räumen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungräu-men
Wortbildung mit ›räumen‹ als Erstglied: ↗Räumboot · ↗Räumdienst · ↗Räumer · ↗Räumfahrzeug · ↗Räumgerät · ↗Räumkolonne · ↗Räumkommando
 ·  mit ›räumen‹ als Letztglied: ↗abräumen · ↗aufräumen · ↗ausräumen · ↗beräumen · ↗einräumen · ↗forträumen · ↗freiräumen · ↗herausräumen · ↗nachräumen · ↗umräumen · ↗wegräumen · ↗zusammenräumen · ↗zwangsräumen
 ·  mit ›räumen‹ als Binnenglied: ↗Minenräumboot  ·  mit ›räumen‹ als Grundform: ↗verräumen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
einen Raum, Platz frei machen
a)
etw. verlassen
Beispiele:
das Haus, die Straße räumen
die Polizei ließ die Gefahrenstelle räumen
die Wohnung räumen (= ausziehen)
eine Festung, das Land räumen (= aufgeben)
die Truppen mussten räumen (= abziehen)
gehoben, übertragen (jmdm.) das Feld räumenjmdm. weichen
Beispiele:
unsere Widersacher hatten freiwillig das Feld geräumt
sobald hier meine Arbeit getan ist, räume ich meinen Platz jüngeren Kräften (= überlasse ich meinen Platz jüngeren Kräften) [MoloEin Deutscher346]
b)
etw. in Ordnung bringen, säubern
Beispiele:
einen Gully, die Aschengrube räumen
wichtige Versorgungswege ... die innerhalb weniger Stunden [vom Schnee] geräumt und gestreut sein müssen [Tageszeitung1963]
landschaftlich, umgangssprachlich Ordnung schaffen, aufräumen
Beispiele:
sie muss überall, den ganzen Tag räumen
Nun aber schnell, wir wollen ja [in der neuen Wohnung] räumen [G. Hauptm.CramptonV]
2.
etw. an einen anderen Ort bringen, wegschaffen
Beispiele:
das Geschirr vom Tisch, in die Küche räumen
Kleider, Wäsche aus dem Schrank räumen (= hervorholen)
die Bücher beiseite räumen
Schnee räumen
Minen räumen (= aus dem Meer bergen)
etw. leer machen
Beispiele:
einen Schrank, die Kiste (leer) räumen
ein Feld (von der Furche) räumen (= abernten)
ein Warenlager räumen (= durch Verkauf der Waren auflösen)
übertragen etw. aus dem Wege räumenetw. beseitigen
Beispiele:
Schwierigkeiten aus dem Wege räumen
verhüllend, derb jmdn. aus dem Wege räumen (= umbringen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Raum · Räumte · geraum · geräumig · räumen · abräumen · Abraum · aufräumen · aufgeräumt · räumlich · Räumlichkeit · Raumfahrt
Raum m. ‘sich dreidimensional ausdehnender Platz, Weite, Zimmer, nicht genau begrenztes geographisches Gebiet, Weltall’, ahd. rūm m. (11. Jh.), mhd. rūm, rūn, roum. ‘Raum, Platz zu freier Bewegung oder zum Aufenthalt’, auch ‘was wegzuräumen ist, Kehricht’ (Abraum, s. unten), asächs. mnd. aengl. (auch ‘Gelegenheit’) rūm m., mnl. ruum, nl. ruim, engl. room, schwed. rum, anord. got. rūm n. sind Substantivierungen (germ. *rūma- m. und n.) des mit dem Suffix ie. -mo- gebildeten Adjektivs germ. *rūma-, ahd. rūmi (neben rūmo Adv.) ‘weit, fern’ (8. Jh.), mhd. rūm(e) ‘geräumig’, nhd. raum (nur noch seemännisch) ‘weit’, (im Forstwesen) ‘offen, licht’ (geraum, geräumig, s. unten), asächs. rūmo Adv., mnd. rūm, mnl. ruum, rūme, nl. ruim, aengl. rūm (auch ‘offen, reichlich, frei, freigebig, edel’), anord. rūmr, got. rūms ‘geräumig’. Außergerm. stellt sich dazu awest. ravah- ‘freier Raum, Freiheit’, lat. rūs (Genitiv rūris) ‘Land (im Gegensatz zur Stadt), Landgut’, mir. rōe, rōi ‘ebenes Feld’. Erschließbar ist ie. *rēu-, *rū- ‘weiter Raum; öffnen’. Vom Adjektiv germ. *rūma- (s. oben) ist mit Dentalsuffix im Sinne von ‘große Weite’ abgeleitet Räumte f. ‘die hohe See’ und ‘Laderauminhalt’ (eines Schiffes), in der Seemannssprache (18. Jh.) aus nd. Rūmte, mnd. rūmte, mnl. ruumt, ruum(p)te. geraum Adj. nur noch in den Verbindungen eine geraume (‘längere’) Zeit, Weile, ahd. girūmi ‘weit’ (8. Jh.), mhd. gerūm(e). Das anfangs nur lokal verwendete Adjektiv wird seit dem 15. Jh. auch auf Zeitliches übertragen. geräumig Adj. ‘viel Raum bietend, groß’ (17. Jh.), das ältere lokal gebrauchte geraum (s. oben) verdrängend. räumen Vb. ‘einen Raum, Platz frei machen, aufgeben, etw. an einen anderen Ort bringen, wegschaffen’, landschaftlich ‘Ordnung schaffen, aufräumen’, frühnhd. (md.) reumen ‘Raum schaffen, verlassen, fortgehen, säubern’ (15. Jh.), so auch Luther, danach allgemein nhd. räumen. Zuvor ahd. (8. Jh.), mhd. rūmen, nhd. raumen (in obd. Texten bis ins 17. Jh., mundartlich bis heute), asächs. rūmian, mnd. mnl. rūmen, nl. ruimen, aengl. rȳman, anord. rȳma ‘räumen’. abräumen Vb. älter abraumen ‘wegräumen, wegschaffen, beseitigen, (die Tafel) abdecken’, mhd. aberūmen. Abraum m. ‘Erd- und Gesteinsmassen ohne Nutzgehalt, taube Schicht, Abfall’ (2. Hälfte 15. Jh.), auch ‘das Wegräumen’ (Mitte 15. Jh.), spätmhd. aberūm ‘das Wegzuräumende’. aufräumen Vb. ‘Unordentliches wieder in Ordnung bringen, beiseite räumen, beiseite schaffen’, mhd. ūfrūmen. Übertragen aufgeräumt Part.adj. ‘in heiterer Stimmung, gut gelaunt’ (Mitte 18. Jh.), älter ‘geschmückt, geputzt’ (16. Jh.), eigentlich wohl ‘Behinderndes beseitigt habend’, daher ‘klar und heiter denkend’. räumlich Adj. ‘den Raum, Platz betreffend, raumhaft’, früher auch ‘geräumig’, Räumlichkeit f. ‘Raum in einem Gebäude, raumhafte Darstellung, Wirkung’, ursprünglich ‘Geräumigkeit’ (beide 17. Jh.); vgl. ahd. rūmlīhho Adv. ‘weit, ausgedehnt’ (8. Jh.). Raumfahrt f. ‘Flug in den Weltraum, Wissenschaft von der Weltraumfahrt, Astronautik, Kosmonautik’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
auslagern · ↗ausräumen · ↗migrieren · räumen · ↗verlagern
Assoziationen
Synonymgruppe
evakuieren (Wohnviertel, Straßenzug) · räumen · vorübergehend umquartieren
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Büro Chefsessel Feld Gebäude Hindernis Hürde Lager Mine Platz Polizei Posten Regal Schreibtisch Sessel Siedlung Stuhl Weg Wohnung abräumen aufräumen ausräumen beiseite ein einräumen freiräumen freiwillig kampflos leer wegräumen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›räumen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er hat sein Büro schon in zwei Jahren zu räumen.
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2003
Aber wer nicht antritt, räumt automatisch den Platz für die anderen.
Der Tagesspiegel, 05.05.2003
Die Kirche sträubte sich immer von neuem, veraltete Positionen zu räumen.
Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 405
Auch heute noch räumen ihnen viele Forscher diesen Platz ein.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 20
Diese Spiele räumten der Musik, besonders chorischem Singen, einen bedeutenden Platz ein.
Dounias, Minos E. u. a.: Griechenland. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1956], S. 37249
Zitationshilfe
„räumen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/räumen>, abgerufen am 12.11.2019.

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