rüstig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungrüs-tig
Wortbildung mit ›rüstig‹ als Erstglied: ↗Rüstigkeit
eWDG, 1974

Bedeutung

(noch) kräftig, rege, leistungsfähig
Beispiele:
ein rüstiger Rentner, Siebziger
für ihre dreiundachtzig Jahre ist sie noch sehr rüstig
er ist ein guter Schwimmer und rüstiger Wanderer
Der Mann war kein Greis und kein Kind, er war im rüstigsten Alter [Th. MannKrull8,590]
tüchtig
Beispiele:
rüstig ausschreiten
Überall wurde rüstig gearbeitet [BronnenDeutschland16]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rüsten · Gerüst · abrüsten · Abrüstung · aufrüsten · Aufrüstung · rüstig · Rüstung · Rüstzeug · entrüsten · entrüstet · Entrüstung
rüsten Vb. ‘vorbereiten, fertigmachen, herrichten, sich mit Waffen versehen, Waffen produzieren’, ahd. (h)rusten (8. Jh.), mhd. rüsten, rusten ‘bereit-, zurechtmachen, schmücken’, mnd. mnl. nl. rusten ‘(zu)rüsten’, aengl. (mit Metathese) hyrstan ‘ausrüsten, schmücken’ (westgerm. *hrustjan) ist abgeleitet von dem in ahd. (h)rust ‘Rüstung’ (8. Jh.), aengl. hyrst ‘Schmuck, Schatz, Ausrüstung, Behänge, Waffen’ bezeugten Substantiv, verwandt mit dem starken Verb aengl. hrēodan ‘schmücken, zieren’, anord. hrjōða ‘bedecken, bekleiden, schmücken, verzieren’ (germ. *hreudan ‘bedecken, schmücken’). Diese Formen können als Dentalerweiterungen an die Wurzel ie. *krā(u)-, *krəu-, *krū̌- ‘aufeinander, auf einen Haufen legen, zudecken, verbergen’ angeschlossen werden, die unerweitert vorliegt in air. crāu, crō ‘Stall, Hütte, Verschlag’, lit. kráuti ‘aufeinanderlegen, aufstapeln, aufhäufen, packen, laden’, krūvà ‘Haufen, Menge’, aslaw. kryti ‘(be)decken, verbergen, hüllen’, krovъ ‘Dach, Deckung, verborgener Ort, Hütte’, russ. kryt’ (крыть) ‘bedecken’, krov (кров) ‘Dach, Obdach’, als p-Erweiterung in griech. krýptein (κρύπτειν) ‘verbergen, verhüllen, verstecken’. Das germ. Verb bedeutet zunächst ‘schmücken, ausstatten, herrichten, zurechtmachen’; danach folgt ahd. gi(h)rusten ‘mit Waffen versehen’, mhd. rüsten, rusten ‘den Kampf vorbereiten’, frühnhd. (reflexiv) ‘sich zum Streit, zum Krieg fertigmachen’, schließlich ‘kriegerische Vorbereitungen treffen, Waffen produzieren’. Gerüst n. ‘Gefüge aus Brettern und Planken, Stützgestell’ (17. Jh.) ist eine nur im Dt. belegte Bildung zum oben genannten Verb. Der im Nhd. eingeengten Bedeutung steht in älterer Sprache (der Verwendung des Verbs folgend) reicher Gebrauch gegenüber, vgl. ahd. gi(h)rusti (8. Jh.), mhd. mnd. gerüste ‘Schanzwerk, Vorrichtung, Zurüstung, Aufbau, Stütze, Werkzeug’. abrüsten Vb. ‘die militärische Rüstung vermindern’ (Anfang 19. Jh., für älteres desarmieren, frz. désarmer). Älter ‘ein Gerüst wegnehmen’ (18. Jh.), ‘ein Schiff außer Dienst stellen, seine Ausrüstung abbauen’ (19. Jh.), zuerst ‘instand setzen, fertigmachen’ (Anfang 16. Jh.); Abrüstung f. (Anfang 19. Jh.). aufrüsten Vb. ‘die militärische Rüstung vermehren’ (19. Jh., Gegenwort zu abrüsten), älter ‘ein Gerüst aufstellen, errichten’ (18. Jh.); vgl. mhd. ūfrüsten ‘ausrüsten, veranstalten’, (reflexiv) ‘sich bereitmachen, schmücken’; Aufrüstung f. (19. Jh.); vgl. mhd. ūfrüstunge ‘Ausrüstung’. rüstig Adj. ‘(trotz Alter) noch fähig, Aufgaben zu erfüllen, kräftig, leistungsfähig, rege’, mhd. rüstec, rüstic, frühnhd. rüstig ‘gerüstet, geschmückt, schön gekleidet’, meist aber ‘frisch, kräftig, körperlich tüchtig (für Kampf, Anstrengung, Arbeit), kampf-, kriegsbereit’, mnd. rustich ‘gerüstet, (kampf)bereit’. Ahd. rustīg ‘ländlich’ (8. Jh.), rustih ‘volkstümlich, weltlich’ (10. Jh.) sind dagegen Entlehnungen aus gleichbed. lat. rūsticus ‘zum Lande gehörig, ländlich, einfach, unbeholfen, plump’, (s. ↗rustikal). Rüstung f. ‘das Rüsten, militärische Bewaffnung eines Landes, Kriegsgerät’, älter ‘Gerät, Werkzeug, Baugerüst, Schutz- und Trutzwaffen des einzelnen, Bewaffnung’ (16. Jh.), damit auch Bezeichnung für die ritterliche Schutzkleidung (mhd. panzer und dgl.); vgl. (ohne unmittelbare Fortsetzung) ahd. (h)rustunga ‘Einrichtung’ (um 1000). Rüstzeug n. ‘für eine bestimmte Aufgabe erforderliche Kenntnisse und Fertigkeiten’, seltener ‘Ausrüstungsgegenstände und Werkzeuge für einen bestimmten Zweck’ (16. Jh.). entrüsten Vb. ‘sehr unwillig, zornig machen, empören’, reflexiv ‘sich empören, unwillig werden’, mhd. entrüsten ‘die Rüstung ausziehen’, übertragen ‘aus einem geordneten Zustand, aus der Fassung bringen, kommen’, daraus frühnhd. ‘aufbringen, in Zorn versetzen, erzürnen’; entrüstet Part.adj. ‘erzürnt, empört’ (14. Jh.). Entrüstung f. (Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
geharnischt · gerüstet · ↗kampfbereit · rüstig  ●  in schimmernder Wehr (archaisierend oder ironisierend)  geh.
Synonymgruppe
(noch) unternehmungslustig · ↗agil · junggeblieben · ↗munter · rüstig · ↗vital  ●  ↗kregel  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

80-Jährige Dame Endfünfziger Frührentner Fünfziger Greis Greisin Jubilar Konstitution Mittfünfziger Mittsechziger Mittsiebziger Oldie Oma Pensionist Pensionär Rentner Rentnerin Ruheständler Sechziger Senior Seniorin Siebziger Siebzigjährige Wanderer fortschreiten lebenslustig vital voranschreiten vorwärtsschreiten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rüstig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich war es für die rüstige Crew (zehn über 30) wohl die letzte Chance, zu Olympia zu kommen.
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2000
Der rüstige Bauer ist entschlossen, seinem Land noch viel mehr Kinder zu schenken.
Bild, 26.05.1998
Mit siebzig fühle ich mich rüstiger als mancher mit sechzig.
Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 34
Die Mutter war mit ihren siebziger Jahren sehr rüstig und ans Arbeiten gewöhnt.
Thoma, Hans: Im Winter des Lebens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 27343
Das neue Amt hatte Tracht nicht für den Verlust zehn seiner rüstigsten Jahre zu entschädigen vermocht.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 442
Zitationshilfe
„rüstig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rüstig>, abgerufen am 17.11.2019.

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