propagieren

GrammatikVerb · propagierte, hat propagiert
Aussprache
Worttrennungpro-pa-gie-ren
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›propagieren‹ als Erstglied: ↗Propagierung
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw., besonders politische, philosophische Lehren, Ideen, Meinungen durch politisch-ideologische Aufklärung systematisch verbreiten, um das öffentliche Bewusstsein dahingehend zu beeinflussen
Beispiele:
das Neue, den Aufbau des Sozialismus propagieren
eine Theorie, Idee propagieren
Ansichten, Losungen propagieren
die Gewerkschaften propagierten den Generalstreik
eine gesunde Lebensweise propagieren
er hat in seinem Aufsatz provokante Thesen propagiert
2.
als Propagandist für eine bestimmte Ware werben, sie demonstrieren (und verkaufen)
Beispiel:
ein Präparat propagieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Propaganda · propagieren · Propagandist
Propaganda f. ‘schriftliche oder mündliche Verbreitung von (politischen) Ideen, Lehren; Werbung’. Auszugehen ist von der Bezeichnung kirchenlat. Congregatio de propaganda fide ‘Kongregation (päpstliche Behörde) zur Verbreitung des (katholischen) Glaubens’, als gegenreformatorische Organisation von Papst Clemens VIII. in Rom 1597 gegründet und von Gregor XV. 1622 mit verbindlichen Richtlinien (für die Missionstätigkeit) erneuert. Für diese Institution gilt im Dt. die Kurzform Propaganda (18. und 19. Jh.). Es handelt sich dabei um die fem. Form des Gerundivums von lat. prōpāgāre ‘weiter ausbreiten, erweitern, ausdehnen, verlängern, durch Senker fortpflanzen’, zu lat. prōpāgēs ‘Setzling, Ableger, Kind, Nachkomme’ (s. auch ↗pfropfen). Zur Zeit der französischen Revolution bezeichnet frz. club de la propagande eine geheime Gesellschaft der Jakobiner zur Verbreitung revolutionärer Ideen. Daraufhin entwickelt frz. propagande die Bedeutung ‘von einer Organisation ausgehende Verbreitung politischer Meinungen und Lehren’ (um 1790) und gelangt als Schlagwort der Revolution ins Dt. In den Revolutionsjahren um 1830 und 1848 wird der Ausdruck neu belebt, meint aber zunächst noch immer eine für die Ausbreitung des Ideenguts verantwortliche Organisation. Erst in der Mitte des 19. Jhs. steht das Substantiv für ‘Ausbreitung politischer (linker) Lehren’ (vgl. Propaganda machen, 1848). In der 2. Hälfte des 19. Jhs. wird der Ausdruck auf die kommerzielle Werbung ausgedehnt. Vgl. Dieckmann in: ZfdSpr. 21, 105 ff. propagieren Vb. ‘Propaganda treiben, werben, bekanntmachen’ (19. Jh.), im Anschluß an Propaganda entsprechend frz. propager, lat. prōpāgāre. Propagandist m. (Ende 18. Jh.), frz. propagandiste bzw. engl. propagandist.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) ausbreiten · (sich) propagieren · ↗(sich) verbreiten
Synonymgruppe
(ein) gutes Wort einlegen (für) · (etwas) tun für · ↗(sich) bemühen (um) · ↗(sich) engagieren · (sich) starkmachen (für) · Partei ergreifen (für, gegen) · ↗agitieren (für, gegen) · eintreten für · ↗kämpfen (für, um) · propagieren · ↗streiten (für) · ↗werben (für)  ●  (eine) Lanze brechen für  fig. · ↗(sich) einsetzen (für)  Hauptform · (sich) aus dem Fenster hängen (für)  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Werbetrommel rühren · Publicity machen für · Werbung machen · ↗anpreisen · ↗bewerben · ↗promoten · propagieren · ↗umwerben · ↗werben  ●  ↗hochhalten  fig. · Rummel machen um  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bekannt machen · in Umlauf setzen · ↗popularisieren · populär machen · propagieren · ↗verbreiten  ●  unter die Leute bringen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkehr Abschaffung Abtreibung Allheilmittel Ausstieg Austritt Familienplanung Frauenbild Heilmittel Ideal Idee Ideologie Islam Klassenkampf Kondom Leitbild Parole Rückbesinnung Schlagwort Slogan Sozialismus Umsturz einerseits lauthals lautstark neuerdings praktizieren stattdessen unermüdlich vollmundig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›propagieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Architekten propagieren rhetorisch eine hektische Spannung, auf die sie mit ihren Gebäuden auch angewiesen sind.
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2000
Doch allzu offensiv möchte man diese Tendenz derzeit noch nicht propagieren.
Die Zeit, 29.03.1996, Nr. 14
In beiden Fällen diente Terror dazu, eine Doktrin zu verwirklichen, nicht sie zu propagieren.
Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 629
Der Kanzler soll seine Zurückhaltung aufgeben und nun die Einheit öffentlich mit voller Kraft propagieren.
Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 225
Das heißt, nichts liegt mir ferner, als daraus die ideologische Umkehrung schließen zu wollen und nun die "natürliche" Überlegenheit des Weibes zu propagieren!
Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 196
Zitationshilfe
„propagieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/propagieren>, abgerufen am 16.11.2018.

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