Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

real

Grammatik Adjektiv · Komparativ: realer · Superlativ: am realsten
Aussprache  [ʀeˈaːl]
Worttrennung re-al
Wortbildung  mit ›real‹ als Erstglied: Realakt · Realarrest · Realaufnahme · Realbedingung · Realbüro · Realdefinition · Realeinkommen · Realeinkünfte · Realenzyklopädie · Realgemeinde · Realgeschichte · Realgrund · Realindex · Realinspiration · Realinvestition · Realismus · Realist · Realkanzlei · Realkatalog · Realkonkordanz · Realkontrakt · Realkredit · Reallast · Reallexikon · Reallohn · Realpolitik · Realpolitiker · Realprodukt · Realschule · Realschüler · Realsteuer · Realwert · Realwirtschaft · Realzins · real denkend · realdenkend · realisieren
 ·  mit ›real‹ als Letztglied: hyperreal · irreal  ·  mit ›real‹ als Binnenglied: Ideorealgesetz  ·  formal verwandt mit: Realo
Herkunft zu reālisspätlat ‘wirklich’ < rēslat ‘Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache’
Duden, GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich in der Wirklichkeit, nicht nur in der Vorstellung so vorhanden; gegenständlich
2.
mit der Wirklichkeit in Zusammenhang stehend, realitätsbezogen; realistisch, sachlich, nüchtern
3.
Wirtschaft unter dem Aspekt der Kaufkraft, nicht zahlenmäßig, nicht dem Nennwert nach
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

real · irreal · Realität · realisieren · Realismus · Surrealismus · surreal · Realist · realistisch · reell
real Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich, der Wirklichkeit entsprechend’ (Mitte 17. Jh., vgl. schon Realwerk, Anfang 17. Jh.), entlehnt aus spätlat. reālis ‘wirklich’, mlat. ‘die Sache betreffend, sachlich, wesentlich’, zu lat. rēs ‘Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache’. Vielfach erstes Glied in Zusammensetzungen im Sinne von ‘auf die Wirklichkeit, auf die Praxis ausgerichtet, die Dinge betreffend’, vgl. Realschule, Reallexikon ‘Sachwörterbuch’, Realwissenschaften (18. Jh.), Realpolitik (19. Jh.). Dazu die verneinende Bildung (s. in-2) irreal Adj. ‘nicht wirklich, nicht der Wirklichkeit entsprechend’ (20. Jh.; vgl. frz. irréel, Ende 18. Jh.). – Realität f. ‘Wirklichkeit, Tatsache, tatsächliche Beschaffenheit, künstlerische Wahrhaftigkeit’ (Mitte 17. Jh.), auch (meist im Plur., besonders in Bayern und Österreich) ‘Grundbesitz, Liegenschaften’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus mlat. realitas (Genitiv realitatis) ‘Sache, Ding, Wirklichkeit, Grund und Boden’. realisieren Vb. ‘(einen Gedanken, ein Vorhaben) verwirklichen, durchführen’ (Mitte 17. Jh.), speziell ‘Papiergeld in klingende Münze umsetzen, eine Sache zu Geld machen’ (Mitte 18. Jh.), heute auch ‘ein Musik-, Theaterstück aufführen, verfilmen’ (1. Hälfte 20. Jh.); entlehnt aus gleichbed. frz. réaliser (mfrz. realiser ‘ein Kapital vertraglich zu regelmäßigen Zahlungen umwandeln’). In jüngster Zeit (unter Einfluß von engl. to realize) auch ‘klar erkennen, verstehen, begreifen’. Realismus m. ‘Wirklichkeitssinn, der Wirklichkeit entsprechende Haltung gegenüber den tatsächlichen Gegebenheiten und Verhältnissen, Sachlichkeit’, in der Philosophie Bezeichnung für erkenntnistheoretische Grundrichtungen, die von der Realität der Außenwelt ausgehen (zuerst bezogen auf die Scholastik, die die Allgemeinbegriffe als bewußtseinsunabhängige Wirklichkeit auffaßte), gelehrte Bildung (Ende 18. Jh., Kant, Schiller, Goethe) zu real. Als Gestaltungsprinzip in der Kunst seit etwa 1830 geläufig (gleichzeitig mit frz. réalisme). Surrealismus m. Bezeichnung für eine (in Paris entstandene) Strömung in bildender Kunst und Literatur, die, auf Psychoanalyse und Symbolismus fußend, das Irrationale und Unbewußte sowie auch Traum- und Rauscherlebnisse ohne Rücksicht auf Logik und Kausalität darzustellen sucht (1. Hälfte 20. Jh.), nach frz. surréalisme (1924, vgl. frz. sur ‘auf, über’, afrz. sor, sur, aus lat. super ‘oben, auf, darüber’). Dazu im Dt. (ohne frz. Vorbild) surreal Adj. ‘fern der Realität, unwirklich’ (20. Jh.). Realist m. ‘Vertreter des (philosophischen, künstlerischen) Realismus’ (Mitte 18. Jh.), allgemein ‘sachlich denkender und handelnder Mensch’ (Ende 18. Jh.), gebildet (unter Einfluß von frz. réaliste, 16. Jh., engl. realist, 17. Jh.) zu real. realistisch Adj. ‘zum Realismus gehörend, wirklichkeitsnah, sachlich, an der Wirklichkeit orientiert’ (2. Hälfte 19. Jh.). reell Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich vorhanden’ (um 1700), Entlehnung von gleichbed. frz. réel, afrz. reel, real, das auf spätlat. reālis (s. oben) beruht; im Dt. verwendet wie real. Daneben entwickelt sich (ebenfalls seit etwa 1700) die heute vorherrschende, jedoch unabhängig und abweichend vom Frz. entstandene Bedeutung ‘anständig, ehrlich, ordentlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
echt · effektiv · eigentlich · gelebt · lebensecht · real · so wie es sein soll · tatsächlich · wahrhaft · wahrhaftig · wirklich  ●  ehrlich  ugs. · ohne Scheiß  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aus Fleisch und Blut · leibhaftig · real
Assoziationen
Synonymgruppe
echt · eigentlich · in Wirklichkeit · konkret · real · tatsächlich · wirklich  ●  in natura  geh., lat.
Assoziationen
  • (ganz) real · im echten Leben · im richtigen Leben · im wirklichen Leben · in (der) Wirklichkeit · in der Realität · realiter · zum Anfassen  ●  im wahren Leben Redensart · in natura lat. · in der wirklichen Wirklichkeit ugs., scherzhaft · in echt ugs.
  • bei Lichte besehen · bei genauerer Überprüfung · bei näherem Hinsehen · genau gesehen (Einschub)
  • aus Fleisch und Blut · leibhaftig · real
  • (dort) angesiedelt (Unternehmen, Institution) · (dort) vertreten · dort (nachgestellt) · existent · existierend · gegeben · vorhanden  ●  bestehend Hauptform · seiend geh., philosophisch
Synonymgruppe
(ganz) real · im echten Leben · im richtigen Leben · im wirklichen Leben · in (der) Wirklichkeit · in der Realität · realiter · zum Anfassen  ●  im wahren Leben  Redensart · in natura  lat. · in der wirklichen Wirklichkeit  ugs., scherzhaft · in echt  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›real‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›real‹.

Verwendungsbeispiele für ›real‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beide ließen die realen Wirklichkeiten des Lebens zu wenig beachtet. [Mitteilungen des Vereins Deutscher Reklamefachleute, 1915, Nr. 1]
Auch wollten sie in Wien einmal einen realen Erfolg sehen. [Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 369]
So pflegt die Technik die reale Entscheidung zu behalten, die Literatur aber behält das letzte Wort. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 118]
Seine Tat ist es aber, jenem Titel einen realen Inhalt wiedergegeben zu haben. [Johann, Ernst: Einleitung: Kaiser Wilhelm II. In: Johann, Ernst (Hg.) Reden des Kaisers, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1966, S. 19]
Wer will sie daran hindern, auch das reale Ereignis in klingende Münze zu verwandeln? [Die Zeit, 28.10.1999, Nr. 44]
Zitationshilfe
„real“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/real>.

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