Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

realistisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung re-alis-tisch · rea-lis-tisch
Wortbildung  mit ›realistisch‹ als Erstglied: Realistik · realistischerweise  ·  mit ›realistisch‹ als Letztglied: fotorealistisch · neorealistisch · unrealistisch
Herkunft Realismus
eWDG

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von Realismus (1)
Beispiele:
die realistische Kunst, Literatur
das realistische Musiktheater
eine realistische Volksoper
die realistische Schaffensperiode eines Künstlers
2.
von der Wirklichkeit ausgehend, sachlich, nüchtern
entsprechend der Bedeutung von Realismus (2)
Beispiele:
eine realistische Schilderung, Darstellung von etw. geben
eine realistische Vorstellung von etw. haben
eine realistische Haltung einnehmen
er sah, betrachtete die Dinge realistisch
realistisch denken
3.
Philosophie entsprechend der Bedeutung von Realismus (3 a)
Beispiel:
eine realistische Erkenntnistheorie
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

real · irreal · Realität · realisieren · Realismus · Surrealismus · surreal · Realist · realistisch · reell
real Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich, der Wirklichkeit entsprechend’ (Mitte 17. Jh., vgl. schon Realwerk, Anfang 17. Jh.), entlehnt aus spätlat. reālis ‘wirklich’, mlat. ‘die Sache betreffend, sachlich, wesentlich’, zu lat. rēs ‘Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache’. Vielfach erstes Glied in Zusammensetzungen im Sinne von ‘auf die Wirklichkeit, auf die Praxis ausgerichtet, die Dinge betreffend’, vgl. Realschule, Reallexikon ‘Sachwörterbuch’, Realwissenschaften (18. Jh.), Realpolitik (19. Jh.). Dazu die verneinende Bildung (s. in-2) irreal Adj. ‘nicht wirklich, nicht der Wirklichkeit entsprechend’ (20. Jh.; vgl. frz. irréel, Ende 18. Jh.). Realität f. ‘Wirklichkeit, Tatsache, tatsächliche Beschaffenheit, künstlerische Wahrhaftigkeit’ (Mitte 17. Jh.), auch (meist im Plur., besonders in Bayern und Österreich) ‘Grundbesitz, Liegenschaften’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus mlat. realitas (Genitiv realitatis) ‘Sache, Ding, Wirklichkeit, Grund und Boden’. realisieren Vb. ‘(einen Gedanken, ein Vorhaben) verwirklichen, durchführen’ (Mitte 17. Jh.), speziell ‘Papiergeld in klingende Münze umsetzen, eine Sache zu Geld machen’ (Mitte 18. Jh.), heute auch ‘ein Musik-, Theaterstück aufführen, verfilmen’ (1. Hälfte 20. Jh.); entlehnt aus gleichbed. frz. réaliser (mfrz. realiser ‘ein Kapital vertraglich zu regelmäßigen Zahlungen umwandeln’). In jüngster Zeit (unter Einfluß von engl. to realize) auch ‘klar erkennen, verstehen, begreifen’. Realismus m. ‘Wirklichkeitssinn, der Wirklichkeit entsprechende Haltung gegenüber den tatsächlichen Gegebenheiten und Verhältnissen, Sachlichkeit’, in der Philosophie Bezeichnung für erkenntnistheoretische Grundrichtungen, die von der Realität der Außenwelt ausgehen (zuerst bezogen auf die Scholastik, die die Allgemeinbegriffe als bewußtseinsunabhängige Wirklichkeit auffaßte), gelehrte Bildung (Ende 18. Jh., Kant, Schiller, Goethe) zu real. Als Gestaltungsprinzip in der Kunst seit etwa 1830 geläufig (gleichzeitig mit frz. réalisme). Surrealismus m. Bezeichnung für eine (in Paris entstandene) Strömung in bildender Kunst und Literatur, die, auf Psychoanalyse und Symbolismus fußend, das Irrationale und Unbewußte sowie auch Traum- und Rauscherlebnisse ohne Rücksicht auf Logik und Kausalität darzustellen sucht (1. Hälfte 20. Jh.), nach frz. surréalisme (1924, vgl. frz. sur ‘auf, über’, afrz. sor, sur, aus lat. super ‘oben, auf, darüber’). Dazu im Dt. (ohne frz. Vorbild) surreal Adj. ‘fern der Realität, unwirklich’ (20. Jh.). Realist m. ‘Vertreter des (philosophischen, künstlerischen) Realismus’ (Mitte 18. Jh.), allgemein ‘sachlich denkender und handelnder Mensch’ (Ende 18. Jh.), gebildet (unter Einfluß von frz. réaliste, 16. Jh., engl. realist, 17. Jh.) zu real. realistisch Adj. ‘zum Realismus gehörend, wirklichkeitsnah, sachlich, an der Wirklichkeit orientiert’ (2. Hälfte 19. Jh.). reell Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich vorhanden’ (um 1700), Entlehnung von gleichbed. frz. réel, afrz. reel, real, das auf spätlat. reālis (s. oben) beruht; im Dt. verwendet wie real. Daneben entwickelt sich (ebenfalls seit etwa 1700) die heute vorherrschende, jedoch unabhängig und abweichend vom Frz. entstandene Bedeutung ‘anständig, ehrlich, ordentlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufgeklärt · realistisch · vorurteilsfrei
Synonymgruppe
aus dem Leben gegriffen · lebensecht · lebensnah · realistisch · wirklichkeitsnah  ●  (ganz) wie im richtigen Leben  variabel · aus der Fülle des Lebens (geschöpft)  geh., literarisch
Synonymgruppe
echt · realistisch
Synonymgruppe
korrekt · realitätsnah · treffend  ●  realistisch (Schilderung)  Hauptform

Typische Verbindungen zu ›realistisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›realistisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›realistisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er war sicher ein Idealist, aber der realistischste Idealist der Geschichte. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 28]
Und es bestand kaum noch eine realistische Chance, Überlebende zu finden. [Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 405]
Für ihn wäre es realistisch, von ganzem Herzen feige zu sein. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 408]
Die archaische Darstellungsweise ist daher unvollständig und ihre realistische Deutung nicht richtig. [Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1976, S. 333]
Das allerdings setzt eine realistische Beschreibung des Status quo voraus. [Die Zeit, 14.10.1999, Nr. 42]
Zitationshilfe
„realistisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/realistisch>.

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