poussieren

Grammatik Verb · poussiert, poussierte, hat poussiert
Aussprache  [puˈsiːʀən] · [poˈsiːʀən]
Worttrennung pous-sie-ren
Wortbildung  mit ›poussieren‹ als Erstglied: Poussierstängel · Poussiertuch · Poussiertüchelchen · Poussiertüchlein
 ·  mit ›poussieren‹ als Grundform: Poussage
Herkunft aus pousserfrz ‘stoßen, schieben, treiben, drängen’

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [veraltend] von (potenziellen) Liebespartnern
    1. a) ⟨jmd. poussiert jmdn.⟩, ⟨jmd. poussiert mit jmdm.⟩ jmdm. gegenüber unverbindlich seine Zuneigung bzw. sein erotisches Interesse zu erkennen geben (z. B. durch Blicke, Gebärden, Worte)
    2. b) ⟨jmd. poussiert jmdn.⟩, ⟨jmd. poussiert mit jmdm.⟩ Zärtlichkeiten austauschen; sexuell verkehren
    3. c) ⟨jmd. poussiert jmdn.⟩, ⟨jmd. poussiert mit jmdm.⟩ ein kurzes, oberflächliches Liebesverhältnis, eine Affäre haben
    4. d) ⟨jmd. poussiert jmdn.⟩, ⟨jmd. poussiert mit jmdm.⟩ eine feste Beziehung führen, ohne zusammenzuleben
  2. 2. [veraltend, oft abwertend] ⟨jmd. poussiert jmdn.⟩, ⟨jmd. poussiert mit jmdm.⟩ von (potenziellen) Geschäfts-, Bündnispartnern o. Ä.; sich um jmds. Gunst bemühen, z. B. durch Schmeichelei
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
veraltend von (potenziellen) Liebespartnern
a)
jmd. poussiert jmdn., jmd. poussiert mit jmdm. jmdm. gegenüber unverbindlich seine Zuneigung bzw. sein erotisches Interesse zu erkennen geben (z. B. durch Blicke, Gebärden, Worte)
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: miteinander poussieren
Beispiele:
Charmante Plaudereien verkürzen die Zeit, es wird kokettiert, geflirtet und poussiert. Die Zeit scheint nur so dahinzufliegen. Der junge Morgen ist schon mehrere Stunden alt, als die ersten Gäste den Ball verlassen. [Rhein-Zeitung, 26.11.2007]
Er besuchte fleißig die Weinstuben, poussierte die Kellnermädel, machte große Zechen auf Geschäftsunkosten und lud dazu Kutscher oder königliche Beamte ein. [Dresdner Neueste Nachrichten, 10.12.2018]
[…] Männer poussierten, wenn sie ihren Hut zum Gruß schwenkten. [Fränkischer Tag, 12.07.2013]
Wer poussiert, will sich als Subjekt oder Objekt des Begehrens in Szene setzen. [Badische Zeitung, 08.09.2012]
Heute wird im Chat poussiert. Von den Eltern gibt’s da keine Ermahnung, denn davon haben die überhaupt keine Ahnung. [Saarbrücker Zeitung, 06.02.2012]
Berüchtigt […] der Charme, mit dem er die Frauen umwirbt. »Der poussiert mit jeder«, hätten die Leute über ihn gesagt, »aber man weiß nie, hat er jetzt ein Verhältnis, hat er keins?« [Frankfurter Rundschau, 13.08.2002]
Während ihrer Liedvorträge posiert sie vor dem Klavier und poussiert mit dem Pianisten. [Berliner Morgenpost, 06.03.1999]
spezieller jmd. poussiert jmdn.sich um die Liebe einer Person (meist einer Frau) bemühen, insbesondere mit der Absicht, diese zu heiraten
Synonym zu freien (2), siehe auch umwerben
Beispiele:
Sein hoffnungsfroher Sohn poussierte erfolgreich eine Bauerntochter. [Südkurier, 11.05.2001]
Das Volksfest 1959 hatte Otto G[…] genutzt, um »zu poussieren«, wie er sagt. Er machte der Tochter eines Schaustellerkollegen den Hof, und zwar erfolgreich. Das Fräulein wurde und ist noch immer seine Frau. [Neue Westfälische, 12.10.2018]
»Sie hat angefangen zu poussieren«, erzählt Eugen H[…]. So sei es zur Hochzeit gekommen. [Südkurier, 10.02.2007]
[…] Peter M[…] poussierte damals Hedwig H[…], die er dann auch später auf den Hof des Vaters Schorsch nach Bliesdalheim als Ehefrau mitnahm. [Saarbrücker Zeitung, 12.10.2000]
Er [König Gunther von Burgund] ging poussieren und hoffte, kraft seines Charmes, Brunhilde, Königin von Isenland, für’s Brautgemach zu gewinnen. [Saarbrücker Zeitung, 09.09.1998]
Ich bin auf Freiersfuessen [sic!] gegangen (= habe eine Frau zum Heiraten gesucht) und habe meine Frau poussiert. [Frankfurter Rundschau, 23.12.1995]
b)
jmd. poussiert jmdn., jmd. poussiert mit jmdm.Zärtlichkeiten austauschen; sexuell verkehren
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: miteinander poussieren
Beispiele:
Verliebte aller Generationen zieht es wie eh und je zum Riesenrad. In luftigen 55 Metern, hoch über den Bäumen, dem Rummel entrückt […], lässt es sich vortrefflich poussieren. [Fränkischer Tag, 02.06.2017]
Ansonsten meldet die britische Boulevardpresse, dass Harry zum Mädchenschwarm aufgestiegen ist. Mit drei […] Damen poussierte er jüngst ausgiebig. Er küsste und ließ auf seinem Schoß sitzen und wurde dabei fotografiert. [Berliner Zeitung, 12.06.2001]
Auch die Drehbücher mussten [wegen der pandemiebedingten Hygienemaßnahmen] umgeschrieben werden, denn die Schauspieler dürfen sich körperlich nicht nahe kommen. Das heißt: Keine Küsse, keine Umarmungen. Nun wird bei den Fallers [in der Fernsehserie »Die Fallers«] nicht ständig poussiert, aber eine Menge Arbeit war das Umschreiben schon. [Südkurier, 08.08.2020]
»Wir sind oft auf dem alten Wasserturm gewesen[…] und dort oben hab ich auch zum ersten Mal poussiert«, erinnert sich die 46‑Jährige. [Reutlinger General-Anzeiger, 26.10.2009]
»Als zweiter Schwimmer ging Herbert Klein auf die Strecke, gefolgt von dem gesundheitlich indisponierten [Carlo] Pedersoli […].« Warum war Pedersoli indisponiert? Was hat ihn schlapp gemacht? Ist tatsächlich was dran an den Gerüchten, dass der feurige Italiener an jenem heißen Juli‑Wochenende ’51 ein Gmünder Bäckermädchen poussiert hat? [Die Welt, 30.11.2011]
Frische Pärchen brauchen mehr Privatheit als normale Menschen, weil sie viel poussieren müssen. [Der Spiegel, 15.02.2010 (online)]
Der Staatssekretär der Regierung poussiert in einem Hotelzimmer mit der Sekretärin der Opposition und entdeckt plötzlich eine Leiche … [Thüringer Allgemeine, 05.09.2003]
Hier habe ich nicht bloß schwimmen gelernt, sondern auch poussieren. Dort hinten, das war unsere Schmuseecke: Im Kofferradio sang Elvis »Love me tender«, und wir hielten uns daran; allerdings immer auf der Hut vor Bademeister M[…], der auch für die Moral zuständig war. [Saarbrücker Zeitung, 13.07.2002]
c)
jmd. poussiert jmdn., jmd. poussiert mit jmdm.ein kurzes, oberflächliches Liebesverhältnis, eine Affäre haben
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: miteinander poussieren
Beispiele:
Unter Ludwig XV. stand das Affärenkarussell nicht mehr still: Er poussierte zunächst Madame de Mailly samt ihren drei Schwestern, erlag sodann den Reizen der Pompadour, die posthum von der du Barry beerbt wurde. [Die Zeit, 21.03.1997]
»Wie Ihnen vielleicht zu Ohren gekommen ist«, so die betrogene Frau Honecker, »poussiert mein Mann mit einer gewissen Genossin Margot Feist. Nachts kommt er nicht vor eins nach Hause. […]« [Bild am Sonntag, 05.08.2007]
Roggi selbst ist jetzt zwar 80 und soll ruhiger geworden sein, aber spätestens als er mit 70 anfing, mit drei Frauen gleichzeitig zu poussieren, wurde er Legende. [Die Zeit, 01.02.2006]
Corinna antwortete, ob er eigentlich schon einmal wen lieb gehabt habe. Abel räusperte sich verlegen. Aber ganz und gar, sagte sie hastig. Nicht bloß so miteinander poussiert, ganz im Ernst, auf Tod und Leben? [Hausmann, Manfred: Gesammelte Werke. Berlin: Fischer 1983 [1932], S. 98]
d)
jmd. poussiert jmdn., jmd. poussiert mit jmdm.eine feste Beziehung führen, ohne zusammenzuleben
Synonym zu daten (b)
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: miteinander poussieren
Beispiele:
Wir haben fünf Jahre poussiert, denn damals konnte man erst mit der Volljährigkeit, also mit 21 Jahren, in eine eigene Wohnung ziehen[…]. Dann mussten wir erst mal heiraten, um eine Zechenwohnung zu kriegen[…]. [Aachener Zeitung, 18.04.2012]
Wenn einer mit einer ging, hieß es im Dorf, er poussiere sie. [Walser, Martin: Ein springender Brunnen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 305]
»Da war ich erst 15. Mein Vater hat zu ihm gesagt: Warte noch zwei Jahre, dann darfst du noch mal wiederkommen.« Gesagt, getan: Zwei Jahre später »poussierten« die beiden dann offiziell. Noch einmal zwei Jahre später gab es die Hochzeit. [Aachener Zeitung, 30.08.2018]
»Wir haben drei Jahre poussiert, und als wir dann endlich in Dilsburg eine gemeinsame Wohnung gefunden hatten, konnten wir heiraten«, erzählt der heute 87‑Jährige. [Saarbrücker Zeitung, 27.04.2018]
»Wir konnten uns immer aufeinander verlassen«, resümieren Josef und Wilhelmine K[…] ihren nunmehr 60 Jahre währenden Bund fürs Leben. »Eigentlich sind es sogar 67 – wir haben sieben Jahre poussiert«, korrigiert die Jubilarin verschmitzt. [Aachener Zeitung, 24.07.2017]
»Trotz meines Alters hatte meine Mutter keine Einwände, dass ich mit Heinrich poussierte. Er besaß ein Motorrad mit Beiwagen, was in dieser Zeit selten war.« Wenn das Geld reichte, unternahm das Pärchen »herrliche Ausflüge«. [Frankfurter Rundschau, 03.11.2006]
2.
veraltend, oft abwertend jmd. poussiert jmdn., jmd. poussiert mit jmdm.von (potenziellen) Geschäfts-, Bündnispartnern o. Ä.   sich um jmds. Gunst bemühen, z. B. durch Schmeichelei
Synonym zu hofieren
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: miteinander poussieren
Beispiele:
Selten haben Washington und Islamabad so miteinander poussiert wie dieser Tage. Gleich für eine Woche weilte eine Topdelegation aus Pakistan jüngst in Washington. Frohgemut legte sie eine 56‑seitige Wunschliste vor – und Washington zeigte sich wohlwollend. »Pakistans Kampf ist unser Kampf«, schmeichelte [US-Außenministerin] Clinton, die noch vor einem Jahr den Atomstaat dämonisiert hatte, nun den Gästen. [Der Tagesspiegel, 18.04.2010]
[Ludwig] Erhards Dilemma war die fehlende politische »Hausmacht«; es lag ihm nicht, Fraktionskollegen zu »poussieren«[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.1996]
[…] mit dem politischen Gegner soll der Generalsekretär nicht poussieren[…]. [Frankfurter Rundschau, 31.10.2008]
Er [Franz Josef Strauß] sparte keinen aus. Kohl, Bangemann und vor allem Hans‑Dietrich Genscher bekamen ihr Fett ab. Die beiden Spitzenliberalen betrachtet der Bayer inzwischen als Sicherheitsrisiko für den Fortbestand der Regierung. Den am Abend zuvor noch poussierten Bangemann schilderte er hinter verschlossenen Türen als schlappe Figur. [Der Spiegel, 13.01.1986]
Die britische Regierung poussierte damals Hitler‑Deutschland, weil sie glaubte, aus dem von ihr erhofften Angriff des nazistischen deutschen Imperialismus auf die Sowjetunion Vorteile ziehen zu können. [Berliner Zeitung, 06.01.1967]
Es sind […] alle Länder dem Rufe gefolgt, mit Ausnahme der Parlamente von Wien und Budapest. Man wird sie poussieren müssen, und das können Sie besser tun als ich, mit Hilfe eines Freundes im Reichsrat. [Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 70326]
Berthold wurde von einem jungen Inder abgeholt. (»Ich poussiere ihn schon lange, wir machen große Geschäfte.«) [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders.: Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 283]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

poussieren · Poussage
poussieren Vb. ‘den Hof machen, flirten, schmeichelnd umwerben’. Das im Dt. seit der 2. Hälfte des 17. Jhs. bezeugte Verb ist entlehnt aus frz. pousser ‘stoßen, schieben, treiben, drängen’, das aus lat. pulsāre ‘kräftig stoßen, schlagen’ (s. Puls) hervorgegangen ist. poussieren begegnet zuerst im Sinne von ‘antreiben, drängen, um etw. bemüht sein, fördern, unterstützen’, in der Kaufmannssprache ‘sich mit Sorgfalt und Anstrengung der Herstellung eines Artikels widmen’. Danach entwickelt sich in der Studentensprache (Anfang 19. Jh.) die Bedeutung ‘hofieren, schöntun, liebeln’ (vgl. frz. pousser les beaux sentiments ‘verliebt tun’). Poussage f. ‘Liebschaft, Liebelei, Flirt, Geliebte’ (19. Jh.), anfangs neben Poussade, beide französierend zum Verb gebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
bebalzen · beturteln · herumschäkern · herumturteln · kokettieren · liebäugeln · schäkern · turteln  ●  flirten  Hauptform · poussieren  veraltet · scharmutzieren  veraltend · tändeln  veraltend · herummachen mit  ugs. · liebeln  ugs. · rummachen mit  ugs.
Assoziationen
Zitationshilfe
„poussieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/poussieren>.

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