putzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungput-zen
Wortbildung mit ›putzen‹ als Erstglied: ↗Putzeimer · ↗Putzerei · ↗Putzfee · ↗Putzfimmel · ↗Putzfrau · ↗Putzkammer · ↗Putzkraft · ↗Putzlappen · ↗Putzleute · ↗Putzlumpen · ↗Putzmann · ↗Putzmittel · ↗Putzmörtel · ↗Putzraum · ↗Putzsucht · ↗Putzteufel · ↗Putztick · ↗Putztruppe · ↗Putztuch · ↗Putzwolle · ↗Putzwut · ↗Putzzeug · ↗putzmunter · ↗putzsüchtig
 ·  mit ›putzen‹ als Letztglied: ↗abputzen · ↗anputzen · ↗aufputzen · ↗ausputzen · ↗durchputzen · ↗herausputzen · ↗herunterputzen · ↗runterputzen · ↗wegputzen · ↗zuputzen · ↗überputzen
 ·  mit ›putzen‹ als Binnenglied: ↗Schuhputzkasten · ↗Zahnputzglas  ·  mit ›putzen‹ als Grundform: ↗Putze · ↗verputzen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw. reibend, wischend blank machen
Beispiele:
das Metall, Silber, die Türklinke, den Leuchter, das Besteck putzen
das Gewehr putzen
das Fenster, die Gläser, den Spiegel putzen
(sich) [Dativ] die Brille putzen
sich [Dativ] die Zähne putzen
(jmdm.) die Schuhe, Stiefel putzen
die Pferde putzen
die Katze putzt sich, ihr Fell
etw. ist blank, sorgfältig, schlecht geputzt
[sie begann] die Messingstange am Ofen und die schwere metallne Petroleumlampe zu putzen [BredelVäter30]
umgangssprachlich, abwertend, übertragen
Beispiel:
(die) Klinken putzen (= mit einem bestimmten Anliegen von Tür zu Tür gehen)
etw. durch Reiben, Wischen beseitigen
Beispiel:
[sie] putzten sich ... mit einem Grasbüschel den Kalkstaub von den Schuhen [KasackStadt204]
2.
etw. reinigen, säubern
Beispiele:
sich [Dativ] die Nase putzen (= schnauben, sich schneuzen)
Gemüse, Salat putzen (= Unbrauchbares davon entfernen)
die Kerze, das Licht, den Docht putzen (= den verbrannten Teil des Dochtes beseitigen)
süddeutsch, schweizerisch das Zimmer, die Küche, den Laden, die Regale putzen
österreichisch die Kleidung putzen
Drei Kindern hab ich die Nase geputzt [WeisenbornMädchen79]
süddeutsch, schweizerisch die Mutter putzt im Schulhaus [M. WalserEhen401]
österreichisch Er ... putzte sie [die Hand] mit seinem Taschentuch [MusilMann760]
3.
sich, jmdn. schmücken, festlich kleiden
Beispiel:
sich, ein Kind (zum Fest, Geburtstag) putzen
abwertend sich, jmdn. auffallend schmücken, kleiden
Beispiel:
die Art, wie sich Katharina geputzt hatte. Sie hatte einen bunten Lappen um den Hals statt eines Kragens, sie hatte ein Armbandgeklimper am Arm [SeghersRettung3,62]
oft im Part. Prät.
Beispiele:
(festlich, prächtig) geputzte Menschen
salopp, abwertend geputzt wie ein Pfingstochse
den Weihnachtsbaum putzen (= mit Christbaumschmuck behängen)
die Häuser zum Fest putzen
So gewöhnte man sich daran, ihn bald geputzt ... als anerkannten Dorfelegant an der Spitze des jungen Volks zu sehen [Droste-Hülsh.Judenbuche901]
etw. putzt (etw.)etw. ist ein wirkungsvoller Schmuck (für etw.)
Beispiele:
die Schleife putzt (das Kleid) sehr
Diese Klatschrosen dort drüben putzen ganz ungemein [Th. MannBuddenbrooks1,96]
4.
etw. mit Putz, Mörtel bewerfen, abputzen
Beispiel:
ein Haus, eine Wand, Mauer, Decke putzen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

putzen · Putz · Verputz · verputzen
putzen Vb. ‘reinigen, säubern, glänzend machen, (sich) schmücken, festlich kleiden, schönmachen’. Die Herkunft des seit dem 15. Jh. nur im Dt. bezeugten Verbs (schwed. putsa, nl. poetsen sind Entlehnungen aus dem Nhd.) ist ungeklärt. Allgemein wird frühnhd. butzen, putzen als Ableitung von obd. Butze(n) m. ‘abgeschlagenes, kurzes Stück, zähe Masse, Schlacke, Klumpen, Schmutzklümpchen’, speziell ‘verhärteter Schleim der Nase, Eiterflocke, Schnuppe der Talgkerze, Kerngehäuse des Obstes’ (15. Jh.) aufgefaßt und als verwandt mit nd. butt ‘stumpf, plump’ und vielleicht mit mnd. bȫten, ahd. mhd. bōʒen ‘stoßen, schlagen’ (s. ↗Butzenscheibe) angesehen. Hierzu möglicherweise auch obsächs. Eiter-, Erd-, Grasbatzen, die dann freilich unter Veränderung des Stammvokals an ↗Batzen (s. d.) angeschlossen sein müßten. Frühnhd. butzen, putzen bedeutet danach eigentlich ‘von Butzen befreien’, besonders (in den frühesten Belegen) ‘die Nase, eine Kerze säubern’, daraus die allgemeinere Bedeutung ‘von Schmutz reinigen, säubern, blank machen’, auch ‘schmücken’ (alle 16. Jh.), später die spezielle Bedeutung ‘(Mauerwerk) mit Putz, Mörtel bewerfen’ (18. Jh.; dafür auch abputzen). Anders Bach in: ZfdSpr. 22 (1966) 78 ff., der putzen zur Wortgruppe von ↗Buße, ↗büßen (s. d.) im Sinne von ‘Besserung’ bzw. ‘bessern’, damit auch zu ↗besser (s. d.) stellen will. Er setzt lautgesetzlich zu erwartendes mhd. *bü(e)tzen und für den Stammvokal (germ. ō, ahd. uo) westmd. ū voraus, das vor Doppelkonsonanz gekürzt frühnhd. butzen, putzen ergeben habe. Danach seien die frühesten Bezeugungen als ‘(eifrig, mit Nachdruck) besser machen’ aufzufassen; ein Licht putzen (mit der Lichtputzschere) bedeutet danach ‘seine Leuchtkraft bessern’, die Nase putzen ‘den dem Besitzer nicht behaglichen Zustand der triefenden Nase bessern’, Mauerwerk (ver)putzen ‘es gegen die Einflüsse der Witterung wiederstandsfähiger machen, seinen Zustand bessern’, woraus sich ‘reinigen, schmücken’ ergeben habe. Ganz anders de Vries Nl. 535, der Substantiv und Verb an frühnhd. posse, bosse ‘Zierat, Beiwerk’ (s. ↗Possen) anknüpfen möchte. Putz m. ‘Mörtel, Wand-, Deckenbewurf aus Mörtel, Mörtelverkleidung’ (19. Jh.), älter, heute selten ‘schöne Kleidung, schöne Frisur’ (Anfang 18. Jh.), ‘Gegenstände zum Schmücken, schmückendes Beiwerk, Zierat’ (Ende 16. Jh.). Verputz m. ‘auf Mauerwerk (Wände, Decken) aufgetragene Mörtelschicht’ (19. Jh.); verputzen Vb. ‘mit Putz versehen, mit Mörtel bewerfen’ (19. Jh.), landschaftlich ‘gierig (auf)essen, schnell verbrauchen, vergeuden, (Geld) ausgeben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abstauben · ↗abwischen · ↗entstauben · putzen · ↗wegwischen
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
putzen · ↗reinigen · ↗sauber machen · ↗saubermachen · ↗säubern  ●  ↗purifizieren  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brille Fenster Gefieder Gemüse Klinke Klo Scheibe Schuh Stiefel Toilette Zahn Zahnbürste abputzen aufputzen aufräumen ausputzen blank blankputzen bügeln herausputzen herunterputzen kochen polieren putzen rausputzen runterputzen schrubben schälen waschen wegputzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›putzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber wenn ich groß bin, dann putzen wir sie alle.
Bild, 28.09.2002
Vor zehn Jahren dürften sie zum letzten Mal geputzt worden sein.
Der Tagesspiegel, 02.03.2000
Natürlich hatte ich am Morgen vergessen, mir die Zähne zu putzen.
Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 61
Wenn er ihr noch einmal den Gang schmutzig macht, muß er ihn jedesmal putzen.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 146
Sie mußte sich immerzu die Nase putzen, aber von Schnupfen keine Spur.
Hausmann, Manfred: Abel mit der Mundharmonika. In: ders., Gesammelte Werke, Berlin: Fischer 1983 [1932], S. 101
Zitationshilfe
„putzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/putzen>, abgerufen am 17.10.2019.

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