Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

rational

Grammatik Adjektiv · Komparativ: rationaler · Superlativ: am rationalsten
Aussprache 
Worttrennung ra-ti-onal · ra-tio-nal
Wortbildung  mit ›rational‹ als Erstglied: Rationalismus · Rationalist · rationalisieren
 ·  mit ›rational‹ als Letztglied: irrational · scheinrational · zweckrational
Herkunft aus ratiōnālislat ‘vernünftig, vernunftgemäß, mit Vernunft begabt, schließend, folgernd, berechenbar’, eigentlich ‘zu den Rechnungen gehörig’ < ratiolat ‘Rechnung, Berechnung, Rechenschaft, Denken, Denkvermögen, Vernunft, Grund’ (Ratio)
eWDG

Bedeutung

vom Verstand ausgehend, bestimmt
Beispiele:
Mathematikeine rationale Zahl (= Zahl, die sich als Bruch darstellen lässt)
In der erfundenen Novelle handelt Balzac völlig rational, wie jeder vernünftige Mensch handeln würde [ St. ZweigBalzac372]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ratio · rational · irrational · Rationalismus · Rationalist · rationalistisch · rationell · rationalisieren · Rationalisierung
Ratio f. ‘Vernunft, (Be)rechnung, Rechenschaft’, gelehrte Übernahme (16. Jh.) von lat. ratio (Genitiv ratiōnis) ‘Rechnung, Berechnung, Rechenschaft, Denken, Denkvermögen, Vernunft, Grund, Maß, Gesetzmäßigkeit, Ordnung, Methode, Prinzip’, einer Bildung zu lat. ratus ‘berechnet, durch Rechnung bestimmt’, Part.adj. zu lat. rērī ‘meinen, glauben, urteilen, dafürhalten’. rational Adj. ‘von der Vernunft ausgehend, vernünftig, zweckmäßig, logisch, begründet’ (1. Hälfte 16. Jh.), entlehnt aus lat. ratiōnālis ‘vernünftig, vernunftgemäß, mit Vernunft begabt, schließend, folgernd, berechenbar’, eigentlich ‘zu den Rechnungen gehörig’, seit den 20er Jahren des 20. Jhs. auch in bezug auf Wirtschaftlichkeit, Effektivität, Zweckmäßigkeit im Sinne von ‘vernünftig organisiert, angeordnet, planvoll’; abgeleitet von lat. ratio (s. oben). irrational Adj. ‘mit dem Verstand nicht faßbar, vernunftwidrig, unvernünftig’, in der Mathematik ‘nicht als endliche oder periodische Dezimalzahl darstellbar’, entlehnt (18. Jh.) aus lat. irratiōnālis ‘unvernünftig’ (mit assimiliertem negierenden in-2, s. d.). Rationalismus m. in der Philosophie eine erkenntnistheoretische Richtung, die die menschliche Vernunft und das begriffliche Denken (Ratio) als Hauptquelle der Erkenntnis ansieht und die Erfahrung, die Sinneserkenntnis unterschätzt oder leugnet, gelehrte nlat. Bildung (Anfang 18. Jh., zunächst auch Rationalism). Rationalist m. ‘Anhänger, Vertreter des Rationalismus’ (1. Hälfte 18. Jh.), dann verallgemeinert ‘wer dem Verstand gegenüber Gefühlen den Vorrang gibt, Verstandesmensch’ (2. Hälfte 19. Jh.). rationalistisch Adj. ‘den Rationalismus betreffend, das Vernunftmäßige betonend, rein begrifflich’ (1. Hälfte 19. Jh.). rationell Adj. ‘zweckmäßig, auf größte Wirtschaftlichkeit berechnet, effektiv’, entlehnt (Ende 18. Jh.) aus frz. rationnel ‘vernünftig’ (lat. ratiōnālis), vom 18. bis ins 20. Jh. gleichbed. mit rational (s. oben) im Sinne von ‘vernünftig, vernunftgemäß’, dann auch ‘theoretisch, systematisch, wissenschaftlich’. Durch häufige Anwendung auf ökonomische Zusammenhänge im 19. Jh. weiterentwickelt zu ‘zweckmäßig, wirtschaftlich, effektiv’, seit den 30er Jahren des 20. Jhs. besonders ‘haushälterisch, sparsam’. rationalisieren Vb. ‘rationalistisch denken, dem Rationalismus gemäß handeln’ (2. Hälfte 19. Jh.), ‘Arbeitsprozesse zur Erzielung größerer Effektivität zweckmäßiger, wirtschaftlicher gestalten’ (1. Hälfte 20. Jh.), wohl unter Einfluß von frz. rationaliser ‘vernunftgemäß gestalten’ abgeleitet von rational (s. oben). Rationalisierung f. ‘vernunftgemäßes Handeln’ (Mitte 19. Jh.), ‘effektive Gestaltung des Reproduktionsprozesses unter den vorhandenen Produktionsbedingungen’ (1. Hälfte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
rational · sinnig · sinnvoll · vernunftgemäß · vernünftig  ●  gescheit  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›rational‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rational‹.

Verwendungsbeispiele für ›rational‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber auch heute noch hat sie, rational gesehen, ihre suggestive Kraft nicht verloren. [Klemz, Willy: Praktische Menschenkunde, Düsseldorf: Greif 1963, S. 14]
Nachdem das Denken positiv geworden ist, wird die Politik rational werden. [Freyer, Hans: Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, Leipzig u. a.: B.G. Teubner 1930, S. 113]
Die stechenden Formen, die Auflösung einer scheinbar rationalen Ordnung, legen das nahe. [Die Zeit, 05.08.1999, Nr. 32]
Das Ideal eines rational geordneten Lebens, so legt er dar, ist hoffnungslos einseitig. [Die Zeit, 29.04.1999, Nr. 18]
Dadurch gewann die soteriologisch entwertete Welt des realen Lebens einen relativen rationalen Sinn. [Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. II, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 357]
Zitationshilfe
„rational“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rational>.

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