ramponieren

GrammatikVerb · ramponierte, hat ramponiert
Aussprache
Worttrennungram-po-nie-ren (computergeneriert)
HerkunftItalienisch
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich etw. stark beschädigen, lädieren
Beispiel:
der Sturm hat die Zelte, Boote sehr ramponiert
meist im Part. Prät.
Beispiele:
ein ramponierter Sessel, Wagen
der Anzug, Hut war verschmutzt und ramponiert
übertragen ramponiertheruntergekommen
Beispiele:
er sah etwas ramponiert aus
sein ohnehin schon arg ramponierter Ruf
das ramponierte Ansehen der Militärdiktatur
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ramponieren Vb. ‘stark beschädigen und dadurch im Aussehen beeinträchtigen’. Das in der 2. Hälfte des 18. Jhs. in die Literatursprache eindringende Verb kommt aus der nd. Seemannssprache, wo es sich auf Schiffe oder Schiffsteile bezieht, die Seeschaden erlitten haben. Anfang des 19. Jhs. wird es in der Kaufmannssprache auf Waren, später allgemein auf beliebige Gegenstände bezogen, in der 2. Hälfte des 19. Jhs. auch im Sinne von ‘hart anfassen, verletzen, verderben, beeinträchtigen’ auf die innere Verfassung oder soziale Stellung eines Menschen übertragen, besonders im Part. Prät. ramponiert ‘arg mitgenommen, angeschlagen, heruntergekommen’. Es ist entlehnt aus mnl. rampenēren, ramponēren ‘zerstören, beschädigen’, auch ‘verhöhnen, verspotten, lästern’, das auf afrz. rampo(s)ner, ramproner ‘(ver)spotten, (ver)höhnen, schmähen’ zurückgeht. Stellt man dieses und das zugehörige Substantiv afrz. rampo(s)ne, ramprone ‘Spottrede, Verhöhnung, Schmähung’ zu ital. rampone ‘Harpune’ (früher ‘großer Haken, Enterhaken’), Vergrößerungsform von ital. (älter) rampo ‘Haken’ (das germ. Ursprungs ist und wie frz. rampe ‘Auffahrt, Steigung, Abhang, Geländer’ auf einer ablautenden Bildung zu dem in ahd. rimphan, mhd. rimphen ‘in Falten zusammenziehen, krümmen’ vorliegenden starken germ. Verb beruht, s. ↗rümpfen und ↗Rampe), so kann man eine im Afrz. nicht belegte Ausgangsbedeutung ‘mit dem Enterhaken bearbeiten’ annehmen. Eine andere semantische Anknüpfung ergibt sich, wenn man der in FEW 9, 478 ff. dargestellten Herleitung des afrz. Verbs von afrz. pro(s)ne ‘Trenngitter zwischen Chor und Kirchenschiff’ (aus spätlat. protirum, lat. prothyrum ‘Einfriedung vor der Tür’, griech. próthyron, πρόθυρον ‘Vorplatz vor der Haustür’) folgt. Da an diesem Gitter nicht nur der Priester beim Erklären des Evangeliums stand, sondern hier wohl auch die Besessenen zur Dämonenaustreibung festgebunden wurden, wäre von dem Sinn ‘jmdn. an das Chorgitter anbinden, als Irren zur Schau stellen’ auszugehen. Die den Verwendungen im Dt. zugrundeliegende Bedeutungserweiterung zu ‘zerstören, beschädigen’ im Mnl. läßt sich dann vielleicht durch Einfluß von mnl. nl. ramp ‘Unglück, Mißgeschick’ (vgl. spätmhd. frühnhd. rampf, rampfe ‘Krampf, Unglück, Niederlage’, zu mhd. rimphen, s. oben) erklären.

Thesaurus

Synonymgruppe
beschmieren · ↗beschädigen · ↗demolieren (Verstärkung) · ↗lädieren · ramponieren · ↗verbeulen · ↗verkratzen · ↗zerkratzen · zerritzen
Synonymgruppe
demolieren · ↗einschlagen · ↗entzweischlagen · in Schutt und Asche legen · in Trümmer legen · ↗kaputt machen · ↗kaputtmachen · ↗niederreißen · ramponieren · ↗ruinieren · ↗vernichten · ↗verwüsten · von Grund auf zerstören · ↗zerbrechen · ↗zerfetzen · ↗zerschlagen · ↗zerschmettern · ↗zertrümmern · zuschanden machen  ●  ↗zernichten  veraltet, dichterisch · ↗zerstören  Hauptform · ↗(etwas) plattmachen  ugs. · ↗destruieren  geh. · ↗devastieren  geh. · ↗einhauen  ugs. · ↗himmeln  ugs. · ↗hinmachen  ugs. · in Kleinholz verwandeln  ugs. · kurz und klein schlagen  ugs. · ↗plattmachen  ugs. · ↗schrotten  ugs. · ↗torpedieren  geh., fig. · trashen  ugs. · ↗zerdeppern  ugs. · zerhackstückeln  ugs. · zu Kleinholz machen  ugs. · zu Kleinholz verarbeiten  ugs. · ↗zunichtemachen  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affäre Ansehen Autorität Bilanz Erscheinungsbild Glaubwürdigkeit Grün Image Knie Rasen Reputation Ruf Skandal Vertrauen arg nachhaltig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ramponieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn es dann zum Schluss misslingt, dann ist sie auch persönlich ramponiert.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Konkrete Kunst hätte man früher dazu gesagt, aber mittlerweile ist der Begriff ziemlich ramponiert.
Süddeutsche Zeitung, 11.06.2002
Der Bau ramponiert, in Reparatur, aber als Ganzes steht er doch.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1946. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1946], S. 267
Wir sehen am Schluß den Mann wieder am Alexanderplatz stehen, sehr verändert, ramponiert, aber doch zurechtgebogen.
Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961 [1929], S. 6
Als ich nach Kreuzberg in die Oranienstraße zog, sah die Straße, vor allem auch das Haus, in das ich kam, noch recht ramponiert aus.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 256
Zitationshilfe
„ramponieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ramponieren>, abgerufen am 21.05.2019.

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