rechtfertigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungrecht-fer-ti-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungrecht2fertigen
Wortbildung mit ›rechtfertigen‹ als Erstglied: ↗Rechtfertigung  ·  mit ›rechtfertigen‹ als Grundform: ↗gerechtfertigt
eWDG, 1974

Bedeutung

etw. rechtfertigennachweisen, beweisen, dass etw. berechtigt ist
Beispiele:
er hat sich bemüht, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen
sein Handeln, Vorgehen rechtfertigen
er rechtfertigte sein Verhalten damit, dass ...
sein Benehmen ist nicht, durch nichts zu rechtfertigen (= entschuldigen)
[eine Ansprache] in der er sein Zögern rechtfertigt [St. ZweigSternstunden21]
etw. rechtfertigt etw.etw. berechtigt, begründet etw.
Beispiele:
der Anlass rechtfertigt diesen Aufwand
das Verhalten des Angeklagten vor und nach Begehen der Tat rechtfertigt die Anwendung des Paragraphen ...
sich vor jmdm. rechtfertigensich vor jmdm. verantworten
Beispiel:
er musste sich vor dem Kollektiv rechtfertigen, hat sich vor ihr gerechtfertigt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

recht · Rechte · rechts · aufrecht · aufrechterhalten · rechtfertigen · rechtgläubig · rechtschaffen · Rechtschreibung
recht Adj. ‘richtig, dem Recht, den Gesetzen entsprechend, gut’, vgl. auch rechte Seite (‘äußere, obere Seite’) von Stoffen, Wäschestücken, (nur attributiv der rechte, ein rechter) ‘auf der Seite befindlich, die beim Menschen der Herzseite gegenüberliegt’, politisch ‘zur Rechten gehörend’ (s. unten Rechte f.), ahd. reht ‘recht, gerecht, berechtigt, richtig, gerade, einfach, gut, wirklich, zutreffend, wahr’ (8. Jh.), mhd. reht ‘in gerader Linie, gerade, Sitte, Recht entsprechend, gerecht, gehörig, wahrhaft, wirklich, eigentlich’, asächs. reht ‘recht, gerecht, richtig, wahr, gut, gerade, eben’, mnd. recht ‘gerade, aufrecht, richtig, genau, passend, wahr, eigentlich, gesetzmäßig, rechtmäßig, gerecht, auf der der Herzseite gegenüberliegenden Seite befindlich’, mnl. nl. recht, afries. riucht, aengl. riht, engl. right, anord. rēttr, schwed. rätt, got. raíhts führen auf germ. *rehta- und wie awest. rāšta ‘gerade’, griech. orektós (ὀρεκτός) ‘ausgestreckt, erwünscht, ersehnt’ (zu orégein, ὀρέγειν ‘(die Hand) hinstrecken, darreichen, sich strecken, zu erreichen suchen’), lat. rēctus ‘gerade, richtig, recht, aufrecht, regelrecht, schlicht, einfach, rechtschaffen, tugendhaft, sittlich’ (zu lat. regere ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’) als to-Partizipialbildungen und mit anord. rēttr ‘Recht, Rechtsanspruch’ (germ. *rehtu-), air. recht ‘Ordnung, Gesetz, Recht’ als tu-Stämmen auf eine Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’, wozu auch aind. ṛ́jyati, ṛñjáti ‘streckt sich, eilt’, irajyáti ‘ordnet an, lenkt’, rā́ṭ ‘König’, lat. rēx ‘Lenker, König’, air. reg-, rig- ‘ausstrecken’, (Genitiv rīg) ‘König’ gehören; s. ferner ↗rank, ↗recken, ↗Rechen, ↗rechnen, ↗Reich, ↗richten. Die ursprüngliche Bedeutung ‘geradegerichtet’ ist erhalten in rechter Winkel, Reckteck, aufrecht, senkrecht, waagerecht. Die heute geläufige Verwendung als Gegenwort zu ↗link (s. d.) entwickelt sich in spätmhd. Zeit aus der Vorstellung des Gebrauchs der rechten Hand als geeignet, als richtig, gleichbed. ahd. zeso (8. Jh.), mhd. zese (flektiert ahd. zesawēr, mhd. zes(e)wer) ablösend. Vgl. dazu die übertragene Fügung rechte Hand ‘unentbehrlicher Helfer’ (17. Jh.), älter rechter Arm (16. Jh.), vgl. mhd. er was mīn zesewe hant. Rechte f. ‘rechte Hand, rechter Arm’ (16. Jh.), seit dem 19. Jh. auch ‘politische Gruppe, Strömung, Partei (in einem parlamentarischen Staat), die konservative Ziele verfolgt’, im Anschluß an frz. la droite ‘die Rechte’, nach der Sitzordnung im Parlament, wo seit der französischen Restaurationszeit die konservativen Parteien ihre Plätze vom Präsidenten aus gesehen rechts innehatten. rechts Adv. ‘auf der rechten Seite’ (16. Jh.), ‘politisch zur Rechten gehörend’ (19. Jh.), hervorgegangen aus dem Genitiv Sing. des Adjektivs; vgl. ahd. (9. Jh.), mhd. rehtes ‘in rechter Weise, richtig’. aufrecht Adj. ‘gerade, aufgerichtet, rechtschaffen, redlich, unbestechlich’, ahd. ūfreht ‘aufgerichtet’ von der Körperhaltung (um 1000), mhd. ūfreht ‘gerade aufwärts gerichtet, aufrecht, emporstrebend, schlank, ohne Falsch’; in der Bedeutung ‘redlich, offenherzig, unbestechlich’ seit dem 18. Jh. mit ↗aufrichtig (s. d.) konkurrierend; aufrechterhalten Vb. ‘bestehen lassen, an etw. festhalten’ (16. Jh.). rechtfertigen Vb. ‘die Berechtigung eines Tuns, Handelns nachweisen, erklären’, reflexiv ‘sich von einem Verdacht befreien, nachweisen, daß etw. berechtigt ist’, mhd. rehtvertegen, rehtvertigen ‘ausfertigen, übergeben, von einer Schuld befreien, vor Gericht vertreten, verteidigen, gerichtlich behandeln, bestrafen’, abgeleitet von mhd. rehtvertec, rehtvertic ‘gerecht, rechtmäßig, rechtschaffen, übereinstimmend mit’. rechtgläubig Adj. ‘strenggläubig, orthodox’, eigentlich ‘richtig gläubig’ (15. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. orthodoxus (s. ↗orthodox). rechtschaffen Adj. ‘ehrlich, redlich, anständig, pflichtbewußt, groß, stark, sehr’ (16. Jh.), eigentlich ‘richtig, gut beschaffen’, älter auch rechtgeschaffen (16. Jh.). Rechtschreibung f. ‘Lehre von der richtigen Schreibung der Wörter, Orthographie’ (2. Hälfte 16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. orthographia (s. ↗Orthographie); vgl. ahd. rehtscrībāri ‘wer richtig schreibt’ (Hs. 12. Jh., für griech.-lat. orthographus).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich für etwas) aussprechen · (sich) hinter etwas stellen · eintreten für · rechtfertigen · stehen für · ↗verfechten · ↗vermitteln · ↗verteidigen · ↗vertreten  ●  ↗soutenieren  franz., lat., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
(eine) Begründung abgeben · Argumente aufzählen · Argumente darlegen · Argumente finden (für) · Argumente liefern · Argumente vorbringen · Gründe anführen · Gründe beibringen · Gründe finden · Gründe liefern · Gründe nennen · Gründe vorbringen · Gründe vortragen · argumentativ untermauern · ↗argumentieren · ↗begründen · ↗erklären · ↗legitimieren · rechtfertigen · verargumentieren
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) erklären · (sich) rechtfertigen · ↗(sich) verantworten · Rechenschaft ablegen · Rede und Antwort stehen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) rechtfertigen  ●  ↗(sich) diskulpieren  geh., veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angriff Annahme Argument Aufwand Behauptung Bewertung Eingriff Einsatz Entlassung Existenz Gewalt Hinweis Intervention Krieg Kündigung Maßnahme Optimismus Preis Sicht Tatsache Tötung Umstand Ungleichbehandlung Verbot Verhalten Vertrauen Vorgehen Vorwurf allein nachträglich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rechtfertigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wolle alles dafür tun, das Vertrauen von Millionen Bürgern zu rechtfertigen.
Die Zeit, 07.05.2012 (online)
Und deshalb schon sind sie, abermals in einem metaphysischen Sinn gesprochen, gerechtfertigt.
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004
Kohl rechtfertigt das Vorgehen mit dem schnellen Ablauf der Ereignisse, der rasche Entscheidungen erfordert habe.
Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 411
Er konnte sie nicht ableugnen, er wagte sie nicht zu rechtfertigen.
o. A.: Zweiter Tag. Mittwoch, 21. November 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 9292
Schon gar nicht rechtfertigt eine verschiedene soziale Stellung der beiden Damen ein solches Verhalten.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3046
Zitationshilfe
„rechtfertigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rechtfertigen>, abgerufen am 18.02.2019.

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