Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

psychiatrisch

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [psyˈçi̯aːtʀɪʃ]
Worttrennung psy-chi-at-risch · psy-chia-trisch · psych-iat-risch · psych-ia-trisch
Wortzerlegung Psychiatrie -isch
Wortbildung  mit ›psychiatrisch‹ als Letztglied: gerichtspsychiatrisch · jugendpsychiatrisch · kinderpsychiatrisch
Herkunft Psychiatrie
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
die Psychiatrie betreffend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein psychiatrisches Krankenhaus; eine psychiatrische Abteilung, Anstalt, Einrichtung, Klinik; ein psychiatrischer Sachverständiger
Beispiele:
Trotz Fortschritten in der psychiatrischen Forschung und Versorgung habe sich die Einstellung gegenüber Menschen mit Depression, Schizophrenie und Alkoholabhängigkeit in den letzten 20 Jahren in Deutschland nicht verbessert. [Der Standard, 07.06.2013]
Weil sie darauf beharrt, nicht Annika zu sein, sondern aus der Zukunft zu kommen, wurde sie in die forensische Abteilung der psychiatrischen Klinik Tundra eingewiesen. [Süddeutsche Zeitung, 12.05.2021]
Angststörungen zählen zu den am weitesten verbreiteten psychiatrischen Erkrankungen. [Der Standard, 14.12.2015]
Fast 25 Jahre leitete er die Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatik der Psychiatrischen Universitätsklinik München. [Die Welt, 17.04.2009]
2.
auf den Erkenntnisse und Methoden der Psychiatrie beruhend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein psychiatrisches Gutachten; eine psychiatrische Behandlung, Versorgung; metonymisch ein psychiatrischer Gutachter
Beispiele:
Eine psychiatrische Intervention kann […] den körperlichen Heilungsprozess befördern. [Die Welt, 17.03.2017]
Seither leidet er [das Opfer eines Messerangriffs] einem Gutachter zufolge an einer posttraumatischen Belastungsstörung und gilt als psychiatrisch auffällig. [Süddeutsche Zeitung, 26.04.2021]
Ein psychiatrischer Sachverständiger wird am Ende der Beweisaufnahme ein Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit und zur Gefährlichkeitsprognose erstatten. [Der Spiegel, 05.09.2017 (online)]
Der Prozess wurde zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens auf unbestimmte Zeit vertagt. [Der Standard, 19.08.2005]
Die Verteidigung schloß sich dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an, beantragte aber gleichzeitig eine umgehende psychiatrische Behandlung des Angeklagten. [die tageszeitung, 08.12.1997]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Psyche · psychisch · Psychose · Psychiatrie · Psychiater · psychiatrisch · Psychologie · Psychologe · psychologisch · Psychopathie · psychopathisch · Psychotherapie
Psyche f. Gesamtheit der Prozesse der höheren Nerventätigkeit des Menschen, ‘Seele, Seelenleben, Gemüt, Wesen, Eigenart’, Übernahme (zufrühest Mitte 17. Jh., fachsprachlich und gemeinsprachlich seit Anfang 19. Jh.) von griech. psȳchḗ (ψυχή) ‘Hauch, Atem, Leben, Lebenskraft, Seele (des Verstorbenen), Geist, Gemüt’; vgl. griech. psȳ́chein (ψύχειν) ‘hauchen, atmen, aushauchen, ohnmächtig werden, sterben, abkühlen, erfrischen’. psychisch Adj. ‘die Psyche betreffend, dazu gehörend, seelisch, innerlich’ (um 1800); vgl. griech. psȳchikós (ψυχικός) ‘zur Seele, zum Leben gehörig, seelisch, geistig’. Psychose f. ‘Gemütserkrankung, Geisteskrankheit, Zustand ungewöhnlich starker seelischer Erregung’ (Mitte 19. Jh.), in Übereinstimmung mit der bei Krankheitsbezeichnungen geläufigen Endung -ose (s. Thrombose); zuvor (1. Hälfte 19. Jh.) ‘Beseelung, Belebung, Seele’, unmittelbar aus gleichbed. griech. psȳ́chōsis (ψύχωσις). Psychiatrie f. Lehre von der Erkennung, Behandlung und Verhütung psychischer Krankheiten (Anfang 19. Jh.); vgl. griech. iātré͞ia (ἰατρεία) ‘das Heilen, Heilung’. Psychiater m. ‘Facharzt für Nerven-, Gemüts- und Geisteskrankheiten’; vgl. griech. iātrós (ἰατρός) ‘(Wund)arzt’ (s. Arzt); psychiatrisch Adj. ‘die Psychiatrie betreffend, dazu gehörend, darauf beruhend’ (beide Anfang 19. Jh.). Psychologie f. Wissenschaft, die die Gesetzmäßigkeiten der psychischen Prozesse und psychischen Eigenschaften in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit von der Umwelt erforscht (18. Jh.), zuvor Psychologia ‘Seelenkunde’ (16. Jh.), gelehrte Bildung zu griech. psȳchḗ (s. oben) in Verbindung mit -logie (s. d.); Psychologe m. ‘Fachmann auf dem Gebiet der Psychologie’ und psychologisch Adj. ‘die Psychologie betreffend, darauf beruhend’ (beide 18. Jh.). Psychopathie f. ‘abnorme psychische Verfassung, die sich in Verhaltensstörungen äußert’ (19. Jh.), zu griech. psȳchḗ (s. oben) und griech. páthos (πάθος) ‘(Miß)geschick, Leid, Gemütsbewegung, Leidenschaft’ (s. Pathos), in Analogie zu anderen Bildungen auf -pathie (s. Apathie, Antipathie); psychopathisch Adj. (19. Jh.). Psychotherapie f. Therapie seelischer oder seelisch bedingter Leiden mit psychischen Mitteln und gemäß psychologischer Methoden (Ende 19. Jh.), zum Grundwort s. Therapie.

Typische Verbindungen zu ›psychiatrisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›psychiatrisch‹.

Zitationshilfe
„psychiatrisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/psychiatrisch>.

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