prüde

GrammatikAdjektiv · attributiv, prädikativ
Aussprache
Worttrennungprü-de (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1974

Bedeutung

in sexueller Beziehung übertrieben schamhaft und empfindlich, zimperlich
Beispiele:
sie ist sehr prüde
Das prüde Gehabe beeindruckte Ramsch nicht [StrittmatterBienkopp77]
ein mondänes, aber prüdes Manuskript für eine Tonfilmoperette [KlepperSchatten89]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

prüde · Prüderie
prüde Adj. ‘übertrieben schamhaft, zimperlich, spröde’, seit dem letzten Viertel des 18. Jhs. geläufig (zunächst vornehmlich substantiviert eine Prüde ‘eine Frau von übertriebener, oft nur vorgetäuschter Sittsamkeit’), ist Entlehnung von in gleicher Weise verwendetem frz. prude. Das frz. Adjektiv entstammt der Fügung frz. prud’homme ‘tüchtiger, erfahrener Mann, Sachverständiger’, älter auch ‘tapferer Mann, Ehrenmann’ (aus afrz. prodome, preudome, mfrz. preudhomme, wohl unter dem Einfluß von frz. prudent ‘klug’ lautlich umgestaltet) bzw. entsprechend gebildetem afrz. prode feme, afrz. frz. (bis ins 17. Jh. belegt) preude femme ‘tüchtige, ehrenwerte Frau’. Afrz. prode, afrz. mfrz. preude, das in diesen Verbindungen wahrscheinlich schon um 1400 als Adjektiv aufgefaßt wird, ist eigentlich eine Zusammensetzung von afrz. pro, preu ‘tapfer, kühn, tauglich, gut’ (frz. preux) mit der Präposition afrz. frz. de ‘von’; der erste Bestandteil ist adjektivisch gebrauchtes afrz. pro, preu m. ‘Vorteil, Nutzen, Gewinn’, dieses aus gleichbed. spätlat. prōde (in spätlat. prōde est, volkstümliche oder halbgelehrte Auflösung von klassisch lat. prōdest ‘es nützt’). Prüderie f. ‘zur Schau getragene Schamhaftigkeit, Ziererei’ (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. frz. pruderie.

Thesaurus

Synonymgruppe
prüde · ↗schamhaft · ↗spröde · ↗verschämt · wie eine Jungfrau · ↗zimperlich  ●  ↗genant  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amerikaner Brite England Epoche Gesellschaft Inszenierung Jahrhundert Moral Zeitgenosse angeblich bigott eher gar keineswegs konservativ puritanisch spießig streng verklemmt weniger ziemlich zugehen äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›prüde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bald werden die Polen auf Polnisch vor nackten Deutschen gewarnt und die Deutschen auf Deutsch vor prüden Polen.
Die Zeit, 08.09.2008, Nr. 36
Das war natürlich für viele in der noch recht prüden Zeit empörend.
Der Tagesspiegel, 15.06.2003
Wir sind heutzutage nicht mehr gar so ängstlich und auch kaum noch prüde.
Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 265
Davor waren selbst in der prüden Viktorianischen Zeit die Pubs von sechs Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet gewesen.
o. A. [ihl.]: Pubs. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1988]
Sie war nicht prüde, hatte keine Angst, etwas auszuprobieren, aber sie kam nicht selber darauf.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 108
Zitationshilfe
„prüde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/prüde>, abgerufen am 16.10.2019.

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