Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

provozieren

Grammatik Verb · provoziert, provozierte, hat provoziert
Aussprache 
Worttrennung pro-vo-zie-ren
Wortbildung  mit ›provozieren‹ als Erstglied: Provokation
Herkunft aus prōvocārelat ‘hervor-, herausrufen, auffordern, reizen’
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. provozierenetw. (Unangenehmes absichtlich) hervorrufen, verursachen, etw. heraufbeschwören
Beispiele:
Streit, einen Krach, Skandal provozieren
eine Panik provozieren
Medizin Krankheitserscheinungen, Körperreaktionen künstlich hervorrufen
Beispiel:
Aber auch Nahrungsmittel, beispielsweise Eier, Nüsse … können allergische Reaktionen und somit ein Asthma provozieren [ Gesundheit1969]
2.
jmdn. provozierenjmdn. zu einer bestimmten, oft unbedachten Handlung aufreizen, jmdn. herausfordern
Beispiele:
sich nicht provozieren lassen
er wollte mich provozieren
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
etw. als provozierend empfinden
mit provozierender Ruhe warten
in provozierender Weise auftreten
eine provozierende Forderung
jmd. hat etw. Provozierendes an sich
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

provozieren · Provokation · provokatorisch · Provokateur
provozieren Vb. ‘herausfordern, reizen, zu einer (unbedachten) Handlung veranlassen’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh.) aus lat. prōvocāre (prōvocātum) ‘hervor-, herausrufen, auffordern, reizen’ (vgl. lat. vocāre ‘rufen’). Provokation f. ‘Herausforderung’ (Mitte 16. Jh.), aus gleichbed. lat. prōvocātio (Genitiv prōvocātiōnis). provokatorisch Adj. ‘herausfordernd, zu unbedachten Handlungen aufreizend’ (Mitte 19. Jh.); vgl. lat. prōvocātōrius ‘zur Herausforderung gehörig, hervorlockend’. Provokateur m. ‘wer zu unbedachten Handlungen herausfordert, Aufwiegler, Spitzel’ (1. Hälfte 19. Jh.), mfrz. frz. provocateur ‘Aufwiegler’, adjektivisch (ebenfalls aus dem Frz.) Agent provocateur ‘Polizeispitzel, der Verdächtige zu unbedachten Handlungen ermuntert’; vgl. lat. prōvocātor ‘Herausforderer (zum Kampf)’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) frech kommen · (jemanden) provozieren · (sich) Frechheiten herausnehmen · (sich) Unverschämtheiten herausnehmen · (sich) im Ton vergreifen · Streit suchen · anpöbeln · aufsässig sein · beleidigen · es an (dem nötigen) Respekt fehlen lassen · herumpöbeln · im Ton danebengreifen · unverschämt werden  ●  ausfallend werden  Hauptform · (jemandem) blöd kommen  ugs. · (jemandem) dumm kommen  ugs. · frech werden  ugs. · rumpöbeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Streit provozieren · (einen) Streit vom Zaun brechen · (jemanden) provozieren · (sich) mit jemandem anlegen  ●  Händel suchen  veraltet · Streit suchen  Hauptform · (jemanden) anmachen  ugs. · (jemanden) blöd von der Seite anquatschen  ugs.
Synonymgruppe
frech werden · patzige Antworten geben · provozieren  ●  Widerworte geben  ugs. · wider den Stachel löcken  geh., veraltet
Synonymgruppe
(es) abgesehen haben auf · (etwas) provozieren · (etwas) wollen · aus sein auf · suchen (Streit / die Konfrontation)  ●  (Streit) vom Zaun brechen  fig., variabel · es anlegen auf (es angelegt haben auf)  Hauptform · (etwas) nicht anders wollen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (auf etwas) aus sein · (etwas) in den Blick nehmen · (sich etwas) fest vornehmen · (sich etwas) in den Kopf setzen · (sich etwas) zum Programm gemacht haben · (sich etwas) zum Ziel setzen · (sich) konzentrieren (auf) · abzielen (auf) · anpeilen · anstreben · anvisieren · bezwecken · darauf aus sein (zu + Infinitiv) · erstreben · es abgesehen haben auf · es anlegen auf · im Sinn(e) haben · ringen um · streben nach · vorhaben  ●  (erreichen) wollen  Hauptform · (etwas) im Schilde führen  negativ · (sich etwas) auf die Fahnen geschrieben haben  fig. · abstellen (auf)  geh. · hinter etwas her sein  ugs. · sinnen (auf)  geh., veraltend · trachten (nach)  geh., veraltend · willens sein  geh.
  • Streit suchen · Unfrieden stiften · Unruhe (in etwas) bringen · Unruhe stiften  ●  Stunk machen  ugs. · stänkern  ugs.
  • (jemandem) frech kommen · (jemanden) provozieren · (sich) Frechheiten herausnehmen · (sich) Unverschämtheiten herausnehmen · (sich) im Ton vergreifen · Streit suchen · anpöbeln · aufsässig sein · beleidigen · es an (dem nötigen) Respekt fehlen lassen · herumpöbeln · im Ton danebengreifen · unverschämt werden  ●  ausfallend werden  Hauptform · (jemandem) blöd kommen  ugs. · (jemandem) dumm kommen  ugs. · frech werden  ugs. · rumpöbeln  ugs.
  • (einen) Streit provozieren · (einen) Streit vom Zaun brechen · (jemanden) provozieren · (sich) mit jemandem anlegen  ●  Händel suchen  veraltet · Streit suchen  Hauptform · (jemanden) anmachen  ugs. · (jemanden) blöd von der Seite anquatschen  ugs.
  • (es) darauf ankommen lassen · (sein/das) Schicksal herausfordern · Gott versuchen (relig.) · alles auf eine Karte setzen · alles aufs Spiel setzen · aufs Ganze gehen  ●  (es) wissen wollen  ugs. · alles riskieren  ugs. · alles verlieren können  ugs. · volles Risiko fahren  ugs.
Synonymgruppe
anzetteln · eine Lawine (von ...) lostreten · entfachen · lostreten · provozieren · vom Zaun brechen  ●  heraufbeschwören  negativ
Oberbegriffe
Assoziationen
  • anrichten  negativ · anstellen  negativ · verbrechen  ironisch, negativ · (sich etwas) leisten  ugs. · ausfressen  ugs., Hauptform, negativ
  • (etwas) veranlasst haben · (seine) Finger im Spiel haben · (wahrer) Urheber (sein) · hinter etwas stecken
  • (etwas) im Schilde führen  ugs. · ausbrüten  ugs., fig. · aushecken  ugs. · ausklamüsern  ugs. · ausknobeln  ugs.
  • (einen) Shitstorm auslösen · (einen) Skandal heraufbeschwören  ●  (mächtig) Staub aufwirbeln  fig. · in ein Wespennest stechen  fig.
  • (ein) heißes Eisen anfassen  fig. · (einen) Nerv treffen  fig. · (einen) wunden Punkt berühren  fig. · alte Wunden aufreißen  fig. · den Finger in die Wunde legen  fig., variabel · in ein Wespennest stechen  fig.
  • (es) abgesehen haben auf · (etwas) provozieren · (etwas) wollen · aus sein auf · suchen (Streit / die Konfrontation)  ●  (Streit) vom Zaun brechen  fig., variabel · es anlegen auf (es angelegt haben auf)  Hauptform · (etwas) nicht anders wollen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›provozieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›provozieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›provozieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst provoziert sie ihn, und dann klagt sie ihn an. [Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 270]
Er hat uns erklärt, er habe uns nur provozieren wollen. [Der Spiegel, 22.06.1992]
Und auch die "deutsche Öffentlichkeit" fühlte sich nur mäßig provoziert. [o. A.: WO "TERRORISMUSBEKÄMPFUNG" GANZ VERKEHRT WÄRE. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1986]]
Nicht selten provozieren auch sie die Lust an der Aggression. [Die Zeit, 09.03.1962, Nr. 10]
Damit hatte er innerhalb der Gemeinschaft teils harsche Kritik provoziert. [Die Zeit, 04.02.2013, Nr. 05]
Zitationshilfe
„provozieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/provozieren>.

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