rational

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungra-ti-onal · ra-tio-nal (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›rational‹ als Erstglied: ↗Rationalist · ↗rationalisieren  ·  mit ›rational‹ als Letztglied: ↗irrational · ↗scheinrational · ↗zweckrational
eWDG, 1974

Bedeutung

vom Verstand ausgehend, bestimmt
Beispiele:
Mathematikeine rationale Zahl (= Zahl, die sich als Bruch darstellen läßt)
In der erfundenen Novelle handelt Balzac völlig rational, wie jeder vernünftige Mensch handeln würde [St. ZweigBalzac372]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ratio · rational · irrational · Rationalismus · Rationalist · rationalistisch · rationell · rationalisieren · Rationalisierung
Ratio f. ‘Vernunft, (Be)rechnung, Rechenschaft’, gelehrte Übernahme (16. Jh.) von lat. ratio (Genitiv ratiōnis) ‘Rechnung, Berechnung, Rechenschaft, Denken, Denkvermögen, Vernunft, Grund, Maß, Gesetzmäßigkeit, Ordnung, Methode, Prinzip’, einer Bildung zu lat. ratus ‘berechnet, durch Rechnung bestimmt’, Part.adj. zu lat. rērī ‘meinen, glauben, urteilen, dafürhalten’. rational Adj. ‘von der Vernunft ausgehend, vernünftig, zweckmäßig, logisch, begründet’ (1. Hälfte 16. Jh.), entlehnt aus lat. ratiōnālis ‘vernünftig, vernunftgemäß, mit Vernunft begabt, schließend, folgernd, berechenbar’, eigentlich ‘zu den Rechnungen gehörig’, seit den 20er Jahren des 20. Jhs. auch in bezug auf Wirtschaftlichkeit, Effektivität, Zweckmäßigkeit im Sinne von ‘vernünftig organisiert, angeordnet, planvoll’; abgeleitet von lat. ratio (s. oben). irrational Adj. ‘mit dem Verstand nicht faßbar, vernunftwidrig, unvernünftig’, in der Mathematik ‘nicht als endliche oder periodische Dezimalzahl darstellbar’, entlehnt (18. Jh.) aus lat. irratiōnālis ‘unvernünftig’ (mit assimiliertem negierenden ↗in-, s. d.). Rationalismus m. in der Philosophie eine erkenntnistheoretische Richtung, die die menschliche Vernunft und das begriffliche Denken (Ratio) als Hauptquelle der Erkenntnis ansieht und die Erfahrung, die Sinneserkenntnis unterschätzt oder leugnet, gelehrte nlat. Bildung (Anfang 18. Jh., zunächst auch Rationalism). Rationalist m. ‘Anhänger, Vertreter des Rationalismus’ (1. Hälfte 18. Jh.), dann verallgemeinert ‘wer dem Verstand gegenüber Gefühlen den Vorrang gibt, Verstandesmensch’ (2. Hälfte 19. Jh.). rationalistisch Adj. ‘den Rationalismus betreffend, das Vernunftmäßige betonend, rein begrifflich’ (1. Hälfte 19. Jh.). rationell Adj. ‘zweckmäßig, auf größte Wirtschaftlichkeit berechnet, effektiv’, entlehnt (Ende 18. Jh.) aus frz. rationnel ‘vernünftig’ (lat. ratiōnālis), vom 18. bis ins 20. Jh. gleichbed. mit rational (s. oben) im Sinne von ‘vernünftig, vernunftgemäß’, dann auch ‘theoretisch, systematisch, wissenschaftlich’. Durch häufige Anwendung auf ökonomische Zusammenhänge im 19. Jh. weiterentwickelt zu ‘zweckmäßig, wirtschaftlich, effektiv’, seit den 30er Jahren des 20. Jhs. besonders ‘haushälterisch, sparsam’. rationalisieren Vb. ‘rationalistisch denken, dem Rationalismus gemäß handeln’ (2. Hälfte 19. Jh.), ‘Arbeitsprozesse zur Erzielung größerer Effektivität zweckmäßiger, wirtschaftlicher gestalten’ (1. Hälfte 20. Jh.), wohl unter Einfluß von frz. rationaliser ‘vernunftgemäß gestalten’ abgeleitet von rational (s. oben). Rationalisierung f. ‘vernunftgemäßes Handeln’ (Mitte 19. Jh.), ‘effektive Gestaltung des Reproduktionsprozesses unter den vorhandenen Produktionsbedingungen’ (1. Hälfte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
rational · ↗sinnig · ↗sinnvoll · ↗vernunftgemäß · ↗vernünftig  ●  ↗gescheit  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwägung Argument Argumentation Begründung Denken Deutung Diskurs Durchdringung Erklärung Erwägung Handeln Kalkül Kern Lebensführung Naturrecht begründbar begründet denkend emotional erklärbar faßbar handelnd irrational kalkulierend kühl motiviert nachvollziehbar rein verhalten Überlegung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rational‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Über allem aber waltet die rational zügelnde Kontrolle eines hoch entwickelten musikalischen Bewusstseins.
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2001
Erstens brauchen Festivals Stars, und zweitens handeln ihre Chefs rational.
Der Tagesspiegel, 09.02.2001
Die rationale Aufklärung gegenüber dem A. erzielt für sich allein keine tieferen Wirkungen.
Bauer, P.: Aberglaube. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 279
In ihrer eigenen Verwaltung ferner lebten die rationalen Traditionen des römischen Rechtes weiter.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 599
Statt dessen hatten die chinesischen Autoren rationale sozialethische Systeme entwickelt.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.), Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen: Mohr 1920 [1916-1919], S. 410
Zitationshilfe
„rational“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rational>, abgerufen am 22.11.2019.

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