provinziell

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungpro-vin-zi-ell
HerkunftLatein
WortzerlegungProvinz-iell
eWDG, 1974

Bedeutung

veraltend, abwertend vom kulturellen Geschehen, den (modischen) Neuerungen der Hauptstadt, einer Großstadt wenig berührt, kleinstädtisch beschränkt
Beispiele:
in ihrer Kleidung wirkte sie provinziell
provinzielle Meinungen, Verhaltensweisen
provinzielle Verhältnisse
Er war ... noch einer von der köstlich skurrilen, tief provinziellen idyllischen Art Spitzwegs [O. M. GrafMitmenschen210]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Provinz · Provinzler · provinziell · provinzial · Provinzialismus
Provinz f. ‘Verwaltungsbezirk, das Land (im Gegensatz zur Hauptstadt), rückständige, vom gesellschaftlichen Leben der Großstädte abliegende Gegend’, mhd. provincie ‘Verwaltungsbezirk, erzbischöflicher Amtsbezirk’, entlehnt aus lat. prōvincia ‘Geschäfts-, Herrschaftsbereich, unter römischer Oberhoheit und Verwaltung stehendes Gebiet außerhalb Italiens’, spätlat. ‘Gegend, Bereich’. Provinzler m. ‘Provinzbewohner, Kleinstädter’ (Anfang 19. Jh.). provinziell Adj. ‘die Provinz betreffend, landschaftlich, hinterwäldlerisch, (in seinen Ansichten) beschränkt’ (19. Jh.), französierende Bildung zu älterem provinzial Adj. ‘eine Provinz betreffend, zu ihr gehörend’ (16. Jh.), lat. prōvinciālis. Provinzialismus m. ‘ländlicher, mundartlicher Ausdruck’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
dörflich · ↗kleinstädtisch · ↗ländlich · provinziell  ●  Auf der Alm, da gibt's koa Sünd.  ugs., sprichwörtlich, scherzhaft · ↗ländlich-sittlich  ugs., ironisch
Assoziationen
Synonymgruppe
altmodisch · ↗angestaubt · ↗hinterwäldlerisch · ↗muffig · provinziell · ↗rückständig · ↗verschlafen · ↗verschnarcht · ↗zurückgeblieben · ↗überholt  ●  ↗verstaubt  fig. · hinterm Mond  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bieder · ↗borniert · brav und bieder · ↗engstirnig · ↗kleinbürgerlich · ↗philisterhaft · ↗piefig · provinziell · ↗spießbürgerlich · ↗spießerhaft  ●  ↗spießig  Hauptform · ↗philiströs  geh., bildungssprachlich
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgeschiedenheit Anstrich Bedeutungslosigkeit Beschaulichkeit Beschränktheit Biederkeit Borniertheit Eigenbrötelei Enge Engstirnigkeit Gemeckere Kleinmut Lachnummer Mief Minderwertigkeitskomplex Mittelmaß Muffigkeit Nabelschau Residenzstadt Selbstgenügsamkeit Selbstzufriedenheit Zuschnitt bigott dilettantisch engstirnig kleinbürgerlich kleinkariert rückständig spießig zutiefst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›provinziell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber es ist, glaube ich, gut zu wissen, wie provinziell man selber ist.
Die Zeit, 11.07.2013, Nr. 29
Bei aller provinziellen Enge der Atmosphäre ist die Geschichte literarisch universell gültig.
Die Welt, 02.12.2000
Er empfand sich selbst als provinziell, begriffsstutzig und außerdem zu leise.
Nadolny, Sten: Selim oder Die Gabe der Rede, München: Piper 1997 [1990], S. 192
Die Mehrheit der Delegierten empfand vielmehr das »süße Gefühl« gehobener Würde, diesem Zirkel provinzieller Macht anzugehören.
Herbst, Andreas u. a.: Lexikon der Organisationen und Institutionen - P. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 4858
Dennoch bleibt das Werk Buchals allgemeingültig, ohne jede provinzielle Verengung.
Speer, Gotthard: Buchal. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1973], S. 1756
Zitationshilfe
„provinziell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/provinziell>, abgerufen am 22.02.2019.

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