populistisch

Grammatik Adjektiv · Komparativ: populistischer · Superlativ: am populistischsten
Worttrennung po-pu-lis-tisch
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
häufig abwertend, Politik in der Art des Populismus (1), auf Populismus beruhend; demagogisch
Kollokationen:
als Adjektivattribut: eine populistische Partei, Politik, Bewegung, Kampagne; populistische Forderungen, Parolen, Politiker, Maßnahmen, Sprüche, Äußerungen
mit Adverbialbestimmung: sehr, nur, rein populistisch
als Adverbialbestimmung: etw. als populistisch bezeichnen, kritisieren, zurückweisen; populistisch agieren, handeln
Beispiele:
In vielen empirischen Studien wird gegenwärtig untersucht, wie die Wahlerfolge populistischer Parteien erklärt werden können. [Die Welt, 07.01.2019]
Es geht um Sachpolitik, nicht um populistische Schnellschüsse. [Der Standard, 11.07.2013]
Natürlich haben alle Parteien immer wieder versucht, Wähler auch mit neuen Wohltaten zu ködern – aber populistischer als in vergleichbaren Ländern waren die Parteien hierzulande nicht. [Die Zeit, 20.03.2008, Nr. 13]
Der Wahlkampf war weniger von programmatischen Aussagen geprägt als vielmehr von allgemein gehaltenen üblichen Versprechungen, wobei die Kandidaten sich in populistischen Ankündigungen überboten. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Die Münchner Abendzeitung (AZ) war schon immer die bessere Boulevardzeitung – in Stil und Haltung nicht zu vergleichen mit der populistischen Bild‑Zeitung, die gleichwohl bei den Deutschen immer besser ankommt. [Die Zeit, 09.05.1997, Nr. 20]
Sie [Margaret Thatcher] sei hart, kalt und verstehe die Probleme der einfachen Leute nicht, muß sich die populistischste aller britischen Premiers des 20. Jahrhunderts immer wieder vorhalten lassen. [Die Zeit, 09.06.1989, Nr. 24]
[…] erst dem populistischen Reformgeneral Omar Torrijos gelang es, die nationalistischen Bestrebungen seiner Landsleute nutzend, der Carter‑Regierung eine Vertragsregelung abzuringen, die die Teilung Panamas […] aufhebt. [konkret, 2000 [1988]]
2.
Literatur in der Art des Populismus (2), auf das Leben des einfachen Volkes bezogen, volksnah
Beispiele:
»Brot her!«, fordert [der Schriftsteller Lew] Pirogow, übersättigt von der postmodernen Hochglanzliteratur mit ihrer zumeist befremdlichen, wenn nicht schockierenden Thematik, die den Normbruch als Norm beglaubigen will. […] Pirogows populistisch anmutende Wortmeldung im Namen des Guten und Wahren lässt, nebst andern Symptomen dieser Art, auf eine allmähliche Reaktivierung des sozialistischen Realismus in Russland schliessen, der dem literarischen Geschmack des Durchschnittslesers auch heute noch – oder heute wieder – durchaus zu entsprechen vermag. [Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2003]
Aus der polizeilich‑juridischen Sphäre wären schließlich noch die verschiedenen Varianten des ›Anwalts‹ zu nennen, der sowohl populistisch im Namen des Publikums als auch bildungsfromm‑elitär im Namen der Eigengesetzlichkeit der Literatur plädieren kann. [Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 46]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
dem Volk nach dem Mund reden(d) · populistisch · publikumswirksam · sagen, was die Leute hören wollen
Assoziationen
  • (das) Klischee bedienen · (dem) Klischee entsprechen · alle Kriterien eines (...) erfüllen · im Klischee bleiben · ins Schema passen
  • agitatorisch · demagogisch · hetzerisch

Typische Verbindungen zu ›populistisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›populistisch‹.

Zitationshilfe
„populistisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/populistisch>, abgerufen am 27.11.2021.

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