primitiv

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungpri-mi-tiv
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›primitiv‹ als Erstglied: ↗Primitivling · ↗primitivieren · ↗primitivisieren
 ·  mit ›primitiv‹ als Grundform: ↗Primitivität
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
sehr einfach, simpel
Beispiele:
eine primitive Hütte, Holzbank, Waffe
das Werkzeug, die Brücke, der Zaun ist etwas primitiv
eine primitive Lebensweise, Darstellung
die primitivsten Regeln, Rechte
die primitivste Vorsicht, Höflichkeit vergessen
abwertend dürftig, notdürftig
Beispiele:
eine primitive Unterkunft
ein primitiv eingerichtetes Zimmer
unter primitiven Verhältnissen leben, arbeiten (müssen)
2.
auf niedriger Entwicklungsstufe, Kulturstufe stehend
Beispiele:
primitive Lebewesen
primitive Kulturen
der Ackerbau steht in diesem Land noch auf recht primitiver Stufe
der Wanderer ist in vielen Hinsichten ein primitiver Mensch, so wie der Nomade primitiver ist als der Bauer [Hesse3,387]
übertragen
Beispiel:
das Projekt befindet sich noch in den primitivsten (= ersten) Anfängen, in seinem primitivsten Stadium
elementar, triebhaft
Beispiele:
primitive Gefühle, Regungen, Emotionen
ein primitives Bedürfnis, Verlangen
sie tat es aus primitiver Habsucht
er trank viel und liebte die Wollust in ihrer primitivsten Form [WeisenbornMemorial138]
naiv
Beispiele:
eine primitive Vorstellung, Weltanschauung
primitive Kunst, Malerei
Der primitive Glaube, der in Petrus den einzigen Türhüter des Himmelreichs sah [HallerPapsttum2,1,129]
3.
abwertend von geringem geistig-kulturellem Niveau
Beispiele:
ein primitiver Mensch, Charakter
eine primitive Unterhaltung, Ausdrucksweise, Schrift
primitiv argumentieren
Man ist nicht primitiv genug, überlegte er ernsthaft, man sollte primitiver sein [Wasserm.Maurizius511]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

primitiv · Primitivität
primitiv Adj. ‘ursprünglich, urtümlich, auf einer frühen Entwicklungs- bzw. Kulturstufe stehend’, dann (in häufiger und breiter Verwendungsweise) auch ‘einfach, roh, dürftig, armselig, naiv’, entlehnt (18. Jh.) aus gleichbed. frz. primitif, das auf lat. prīmitīvus ‘der erste in seiner Art’, mlat. ‘ursprünglich’, zurückgeht; zu lat. prīmus ‘der erste, vorderste’ (s. ↗prima). Primitivität f. ‘Ursprünglichkeit, Einfachheit, Dürftigkeit’ (1. Hälfte 20. Jh.); vgl. frz. primitivité.

Thesaurus

Synonymgruppe
banal · ↗einfach · ↗leicht · leicht verständlich · primitiv · ↗simpel · ↗unkompliziert · ↗unproblematisch  ●  geschenkt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
banausisch · ↗grobschlächtig · ↗kulturlos · primitiv · ↗roh  ●  ↗prollig  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • primitiv
Synonymgruppe
Billig... · ↗billig · ↗derb · ↗fadenscheinig · ↗flach · nicht (besonders) ambitioniert · ohne Ambition(en) · ohne Anspruch · ohne Niveau · ↗platt · primitiv · ↗schlecht · ↗seicht  ●  wenig ambitioniert  verhüllend · ↗anspruchslos  geh. · nicht besonders einfallsreich  ugs. · ↗niveaulos  geh., Hauptform · ↗unambitioniert  geh., verhüllend · wie in einem schlechten Film  ugs., variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antiamerikanismus Antikommunismus Behausung Buschneger Eingeborene Einzeller Entwicklungsstufe Holzhütte Hütte Instinkt Kulturstufe Lebensform Lebewesen Machart Naturvolk Organismus Stamm Steinwerkzeug Trieb Urmensch Volksstamm Vorform Werkzeug Wilde archaisch barbarisch infantil roh rückständig vergleichsweise

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›primitiv‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Frau Nick ist dagegen mit ihren billigen Äußerungen einfach nur primitiv.
Bild, 20.04.2005
Er dachte also, Sie halten diese Kunst für primitiv im engeren Sinne.
Süddeutsche Zeitung, 29.06.2002
Doch insgesamt wirkt das Werk formal unausgewogen, in der harmonischen Anlage kitschig, rhythmisch regelrecht primitiv.
Der Tagesspiegel, 23.03.1998
Die Musik schafft das nicht, denn die ist Blues von der primitivsten Art.
Die Zeit, 07.05.1976, Nr. 20
In den Häusern selbst waren diese Einrichtungen meist unglaublich primitiv.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 3881
Zitationshilfe
„primitiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/primitiv>, abgerufen am 20.03.2019.

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