Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

putzen

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈpʊʦn̩]
Worttrennung put-zen
Wortbildung  mit ›putzen‹ als Erstglied: Putzbürste · Putzeimer · Putzer · Putzerei · Putzfee · Putzfimmel · Putzfrau · Putzkammer · Putzkraft · Putzlappen · Putzleder · Putzleute · Putzlumpen · Putzmann · Putzmittel · Putzmörtel · Putzraum · Putzsucht · Putzteufel · Putztick · Putztruppe · Putztuch · Putzwolle · Putzwut · Putzzeug · putzmunter · putzsüchtig
 ·  mit ›putzen‹ als Letztglied: abputzen · anputzen · aufputzen · ausputzen · durchputzen · herausputzen · herunterputzen · runterputzen · wegputzen · zuputzen · überputzen
 ·  mit ›putzen‹ als Binnenglied: Klinkenputzer · Lampenputzer · Rachenputzer · Rohrputzer · Schuhputzautomat · Schuhputzer · Schuhputzkasten · Stiefelputzer · Zahnputzbecher · Zahnputzglas
 ·  mit ›putzen‹ als Grundform: Putz · Putze · verputzen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. reibend, wischend blank machen
Beispiele:
das Metall, Silber, die Türklinke, den Leuchter, das Besteck putzen
das Gewehr putzen
das Fenster, die Gläser, den Spiegel putzen
(sich) [Dativ] die Brille putzen
sich [Dativ] die Zähne putzen
(jmdm.) die Schuhe, Stiefel putzen
die Pferde putzen
die Katze putzt sich, ihr Fell
etw. ist blank, sorgfältig, schlecht geputzt
[sie begann] die Messingstange am Ofen und die schwere metallne Petroleumlampe zu putzen [ BredelVäter30]
umgangssprachlich, abwertend, übertragen
Beispiel:
(die) Klinken putzen (= mit einem bestimmten Anliegen von Tür zu Tür gehen)
etw. durch Reiben, Wischen beseitigen
Beispiel:
[sie] putzten sich … mit einem Grasbüschel den Kalkstaub von den Schuhen [ KasackStadt204]
2.
etw. reinigen, säubern
Beispiele:
sich [Dativ] die Nase putzen (= schnauben, sich schneuzen)
Gemüse, Salat putzen (= Unbrauchbares davon entfernen)
die Kerze, das Licht, den Docht putzen (= den verbrannten Teil des Dochtes beseitigen)
süddeutsch, schweizerischdas Zimmer, die Küche, den Laden, die Regale putzen
österreichischdie Kleidung putzen
Drei Kindern hab ich die Nase geputzt [ WeisenbornMädchen79]
süddeutsch, schweizerischdie Mutter putzt im Schulhaus [ M. WalserEhen401]
österreichischEr … putzte sie [die Hand] mit seinem Taschentuch [ MusilMann760]
3.
sich, jmdn. schmücken, festlich kleiden
Beispiel:
sich, ein Kind (zum Fest, Geburtstag) putzen
abwertend sich, jmdn. auffallend schmücken, kleiden
Beispiel:
die Art, wie sich Katharina geputzt hatte. Sie hatte einen bunten Lappen um den Hals statt eines Kragens, sie hatte ein Armbandgeklimper am Arm [ SeghersRettung3,62]
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
(festlich, prächtig) geputzte Menschen
salopp, abwertend geputzt wie ein Pfingstochse
den Weihnachtsbaum putzen (= mit Christbaumschmuck behängen)
die Häuser zum Fest putzen
So gewöhnte man sich daran, ihn bald geputzt … als anerkannten Dorfelegant an der Spitze des jungen Volks zu sehen [ Droste-Hülsh.Judenbuche901]
etw. putzt (etw.)etw. ist ein wirkungsvoller Schmuck (für etw.)
Beispiele:
die Schleife putzt (das Kleid) sehr
Diese Klatschrosen dort drüben putzen ganz ungemein [ Th. MannBuddenbrooks1,96]
4.
etw. mit Putz, Mörtel bewerfen, abputzen
Beispiel:
ein Haus, eine Wand, Mauer, Decke putzen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

putzen · Putz · Verputz · verputzen
putzen Vb. ‘reinigen, säubern, glänzend machen, (sich) schmücken, festlich kleiden, schönmachen’. Die Herkunft des seit dem 15. Jh. nur im Dt. bezeugten Verbs (schwed. putsa, nl. poetsen sind Entlehnungen aus dem Nhd.) ist ungeklärt. Allgemein wird frühnhd. butzen, putzen als Ableitung von obd. Butze(n) m. ‘abgeschlagenes, kurzes Stück, zähe Masse, Schlacke, Klumpen, Schmutzklümpchen’, speziell ‘verhärteter Schleim der Nase, Eiterflocke, Schnuppe der Talgkerze, Kerngehäuse des Obstes’ (15. Jh.) aufgefaßt und als verwandt mit nd. butt ‘stumpf, plump’ und vielleicht mit mnd. bȫten, ahd. mhd. bōʒen ‘stoßen, schlagen’ (s. Butzenscheibe) angesehen. Hierzu möglicherweise auch obsächs. Eiter-, Erd-, Grasbatzen, die dann freilich unter Veränderung des Stammvokals an Batzen (s. d.) angeschlossen sein müßten. Frühnhd. butzen, putzen bedeutet danach eigentlich ‘von Butzen befreien’, besonders (in den frühesten Belegen) ‘die Nase, eine Kerze säubern’, daraus die allgemeinere Bedeutung ‘von Schmutz reinigen, säubern, blank machen’, auch ‘schmücken’ (alle 16. Jh.), später die spezielle Bedeutung ‘(Mauerwerk) mit Putz, Mörtel bewerfen’ (18. Jh.; dafür auch abputzen). Anders Bach in: ZfdSpr. 22 (1966) 78 ff., der putzen zur Wortgruppe von Buße, büßen (s. d.) im Sinne von ‘Besserung’ bzw. ‘bessern’, damit auch zu besser (s. d.) stellen will. Er setzt lautgesetzlich zu erwartendes mhd. *bü(e)tzen und für den Stammvokal (germ. ō, ahd. uo) westmd. ū voraus, das vor Doppelkonsonanz gekürzt frühnhd. butzen, putzen ergeben habe. Danach seien die frühesten Bezeugungen als ‘(eifrig, mit Nachdruck) besser machen’ aufzufassen; ein Licht putzen (mit der Lichtputzschere) bedeutet danach ‘seine Leuchtkraft bessern’, die Nase putzen ‘den dem Besitzer nicht behaglichen Zustand der triefenden Nase bessern’, Mauerwerk (ver)putzen ‘es gegen die Einflüsse der Witterung wiederstandsfähiger machen, seinen Zustand bessern’, woraus sich ‘reinigen, schmücken’ ergeben habe. Ganz anders de Vries Nl. 535, der Substantiv und Verb an frühnhd. posse, bosse ‘Zierat, Beiwerk’ (s. Possen) anknüpfen möchte. Putz m. ‘Mörtel, Wand-, Deckenbewurf aus Mörtel, Mörtelverkleidung’ (19. Jh.), älter, heute selten ‘schöne Kleidung, schöne Frisur’ (Anfang 18. Jh.), ‘Gegenstände zum Schmücken, schmückendes Beiwerk, Zierat’ (Ende 16. Jh.). Verputz m. ‘auf Mauerwerk (Wände, Decken) aufgetragene Mörtelschicht’ (19. Jh.); verputzen Vb. ‘mit Putz versehen, mit Mörtel bewerfen’ (19. Jh.), landschaftlich ‘gierig (auf)essen, schnell verbrauchen, vergeuden, (Geld) ausgeben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
putzen · reinigen · sauber machen · saubermachen · säubern  ●  purifizieren  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›putzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›putzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›putzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vergiß bei der morgendlichen Reinigung nicht, dir gründlich die Zähne zu putzen. [Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 12]
Nach weniger als fünf Minuten habe ich mir die Zähne geputzt und liege im Bett. [Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 9]
Fertig renoviert, sauber geputzt, und die Möbel, die sie ausgelagert haben, sind zurück. [Die Zeit, 24.06.1999, Nr. 26]
Sie muß jetzt putzen gehen, für sechzig Mark im Monat. [Die Zeit, 05.04.1996, Nr. 15]
Ich putze mir die Zähne, tatsächlich, das gehört sich so. [Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 56]
Zitationshilfe
„putzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/putzen>.

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