Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

protzig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung prot-zig
eWDG

Bedeutung

abwertend in aufdringlicher Weise besonders den Reichtum zur Schau stellend, angeberisch wirkend
Beispiele:
ein protziger Bau
protzige Villen
ein protzig eingerichteter Raum
protzige Eleganz, protziger Reichtum
umgangssprachlichein protziger Kerl
etw. wirkt protzig
Zwischen den Fenstern mit gerafften, schweren Vorhängen hingen protzig golden gerahmte, überschmückte Spiegel [ RennKindheit102]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Protz · protzen · protzig
Protz m. ‘Wichtigtuer, Angeber, arroganter Emporkömmling’, aus dem Obd. (zuerst in Wien, Mitte 19. Jh.) in die Literatursprache aufgenommen. Obd. Protz ‘anmaßender, aufgeblasener Mensch’ ist Übertragung von schwäb. bair. öst. Protz, Brotz ‘Kröte’ (belegt seit Ende 16. Jh.), ausgehend von der Vorstellung, daß sich die Kröte dick mache, den Kehlsack aufblase. Dazu die Zusammensetzungen Machtprotz (Mitte 19. Jh.), Geldprotz (2. Hälfte 19. Jh.), Muskelprotz (1. Hälfte 20. Jh.). – protzen Vb. ‘prahlen, angeben’; vgl. obd. (sich) protzen, brotzen ‘aufblähen, stolz tun’ (17. Jh.), auch ‘schmollen, trotzen, maulen’, das mit Protz in der Literatursprache Verbreitung gewinnt. protzig Adj. ‘großtuerisch, patzig, aufgebläht, unangemessen reich ausgestattet, prunkvoll’ (literatursprachlich 2. Hälfte 18. Jh.); zuvor (landschaftlich) protz (15. Jh.), protzigt, brotzig, protzig (17. Jh.) ‘aufgebläht, stolz, hoffärtig’, auch ‘mürrisch, schmollend’. Die Herkunft ist ungewiß. Falls die Verbalsubstantive ahd. (10. Jh.), mhd. broʒ, nhd. (mundartlich obd.) Brotze, Bross ‘Knospe, Sproß’ und (wohl ein ie. d-Präsens voraussetzendes) mhd. brieʒen ‘anschwellen, Knospen treiben’ vergleichbar sind, ist Verwandtschaft mit (wohl zu einem Partizip ie. *bhrutos gebildetem) lat. frutex ‘Staude, Strauch, Gesträuch’ sowie air. broth ‘Granne, Haar’ möglich und damit über ie. *bhreud- Anschluß an ie. *bhreu- ‘sprießen, schwellen’, auf dessen s-Erweiterung die unter Brust (s. d.) behandelten ie. Formen zurückgehen.

Thesaurus

Synonymgruppe
angeberhaft · angeberisch · aufschneiderisch · dünkelhaft · großmundig · großsprecherisch · großspurig · großtuerisch · nicht gerade schüchtern · prahlerisch · protzig · prätentiös · vollmundig · wichtigtuerisch  ●  dick aufgetragen  ugs. · großkotzig  ugs. · großmäulig  derb · großschnauzig  derb
Assoziationen
Synonymgruppe
bombastisch · pompös  ●  protzig  Hauptform, abwertend · nach Geld stinken(d)  ugs.
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›protzig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›protzig‹.

Verwendungsbeispiele für ›protzig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Schrift – die Type bleibt jedem überlassen – sollte nicht zu groß sein, denn dies wirkt protzig. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 223]
Doch vor dem protzigen Kasten hat sich das Militär aufgebaut. [Süddeutsche Zeitung, 15.05.1998]
Dem neuen Kanzler erschien das 465 Millionen Mark teure Gebäude damals als zu protzig, nun möchte er es dennoch ungern verlassen. [Die Welt, 26.09.2005]
Es sei alles zu groß, zu protzig, viel zu glamourös. [Die Welt, 10.01.2004]
Schön muss sie sein, elegant, imposant – aber nicht zu protzig. [Die Welt, 16.01.2001]
Zitationshilfe
„protzig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/protzig>.

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