poussieren
GrammatikVerb · poussierte, hat poussiert
Aussprache
Worttrennungpous-sie-ren
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›poussieren‹ als Erstglied: ↗Poussierstängel · ↗Poussiertuch · ↗Poussiertüchelchen · ↗Poussiertüchlein
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, veraltend, (noch) landschaftlich mit jmdm. eine Poussage (Lesart 1) haben, flirten
Beispiele:
Erstmals hat sich […] Arnaud Lagardère öffentlich zu dem Turtel-Video geäußert, das ihn und das belgische Fotomodel Jade Fôret poussierend im Internet zeigte. [Süddeutsche Zeitung, 07.09.2011]
Morgen würde die halbe Stadt darüber sprechen, wie nah sie beieinander gesessen hatten. Der Priester und die Schauspielerin, die auch nicht mehr ganz taufrisch war. Hatten die nicht damals schon was miteinander gehabt […]. Ja, poussiert hatten die schon früh miteinander. [Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 155]
Wenn einer mit einer ging, hieß es im Dorf, er poussiere sie. [Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 305]
Unter Ludwig XV. stand das Affärenkarussell nicht mehr still: Er poussierte zunächst Madame de Mailly samt ihren drei Schwestern, erlag sodann den Reizen der Pompadour, die posthum von der du Barry beerbt wurde. Der Liebesreigen rief naturgemäß Eifersucht, Händel und ausgekochte Intrigen auf den Plan. [Die Zeit, 21.03.1997, Nr. 13]
Corinna antwortete, ob er eigentlich schon einmal wen lieb gehabt habe. Abel räusperte sich verlegen. Aber ganz und gar, sagte sie hastig. Nicht bloß so miteinander poussiert, ganz im Ernst, auf Tod und Leben? [Hausmann, Manfred: Abel mit der Mundharmonika. In: ders., Gesammelte Werke, Berlin: Fischer 1983, S. 98. Zitiert nach: Hausmann, Manfred: Abel mit der Mundharmonika, Berlin: Fischer 1932.]
2.
veraltend hofieren, umschmeicheln, umwerben; um jmds. Gunst werben
Beispiele:
Exakt 1274 Objekte haben die Dorotheums-Experten für die dritte Auktionswoche des Jahres ausgewählt, die nun um neue Besitzer poussieren. Und sie tun es vielseitig, mit unterschiedlichsten Techniken aus den verschiedensten Stilepochen und in einer preislich attraktiven Bandbreite […]. [Der Standard, 01.10.2010]
Das [Land Afghanistan] lag hinter mehr als sieben Bergen, während doch Napoleon mitten im Land stand, mit Goethe und den deutschen Fürsten poussierte und die Ideen der Französischen Revolution verriet. […] [Süddeutsche Zeitung, 04.07.2009]
Er [Franz Josef Strauß] sparte keinen aus. Kohl, Bangemann und vor allem Hans-Dietrich Genscher bekamen ihr Fett ab. Die beiden Spitzenliberalen betrachtet der Bayer inzwischen als Sicherheitsrisiko für den Fortbestand der Regierung. Den am Abend zuvor noch poussierten Bangemann schilderte er hinter verschlossenen Türen als schlappe Figur. [Der Spiegel, 13.01.1986]
Die britische Regierung poussierte damals Hitler-Deutschland, weil sie glaubte, aus dem von ihr erhofften Angriff des nazistischen deutschen Imperialismus auf die Sowjetunion Vorteile ziehen zu können. [Berliner Zeitung, 06.01.1967]
Zwei Weltkriege haben wir begonnen und verloren im Lauf von zweiunddreißig Jahren. Eine forsche Leistung! Wie, wenn wir uns nun zurückzögen, neutral würden – uns poussieren ließen von den Amis und den Russen – Handel trieben mit West und Ost? [Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984, S. 455. Zitiert nach: Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Druck.- u. Verl.-Haus 1960.]
3.
a)
zum Vorteil gereichen, förderlich sein
b)
aufsteigen, sich verbessern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

poussieren · Poussage
poussieren Vb. ‘den Hof machen, flirten, schmeichelnd umwerben’. Das im Dt. seit der 2. Hälfte des 17. Jhs. bezeugte Verb ist entlehnt aus frz. pousser ‘stoßen, schieben, treiben, drängen’, das aus lat. pulsāre ‘kräftig stoßen, schlagen’ (s. ↗Puls) hervorgegangen ist. poussieren begegnet zuerst im Sinne von ‘antreiben, drängen, um etw. bemüht sein, fördern, unterstützen’, in der Kaufmannssprache ‘sich mit Sorgfalt und Anstrengung der Herstellung eines Artikels widmen’. Danach entwickelt sich in der Studentensprache (Anfang 19. Jh.) die Bedeutung ‘hofieren, schöntun, liebeln’ (vgl. frz. pousser les beaux sentiments ‘verliebt tun’). Poussage f. ‘Liebschaft, Liebelei, Flirt, Geliebte’ (19. Jh.), anfangs neben Poussade, beide französierend zum Verb gebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
bebalzen · beturteln · ↗herumschäkern · herumturteln · ↗kokettieren · ↗liebäugeln · ↗schäkern · ↗turteln  ●  ↗flirten  Hauptform · poussieren  veraltet · ↗scharmutzieren  veraltend · ↗tändeln  veraltend · herummachen mit  ugs. · ↗liebeln  ugs. · rummachen mit  ugs.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

herumpoussiert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›poussieren‹.

Zitationshilfe
„poussieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/poussieren>, abgerufen am 23.01.2018.

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