Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

provisorisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung pro-vi-so-risch
Herkunft vgl. gleichbedeutend provisoirefrz, provisoryengl
eWDG

Bedeutung

eine bessere Lösung und endgültige Regelung vorübergehend ersetzend, vorläufig
a)
Beispiele:
eine provisorische Lösung
eine provisorische Regierung, Leitung
b)
behelfsmäßig
Beispiele:
ein provisorisches Obdach, Holzkreuz
eine provisorische Brücke, Verkaufsstelle
etw. provisorisch reparieren, befestigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Provision · provisorisch · Provisorium
Provision f. ‘anteilig berechnete Vermittlungsgebühr, Vergütung für geleistete Dienste’, im kaufmännischen Bereich entlehnt (Mitte 16. Jh.) aus gleichbed. ital. provvisione (in dieser Verwendung heute auch provvigione), eigentlich ‘das Vorsehen, Anschaffung, Vorrat, Versorgung, Bezahlung’, zurückgehend auf lat. prōvīsio (Genitiv prōvīsiōnis) ‘das Vorhersehen, Fürsorge, Vorkehrung’, mlat. ‘Lebensunterhalt, Versorgung, Einsetzung in ein Amt, Kriegsvorrat’, zu lat. prōvidēre (prōvīsum) ‘vor sich sehen, vorhersehen, Vorsorge tragen, Vorkehrungen treffen’; vgl. lat. vidēre ‘sehen, wahrnehmen, erkennen’. Bereits zuvor finden sich im Dt. die unmittelbar an das Mlat. anzuschließenden Formen mhd. provisie, frühnhd. Provision ‘Verleihung eines Kirchenamtes und der damit verbundenen Einkünfte’ sowie frühnhd. Provisie (15. Jh.), dann (unter Einfluß von ital. provvisione oder afrz. frz. provision ‘Vorrat, Versorgung’?) Provision ‘Lebensunterhalt, Lebensmittel, Vorrat’ (bis ins 18. Jh. vor allem für ‘Kriegsvorrat’ gebräuchlich). provisorisch Adj. ‘vorläufig, einstweilig, behelfsmäßig’ (2. Hälfte 18. Jh.), wohl nach dem Muster von gleichbed. frz. provisoire, engl. provisory (ursprünglich ‘in Erwartung einer endgültigen Regelung zeitweilig für etw. Sorge tragend’) gebildet zu lat. prōvīsum (s. oben), vielleicht schon ein entsprechendes mlat. Adjektiv voraussetzend (vgl. mlat. provisorius ‘päpstlich verliehen’); dazu latinisierendes Provisorium n. ‘vorläufiger Zustand’ (19. Jh., vgl. gleichbed. frz. provisoire m.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aushilfsweise · behelfsmäßig · behelfsweise · ersatzweise · hilfsweise · improvisiert · nicht vollwertig · notdürftig · probeweise  ●  provisorisch  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›provisorisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›provisorisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›provisorisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es lag oben unterm Dach in nur provisorisch hergerichteten Räumen. [Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 10]
In einem kleinen provisorischen Dorf, das für diesen Zweck vorübergehend aufgebaut wurde, brachte man 20000 Juden unter. [o. A.: Einhundertsechzigster Tag. Freitag, 21. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11341]
Die provisorische Regierung solle Wahlen vorbereiten, die nach dem vollständigen Abzug der Vietnamesen abgehalten würden. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1989]]
Wir glaubten, mit Frankreich ein provisorisches Abkommen über seine Verwendung abschließen zu können. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1958]]
In diesem Fall wird die Provisorische Gesamtdeutsche Regierung verständlicherweise im ersten Stadium nur begrenzte Funktionen ausüben. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1953]]
Zitationshilfe
„provisorisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/provisorisch>.

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