

Bedeutung

plattdeutsch
Beispiele:
platt sprechen
Hat er hochdeutsch gesprochen wie ich? Oder hat er platt geschnackt? [ FalladaBlechnapf357]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

platt · plattdeutsch · plätten · Plätte · Plätteisen
platt Adj. ‘flach, eben’, übertragen ‘geistlos, nichtssagend’, ein nd. Wort, das zu Anfang des 17. Jhs. in die Literatursprache aufgenommen wird. Mnd. plat, nd. platt ‘flach, eben’ stammt aus gleichbed. mnl. nl. plat (woraus wohl auch vereinzeltes mhd. blatevuoʒ; nhd. Plattfuß erst 18. Jh.), das seinerseits eine Entlehnung von afrz. frz. plat ‘flach, eben’ darstellt. Das in der gesamten Romania Entsprechungen aufweisende Adjektiv setzt vlat. *plattus ‘flach’ (belegt erst im Mlat.) voraus, mit Konsonantendopplung entlehnt aus griech. platýs (πλατύς) ‘weit, breit, flach, eben’. – plattdeutsch Adj. Bezeichnung des (vor allem durch die zweite Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Dt. (2. Hälfte 17. Jh.). Zuvor steht der Ausdruck als herabsetzende Bezeichnung für das im Unterschied zur hd. Schriftsprache als Mundart empfundene Nd. Es handelt sich um eine volkstümliche Entlehnung eines im Nl. aufgekommenen Sprachgebrauchs, vgl. nl. in goede platten duytsche (1. Hälfte 16. Jh.), d. h. ‘in vertrauter, verständlicher Sprache’, danach ‘volkssprachlich einfach und derb’ in Gegenüberstellung zu der mit Fremdwörtern verzierten höheren niederländischen Sprache. Zugrunde liegt nl. plat (s. oben), hier im Sinne von ‘einfach, deutlich, verständlich’, vgl. Wendungen wie nl. ik seggt uw plat, opt platte, wozu entsprechend nd. platt Adj. (17. Jh.) und substantiviert Platt n. Vgl. A. Lasch in: PBB 42 (1917) 134 ff. plätten Vb. ‘flach, platt, glatt machen, bügeln’ (18. Jh.), mnd. pletten, Faktitivum zum Adjektiv. Plätte f. ‘Bügeleisen’ und gleichbed. Plätteisen n. (beide 18. Jh.), älter (mundartlich) Platteisen.

Typische Verbindungen zu ›platt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›platt‹.

Verwendungsbeispiele für ›platt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wäre einfacher, mit platten Mitteln auf das politische Ziel loszugehen. [Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 287]
Damit ist ein Zurechtfinden auf dem platten Land gänzlich ausgeschlossen. [C’t, 1998, Nr. 17]
Er mochte den Song nicht besonders, er war ihm zu platt. [Die Zeit, 20.05.1998, Nr. 22]
So platt allerdings mochten sie das in der Öffentlichkeit nicht sagen. [Die Zeit, 01.11.1996, Nr. 45]
Denn letztere liegt bereits in ihrer reinsten Form vor, nämlich auf der platten Hand. [o. A.: DIE VERSTORBENE EHRE DER BRD. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1985]]
Zitationshilfe
„platt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/platt#2>.

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