räsonieren

GrammatikVerb · räsonierte, hat räsoniert
Aussprache
Worttrennungrä-so-nie-ren
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›räsonieren‹ als Erstglied: ↗Räsonierer · ↗räsonabel
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich (laut) nörgeln und schimpfen
Beispiele:
er schimpfte und räsonierte den ganzen Tag, bei jeder Gelegenheit
er muss über alles fortwährend räsonieren
eine ewig räsonierende Frau
Dies Räsonieren hatte ihm den letzten Freund gekostet [F. HartlaubVon unten gesehen113]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Räson · räsonieren · Räsoneur
Räson f. ‘Vernunft, Verstand, Einsicht, verständiges Betragen’, Entlehnung (1. Hälfte 17. Jh.) von afrz. frz. raison ‘Vernunft, Verstand, Vernünftigkeit, Grund, Ursache, Rechtfertigung, Recht’ (afrz. auch ‘Rede, Ausdrucksweise’), aus lat. ratio (Genitiv ratiōnis) ‘Rechnung, Berechnung, Rechenschaft, Denken, Denkvermögen, Vernunft, Grund, Maß, Gesetzmäßigkeit, Ordnung, Methode, Prinzip’ (s. ↗rational). Im Dt. in nuancierten Verwendungen ‘vernünftige Überlegung, Erklärung, Rechtfertigung, Grund’, auch ‘Vernunft, Einsicht, Denkvermögen, vernünftiges Urteil’, vgl. zur Räson bringen ‘zur Vernunft, Einsicht bringen’ (2. Hälfte 17. Jh.), Räson annehmen ‘einsichtig, vernünftig werden’ (1. Hälfte 18. Jh.), schließlich ‘Recht, Rechtmäßigkeit, vernünftiger Grundsatz’, vgl. Staatsräson (nach frz. raison d’ État). Die Schreibung folgt bis ins 19. Jh. dem Frz.; doch vgl. frühe Eindeutschungsversuche wie R(a)eson, Ressung, Räson (17. Jh.) räsonieren Vb. ‘sich wortreich ereifern, seinem Unmut, seiner Unzufriedenheit durch Schimpfen Ausdruck geben, nörgeln’ (18. Jh.), älter ‘(vernünftig) denken, überlegen, urteilen, argumentieren, erörtern’ (2. Hälfte 17. Jh.), entlehnt aus frz. raisonner ‘vernunftgemäß denken, urteilen, reden, argumentieren’ (afrz. raisoner ‘reden’). Im Dt. nimmt in der 2. Hälfte des 18. Jhs. räsonieren als Ausdruck der einsetzenden skeptischen, auch ablehnenden Haltung gegenüber der Aufklärung zunehmend pejorative Bedeutung an im Sinne von ‘klug daherreden, schwatzen’, dann ‘kritisch und abfällig reden, widersprechen, schimpfen’. Räsoneur m. ‘Widerspruchsgeist, Nörgler, Klugschwätzer’ (18. Jh.), frz. raisonneur ‘Beurteiler, Schwätzer’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(seinem) Ärger Luft machen · ↗(sich) beklagen · ↗(sich) beschweren · (sich) unzufrieden äußern · ↗beckmessern · ↗bekritteln · ↗bemäkeln · ↗herumkritisieren (an) · ↗herummeckern · ↗herumnörgeln (an) · immer (et)was auszusetzen haben · immer (et)was zu meckern haben · ↗murren · ↗mäkeln · räsonieren  ●  ↗reklamieren  schweiz. · (he)rumjaulen  ugs., salopp, fig. · (seinen) Frust loswerden (wollen)  ugs. · (seinen) Frust rauslassen  ugs. · ↗(sich) auskotzen  derb · Frust ablassen  ugs. · abkotzen  derb, fig. · ↗granteln  ugs., österr., bair. · ↗herummaulen  ugs. · ↗herummotzen  ugs. · ↗herummäkeln (an)  ugs. · ↗maulen  ugs. · ↗meckern  ugs. · ↗mosern  ugs. · ↗motzen  ugs. · ↗nölen  ugs. · ↗nörgeln  ugs., Hauptform · ↗pöbeln  ugs. · ↗quengeln  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr. · rummaulen  ugs. · rummeckern  ugs. · rummotzen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erzähler Held Ich-Erzähler Interview Kanzler Liebe Schriftsteller darüber einmal gern gerne hin lange müßig reflektieren so stundenlang öffentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›räsonieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er räsonierte darüber, warum so lange nachgespielt worden war, obwohl doch nur zwei Minuten zusätzlicher Zeit angekündigt worden waren.
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2003
Sie blicken zurück auf ihre eigenen Lehren, betrachten die Entwicklung auf der Erde und räsonieren darüber, was sie wohl selbst zu dieser Entwicklung beigetragen haben.
Die Zeit, 01.12.1997, Nr. 48
Ich lobte meine kluge Frau - natürlich nur innerlich wie vorher, als ich räsoniert hatte.
Strittmatter, Erwin: Pony Pedro, Berlin: Kinderbuchverl. 1959, S. 59
Ein paar Mißtrauische wollen es nicht glauben und fangen in Zorn zu räsonieren an.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26507
Ich sah die Kinder in langen Reihen auf Bänken sitzen, sie heulten und sträubten sich, während die Mütter dabei standen und räsonierten.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4757
Zitationshilfe
„räsonieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/räsonieren>, abgerufen am 18.02.2019.

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