rücken

GrammatikVerb · rückte, hat/ist gerückt
Aussprache
Worttrennungrü-cken
Wortbildung mit ›rücken‹ als Letztglied: ↗abrücken · ↗anrücken · ↗aufrücken · ↗ausrücken · ↗einrücken · ↗fortrücken · ↗heranrücken · ↗herausrücken · ↗herrücken · ↗hervorrücken · ↗herüberrücken · ↗hinausrücken · ↗hinrücken · ↗hinüberrücken · ↗nachrücken · ↗rausrücken · ↗vorrücken · ↗wegrücken · ↗zurechtrücken · ↗zurückrücken · ↗zusammenrücken
 ·  mit ›rücken‹ als Grundform: ↗Rücken2 · ↗entrücken
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. (mit einem Ruck) an einen anderen Platz, in eine andere Lage bringen
Beispiele:
den Tisch, die Bank an eine andere Stelle rücken
er hatte den Schrank an die Wand, an den richtigen Platz, zur Seite gerückt
die Mütze über das Ohr rücken
sich [Dativ] die Mütze in die Stirn rücken
rücke den Sessel zu mir!
ein Bild näher, höher rücken
das empfindliche Gerät darf nicht gerückt werden
den Uhrzeiger rücken (= verstellen)
Forstwesen Holz rücken (= das geschlagene Holz zu nahe gelegenen Lagerplätzen transportieren)
am Kragen rücken (= ihm die richtige Lage geben)
er rückte, als er mich sah, am Hut (= grüßte lässig, ohne den Hut abzunehmen)
und mein Freund rückte am Segel [AndresLiebesschaukel131]
übertragen
Beispiele:
etw. in den Mittelpunkt, Vordergrund rücken (= etw. als besonders wichtig hinstellen)
der Flug zu den Planeten rückte in greifbare Nähe (= wird in naher Zukunft Wirklichkeit werden)
etw. ins rechte, in ein schiefes Licht rücken (= etw. richtig, verzerrt darstellen)
diese neuen Erkenntnisse rückten die Probleme in ein völlig neues Licht (= zeigten sie aus ganz neuer Sicht)
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
(mit einem Ruck) einen anderen Platz, eine andere Lage einnehmen
Beispiele:
an jmds. Seite rücken
er war näher an den Tisch, die Wand gerückt
auf, mit dem Stuhl rücken
in jmds. Nähe rücken
neben jmdn. rücken
ein wenig, unruhig, nach vorn, hin und her rücken
könnt ihr bitte etwas rücken? (= zusammenrücken und dadurch Platz machen?)
sie rückten dicht aneinander
der Zeiger ist um eine Minute gerückt (= weiter gegangen, vorgerückt)
Schach er rückte mit dem König (= zog den König) auf das schwarze Feld
übertragen
Beispiele:
an jmds. Stelle rücken (= jmds. Stelle einnehmen)
etw., jmd. rückt in den Mittelpunkt (= wird als besonders wichtig angesehen)
das Projekt ist in weite Ferne gerückt (= läßt sich vorläufig nicht realisieren)
er war in die erste Reihe der Experten gerückt (= zählte fortan zu den besten Experten)
der Künstler rückte ins Rampenlicht der Öffentlichkeit (= weckte allgemeines Interesse)
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
an einen bestimmten Ort rückenzu einem bestimmten Ort aufbrechen, wegmarschieren
Beispiele:
landschaftlich an den See, in die Heide rücken
die Soldaten rücken in die Kaserne, ins Manöver
die Truppe rückte ins Feld (= zog in den Krieg)
landschaftlich Als wir beide ... auf den Bahnhof rückten [BecherAbschied4,165]
salopp, bildlich
Beispiele:
jmdm. auf die Bude rücken (= jmdn. überraschend, ungebeten aufsuchen)
jmdm. auf den Leib, auf den Pelz, auf die Pelle rücken (= jmdm. zu nahe kommen, jmdn. bedrängen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
fortschieben · rücken · ↗schieben · ↗umsetzen · ↗umstellen · ↗verdrängen · ↗verrücken · ↗verschieben · ↗wegschieben  ●  ↗deplacieren  veraltet · ↗verfrachten  ugs.
Assoziationen
  • (ein) anderes Zimmer geben (Hotel) · (eine) andere Wohnung geben · (einen) Wohnungswechsel veranlassen · in ein anderes Zimmer verlegen (Hotel) · ↗umquartieren · ↗umsetzen
Synonymgruppe
rücken · ↗umsetzen · ↗umstellen · ↗verschieben · ↗versetzen · ↗verstellen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewußtsein Blickfeld Blickpunkt Ferne Fokus Hintergrund Leib Licht Mittelpunkt Nähe Pelle Rampenlicht Spitz Vordergrund Zentrum abrücken anrücken aufrücken ausrücken einrücken heranrücken herausrücken nachrücken nah näherrücken rausrücken vorrücken wieder zurechtrücken zusammenrücken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt aber wird er wahrscheinlich noch weiter in die Ferne rücken.
Die Welt, 18.06.2005
Jahrhundert scheinen wir gerade diesem Ideal nicht näher zu rücken.
Der Tagesspiegel, 11.02.2004
Man mußte das nun nur in ein anderes Licht rücken als in das, auf das man selbst vorher Wert gelegt hatte.
o. A.: "SCHECKBUCH" - IMPERIALISMUS IM AUFBRUCH. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1991]
Ihre bevorstehende Transformation aber rücke die Dinge in ein neues Licht.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1990]
Damit rückt dann aber die sozial-ethische Qualität des Handelns gänzlich in die zweite Linie.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 297
Zitationshilfe
„rücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rücken>, abgerufen am 20.10.2019.

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