rügen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung rü-gen
Wortbildung  mit ›rügen‹ als Erstglied: ↗Rügegericht
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
a)
mit einer Rüge zurechtweisen
b)
jmds. Verhalten oder Tun, das man für nicht in Ordnung hält u. missbilligt, mit gewissem Nachdruck kritisieren
2.
tadelnd feststellen, beanstanden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rüge · rügen
Rüge f. ‘Tadel, Verweis’, mhd. rüege, (md.) rūge ‘gerichtliche Anklage, Anzeige, Strafe, Tadel’, spätmhd. auch ‘Gerichtsbarkeit, -bezirk’, asächs. wrōht ‘Streit, Aufruhr’, mnd. wrōge, wrōch ‘gerichtliche Anzeige, Tadel, Mahnung, Geldbuße, Bestrafung’, mnl. wroege, wroge, wruge ‘Anklage, Gerichtsbarkeit’, aengl. wrōht ‘Anklage, Streit, Tadel, Verleumdung’, anord. rōg ‘Streit, Zank, Verleumdung’, got. wrōhs ‘Klage, Anklage’ und das Verb rügen ‘tadeln, zurechtweisen’, ahd. ruogen (8. Jh.), mhd. rüegen, ruogen, (md.) rūgen ‘anklagen, beschuldigen, tadeln, gerichtlich anzeigen, mitteilen, melden’, asächs. wrōgian ‘anklagen, beschuldigen’, mnd. wrōgen, wrūgen ‘anklagen, beschuldigen, (be)strafen’, mnl. wroeghen, wroughen, nl. wroegen ‘anklagen, beschuldigen’, afries. wrō(g)ia, wreia, aengl. wrēgan ‘anklagen’, engl. (älter) to bewray ‘verraten, enthüllen’, anord. rœgja ‘anklagen, verleumden’, schwed. röja ‘ausplaudern, enthüllen, offenbaren, verraten’, got. wrōhjan ‘anklagen, beschuldigen’ führen (mit grammatischem Wechsel) auf germ. *wrōg-, *wrōh-. Außergerm. Beziehungen sind nicht gesichert. Die Verbindung mit der baltoslaw. Gruppe lit. rékti ‘schreien, schelten, schimpfen, weinen’, aslaw. rešti ‘sagen’, rěčь ‘Wort, Rede, Anklage’, rokъ ‘Termin, Frist, Gesetz’, russ. reč’ (речь) ‘Rede, Wort’, (älter) rok (рок) ‘Schicksal, Verhängnis’ und damit mit der Wurzel ie. *u̯er- ‘feierlich sagen, sprechen’ (s. ↗schwören, ↗Wort) ist auf semantische Bedenken gestoßen. Nach Trier Lehm 76 erfolgt die Anklage in einem Kreis versammelter Männer, in dem er eine besondere Form des Zauns sieht, so daß ihm Anschluß an eine Zaun- und Hegewurzel ie. *u̯er- ‘einzäunen, Zaun’ als möglich erscheint. Rüge ist ursprünglich ein Wort der Rechtssprache und bezeichnet die ‘Anzeige’ eines Vergehens vor Gericht, sodann die durch das Gericht ausgesprochene ‘Strafe’, woraus sich ‘Tadel’ entwickelt hat.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) die Leviten lesen · (jemandem) eine harte Rückmeldung geben · ↗(jemandem) heimleuchten · ↗ausschelten · ↗ausschimpfen · ↗ermahnen · ↗rüffeln · rügen · scharf kritisieren · ↗schelten · ↗verwarnen · zur Ordnung rufen · ↗zurechtweisen  ●  (jemandem etwas) ins Stammbuch schreiben  fig. · (jemandem) einen Verweis erteilen  Amtsdeutsch · ↗tadeln  Hauptform · (jemandem) Bescheid stoßen  ugs. · (jemandem) aufs Dach steigen  ugs., fig. · (jemandem) den Arsch aufreißen  derb · (jemandem) den Kopf waschen  ugs., fig. · (jemandem) den Marsch blasen  ugs., veraltend · (jemandem) deutlich die Meinung sagen  ugs. · (jemandem) die Flötentöne beibringen  ugs., fig. · (jemandem) die Hammelbeine langziehen  ugs., fig. · (jemandem) die Meinung geigen  ugs. · (jemandem) die Schuhe aufpumpen  ugs., fig. · (jemandem) eine (deutliche) Ansage machen  ugs. · (jemandem) eine (dicke) Zigarre verpassen (möglicherweise veraltend)  ugs. · (jemandem) eins auf den Deckel geben  ugs. · (jemandem) zeigen, wo der Frosch die Locken hat  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo der Hammer hängt  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo es langgeht  ugs., fig. · (jemanden) Mores lehren  geh. · (jemanden) auf Linie bringen  ugs. · (jemanden) auf Vordermann bringen  ugs. · (jemanden) frisch machen  ugs., fig. · ↗(jemanden) lang machen  ugs. · ↗(jemanden) zusammenfalten  ugs. · ↗(sich jemanden) vorknöpfen  ugs. · ↗abmahnen  fachspr., juristisch · admonieren  geh., veraltet · ↗zurechtstutzen  ugs., fig. · ↗zusammenstauchen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
beanstanden · ↗bemängeln · ↗monieren · ↗reklamieren · rügen  ●  ↗bemäkeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›rügen‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rügen‹.

Verwendungsbeispiele für ›rügen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Obwohl Sie zwei Jahre lang Zeit haben, sollten Sie Fehler immer sofort rügen.
Der Tagesspiegel, 04.01.2002
Man könnte meine Terminologie rügen, und man hätte recht damit.
konkret, 1991
Das auf der Straße spielte und schmutzig heimkam und für eine zerrissene Hose gerügt wurde.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 284
Die Fehler, die wir bei andern erkennen und rügen, begehen wir selbstverständlich niemals.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 313
Mit einigen schlafheiseren Worten rügte der Vater den späten Heimkehrer.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 195
Zitationshilfe
„rügen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/r%C3%BCgen>, abgerufen am 26.11.2020.

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