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poltern

Grammatik Verb · poltert, polterte, hat/ist gepoltert
Aussprache 
Worttrennung pol-tern
Wortbildung  mit ›poltern‹ als Erstglied: Polterabend · Poltergeist · polterig · poltrig
 ·  mit ›poltern‹ als Letztglied: Gepolter · anpoltern · heraufpoltern · hereinpoltern · herumpoltern · hinabpoltern · hinaufpoltern · hinunterpoltern · lospoltern
 ·  formal verwandt mit: holterdiepolter
eWDG

Bedeutungen

1.
es poltertmehrmals hintereinander ist lauter, dumpfer, durch Bewegung verursachter Lärm zu hören
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
es poltert draußen an der Tür
im Nebenzimmer hat es gepoltert, war ein Poltern zu hören
2.
mehrmals hintereinander lauten, dumpfen Lärm bei einer Bewegung verursachen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
der Wagen poltert über das Pflaster
die Kinder poltern über die Treppe, kamen ins Zimmer gepoltert
die Steine polterten in die Schlucht
die Schneemassen kamen ins Rutschen und polterten, fielen polternd vom Dach
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
die Kinder polterten auf der Treppe, gegen die Tür
polternde Schritte
ein polterndes Geräusch
3.
umgangssprachlich, übertragen mit lauter, grober Stimme schimpfen (ohne es böse zu meinen)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er polterte ein wenig, weil wir zu spät kamen
er kann sein Poltern nicht lassen
Eine Weile schrie und polterte er noch weiter [ NablOrtliebsche Frauen457]
»Ihr seid verrückt« polterte der Steiger [ MarchwitzaUnter uns31]
4.
einem alten, dem Brautpaar Glück verheißenden Brauch entsprechend durch Zerschlagen von Geschirr, Töpfen und anderen Gegenständen vor der Tür des Hochzeitshauses am Polterabend Lärm verursachen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
die Kinder aus der Nachbarschaft haben tüchtig gepoltert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

poltern · Polterabend
poltern Vb. ‘ein dumpfes krachendes Geräusch hervorbringen oder verursachen, holpern, rumpeln’, frühnhd. buldern, boldern, bulderen, poldern (15. Jh.), poltern (16. Jh.), mnd. bolderen, bulderen, nl. bulderen, älter bolderen ‘poltern, toben, tosen’, schwed. bullra, dän. buldre ‘lärmen, rumoren’ stehen als Bildungen mit Dental neben mhd. boln ‘rufen, schreien, blöken’, frühnhd. bollen, bollern, nhd. bullern ‘lärmen’ (s. d.) und lassen sich mit diesen als Schallwörter an die unter bellen (s. d.) angegebene lautnachahmende Wurzel ie. *bhel- ‘schallen, reden, brüllen, bellen’ anschließen. – Polterabend m. (1. Hälfte 16. Jh.), vorher Pulternacht (Anfang 16. Jh.) ‘Abend vor der Hochzeit’, an dem durch Lärm und Zerschlagen von Geschirr böse Geister und Unheil vertrieben und von der Ehe ferngehalten werden sollen.

Thesaurus

Synonymgruppe
rumoren  ●  poltern  ugs. · ramentern  ugs. · rumpoltern  ugs.
Synonymgruppe
poltern · rumpeln  ●  bollern  ugs., regional · bullern  ugs. · rumsen  ugs. · wämsen  ugs., regional
Oberbegriffe
  • (ein) Geräusch machen · zu hören sein
Assoziationen
Synonymgruppe
donnern · krachen · poltern · rumpeln · rumsen
Assoziationen
Synonymgruppe
Krawall machen · Randale machen · Unmut äußern · Zorn äußern · fluchen · geifern · herumschreien · keifen · lautstark protestieren · nicht zu beruhigen sein · poltern · schimpfen · zetern  ●  Zeter und Mordio schreien  fig. · (die) Welle machen  ugs. · (ein) Geschrei erheben  geh. · (eine) Szene machen  ugs. · (einen) (mächtigen) Wirbel veranstalten  ugs. · (einen) Riesenaufstand machen  ugs. · (einen) Zwergenaufstand veranstalten  ugs. · (he)rumpalavern  ugs. · (mächtig) auf den Putz hauen  ugs. · ein großes Palaver veranstalten  ugs. · fluchen wie ein Bierkutscher  ugs. · fluchen wie ein Droschkenkutscher  ugs. · fluchen wie ein Fischweib  ugs. · herumzetern  ugs. · keifen wie ein Fischweib  ugs. · motzen  ugs. · rumschreien  ugs. · schimpfen wie ein Fischweib  ugs. · schimpfen wie ein Rohrspatz  ugs. · schnauzen  ugs. · wettern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›poltern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›poltern‹.

Verwendungsbeispiele für ›poltern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch gegen die Wände zu poltern ist nur selten angebracht. [Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 22250]
Natürlich poltert sie, gehörig sogar, aber Zeit soll vorhanden sein, und sie ist es, die subjektive Zeit, für jeden. [konkret, 1985]
Dafür müsse ein Lahm aber nicht "poltern, er macht das über leise Töne. [Die Zeit, 16.08.2011 (online)]
Und genau in dieser Welt polterte es in den vergangenen Tagen gewaltig. [Die Zeit, 20.12.2010, Nr. 51]
Er bekomme einen "dicken Hals", wenn nun der Politik die ganze Schuld zugeschoben werden solle und Politiker als "Idioten" dargestellt würden, polterte er. [Die Zeit, 13.10.2008, Nr. 41]
Zitationshilfe
„poltern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/poltern>.

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