Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

platzen

Grammatik Verb · platzt, platzte, ist geplatzt
Aussprache 
Worttrennung plat-zen
Wortbildung  mit ›platzen‹ als Erstglied: Platzpatrone · Platzregen · Platzwunde
 ·  mit ›platzen‹ als Letztglied: abplatzen · aufeinanderplatzen · aufplatzen · auseinanderplatzen · ausplatzen · herausplatzen · hereinplatzen · hineinplatzen · losplatzen · rausplatzen · zerplatzen · zusammenplatzen
eWDG

Bedeutungen

1.
durch Druck (von innen) plötzlich (und geräuschvoll) zerspringen, zerrissen werden
Beispiele:
die Granaten, Bomben, Geschosse, Minen platzten
die Leuchtkugeln platzten in der Luft
der überhitzte Kessel ist geplatzt
ein geplatztes Rohr
der Luftballon platzte mit lautem Knall
die Seifenblase platzte
Knallbonbons platzen lassen
ein Äderchen ist geplatzt
ein geplatztes Trommelfell
geplatzte Süßkirschen
die Naht, das Kleid ist geplatzt (= aufgeplatzt)
Einmal … platzt ihm ein Reifen auf offener Strecke [ FrischGantenbein297]
umgangssprachlich, bildlich
Beispiele:
die Bombe ist geplatzt (= das außergewöhnliche Ereignis ist eingetreten)
jmdm. platzt der Kragen (= jmd. verliert vor Ärger die Ruhe)
bei ihm ist der Knoten geplatzt (= er fängt endlich merklich an zu wachsen) (= er hat endlich etw., was für ihn schwierig war, begriffen)
wenn ich das noch esse, platze ich
jmd. platzt aus allen, den Nähten (= ist zu dick geworden)
zum Platzen
Der Kopf war mir zum Platzen. In meinen Ohren sauste es [ RennKrieg50]
drückt ein großes Ausmaß aus
Beispiele:
zum Platzen (= überaus) satt sein
Unsere Läger, sagten die Geschäftsleute, sind zum Platzen voll (= brechend voll) [ GaiserSchlußball50]
salopp vor Wut platzenüberaus wütend sein
Beispiele:
er wird vor Neid, Ärger platzen
sie platzte vor (lauter) Neugier
der Junge platzt (= strotzt) vor Kraft, Gesundheit
wir sind vor Lachen (fast, beinahe) geplatzt (= haben heftig gelacht)
wütend werden, sein, außer sich geraten
Beispiele:
wenn er das hört, wird er platzen
es ist zum Platzen!
ich könnte platzen
2.
salopp
a)
etw. platztetw. nimmt ein rasches Ende, scheitert
Beispiele:
die Verlobung ist geplatzt
eine Konferenz platzen lassen, zum Platzen bringen
zweimal war die Versammlung am Platzen [ SeghersRettung3,100]
jmd. platzt
Beispiel:
Jetzt wird die Gestapo untersuchen, wer hier wohnt. Wir können alle platzen (= entdeckt und verhaftet werden) [ WeisenbornDie Illegalen25]
b)
etw. platztetw. wird aufgedeckt
Beispiele:
der Schwindel, die Lüge, dieser Betrug, diese Ente ist geplatzt
das Schwindelunternehmen ist geplatzt (= aufgeflogen)
umgangssprachlichein geplatzter Scheck (= ein Scheck, von dem sich herausgestellt hat, dass er ungedeckt ist)
umgangssprachlichDer Wechsel wurde fällig, niemand löste ihn ein, er platzte [ G. HartlaubGroßer Wagen200]
c)
jmd. ist geplatzt
Beispiel:
wenn das passiert, bin ich geplatzt (= bin ich in großer Verlegenheit)
d)
etw. platztetw. kommt nicht zustande
Beispiel:
unser Urlaub ist geplatzt
3.
salopp wohin platzenunerwartet, vehement (und ungebeten) wohin kommen, hereinplatzen
Beispiele:
sie platzte gleich in das Wohnzimmer
ein Besuch platzte uns ins Haus
in diese Stille platzte die Nachricht von seinem Kommen
In diese friedliche … Junggesellenbehausung platzten nun drei wilde Rangen [ WintersteinLeben1,37]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

platzen · zerplatzen · herausplatzen · Platzregen · Platzpatrone · Platze
platzen Vb. ‘mit großem Knall zerspringen, durch übermäßigen Druck von innen auseinandergerissen werden, bersten’ (um 1600), (vor Lachen, Ärger, Neugier, Zorn) ‘außer sich geraten’ (Anfang 18. Jh.), ‘aus allen Nähten gehen’ (Ende 19. Jh.), ‘ein plötzliches Ende nehmen, scheitern’ (Anfang 20. Jh.). Mhd. blatzen, platzen ‘klatschend aufschlagen, geräuschvoll auffallen, schlagen, hastig stürzen, fallen’ gehört zu mhd. blaz, plaz ‘platschender Schlag’, einer lautmalenden Bildung wie plätschern (s. d.). zerplatzen Vb. ‘auseinanderbersten’ (Ende 16. Jh.); herausplatzen Vb. ‘plötzlich herausbrechen’, übertragen ‘mit Ungeduld eine Neuigkeit erzählen, losprusten’ (Mitte 18. Jh.). Platzregen m. ‘plötzlich in großen Tropfen niederprasselnder Regen’ (Ende 15. Jh.). Platzpatrone f. ‘nur Pulver (in Holz oder Papier), kein Geschoß enthaltende, daher nur knallende Patrone’ (19. Jh.). Platze f. in umgangssprachlichen Wendungen wie die Platze kriegen, sich die Platze ärgern, junge Rückbildung (1. Hälfte 20. Jh.) zu platzen ‘außer sich geraten’ (vor Ärger, Zorn).

Typische Verbindungen zu ›platzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›platzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›platzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war sicher ein Fehler gewesen, so in ihr Leben zu platzen. [Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 107]
Wahrscheinlich wäre sie geplatzt, wenn sie diese blöde Frage nicht gestellt hätte. [Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 89]
Spätestens nach dieser Lektüre ist mir endgültig der Kragen geplatzt. [Die Zeit, 02.08.1996, Nr. 32]
Nun scheint der Knoten bei ihm wieder geplatzt zu sein. [Die Zeit, 19.03.2013 (online)]
Aber er mußte das sagen – sonst wäre er wohl geplatzt. [Tucholsky, Kurt: Schloß Gripsholm. In: ders., Werke und Briefe, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1931], S. 3058]
Zitationshilfe
„platzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/platzen#1>.

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platzen

Grammatik Verb · reflexiv
Aussprache 
Worttrennung plat-zen
eWDG

Bedeutung

salopp, scherzhaft Platz nehmen
Beispiele:
platz dich!
»… Platzen Sie sich doch auf einen von meine grünen Fotöchs« [ H. MannSchlaraffenland1,290]

Typische Verbindungen zu ›platzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›platzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›platzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war sicher ein Fehler gewesen, so in ihr Leben zu platzen. [Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 107]
Wahrscheinlich wäre sie geplatzt, wenn sie diese blöde Frage nicht gestellt hätte. [Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 89]
Spätestens nach dieser Lektüre ist mir endgültig der Kragen geplatzt. [Die Zeit, 02.08.1996, Nr. 32]
Nun scheint der Knoten bei ihm wieder geplatzt zu sein. [Die Zeit, 19.03.2013 (online)]
Aber er mußte das sagen – sonst wäre er wohl geplatzt. [Tucholsky, Kurt: Schloß Gripsholm. In: ders., Werke und Briefe, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1931], S. 3058]
Zitationshilfe
„platzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/platzen#2>.

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