protzig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungprot-zig
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend in aufdringlicher Weise besonders den Reichtum zur Schau stellend, angeberisch wirkend
Beispiele:
ein protziger Bau
protzige Villen
ein protzig eingerichteter Raum
protzige Eleganz, protziger Reichtum
umgangssprachlich ein protziger Kerl
etw. wirkt protzig
Zwischen den Fenstern mit gerafften, schweren Vorhängen hingen protzig golden gerahmte, überschmückte Spiegel [RennKindheit102]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Protz · protzen · protzig
Protz m. ‘Wichtigtuer, Angeber, arroganter Emporkömmling’, aus dem Obd. (zuerst in Wien, Mitte 19. Jh.) in die Literatursprache aufgenommen. Obd. Protz ‘anmaßender, aufgeblasener Mensch’ ist Übertragung von schwäb. bair. öst. Protz, Brotz ‘Kröte’ (belegt seit Ende 16. Jh.), ausgehend von der Vorstellung, daß sich die Kröte dick mache, den Kehlsack aufblase. Dazu die Zusammensetzungen Machtprotz (Mitte 19. Jh.), Geldprotz (2. Hälfte 19. Jh.), Muskelprotz (1. Hälfte 20. Jh.). protzen Vb. ‘prahlen, angeben’; vgl. obd. (sich) protzen, brotzen ‘aufblähen, stolz tun’ (17. Jh.), auch ‘schmollen, trotzen, maulen’, das mit Protz in der Literatursprache Verbreitung gewinnt. protzig Adj. ‘großtuerisch, patzig, aufgebläht, unangemessen reich ausgestattet, prunkvoll’ (literatursprachlich 2. Hälfte 18. Jh.); zuvor (landschaftlich) protz (15. Jh.), protzigt, brotzig, protzig (17. Jh.) ‘aufgebläht, stolz, hoffärtig’, auch ‘mürrisch, schmollend’. Die Herkunft ist ungewiß. Falls die Verbalsubstantive ahd. (10. Jh.), mhd. broʒ, nhd. (mundartlich obd.) Brotze, Bross ‘Knospe, Sproß’ und (wohl ein ie. d-Präsens voraussetzendes) mhd. brieʒen ‘anschwellen, Knospen treiben’ vergleichbar sind, ist Verwandtschaft mit (wohl zu einem Partizip ie. *bhrutos gebildetem) lat. frutex ‘Staude, Strauch, Gesträuch’ sowie air. broth ‘Granne, Haar’ möglich und damit über ie. *bhreud- Anschluß an ie. *bhreu- ‘sprießen, schwellen’, auf dessen s-Erweiterung die unter ↗Brust (s. d.) behandelten ie. Formen zurückgehen.

Thesaurus

Synonymgruppe
angeberhaft · ↗angeberisch · ↗aufschneiderisch · ↗dünkelhaft · ↗großmundig · ↗großsprecherisch · ↗großspurig · ↗großtuerisch · nicht gerade schüchtern · ↗prahlerisch · protzig · ↗prätentiös · ↗vollmundig · ↗wichtigtuerisch  ●  dick aufgetragen  ugs. · ↗großkotzig  ugs. · ↗großmäulig  derb · ↗großschnauzig  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anwesen Architektur Auftreten Auto Baute Bauwerk Denkmal Fassade Gehabe Geschenk Hochhaus Hotel Lebensstil Limousine Luxus Neubau Palast Reichtum Ring Schloß Schmuck Selbstdarstellung Villa Yacht daherkommen elegant gar prächtig weniger wirken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›protzig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schön muss sie sein, elegant, imposant - aber nicht zu protzig.
Die Welt, 16.01.2001
Das Haus, 1913 für einen Verleger erbaut, ist repräsentativ, aber nicht protzig.
Bild, 16.09.1999
Die Schrift - die Type bleibt jedem überlassen - sollte nicht zu groß sein, denn dies wirkt protzig.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 223
Was ist umwerfend, nicht protzig, kostbar und zugleich von Herzen kommend?
Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 367
Ihr wart so schmuck und so protzig, als Ihr ankamt, und habt nichts erlebt als Not und Tod.
Frenssen, Gustav: Peter Moors Fahrt nach Südwest, Berlin: Grote 1920 [1906], S. 100
Zitationshilfe
„protzig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/protzig>, abgerufen am 23.10.2019.

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