rechtschaffen

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung recht-schaf-fen
Wortbildung  mit ›rechtschaffen‹ als Grundform: Rechtschaffenheit
eWDG

Bedeutung

ehrlich und anständig, redlich
Beispiele:
ein rechtschaffener Mann
rechtschaffene Leute
[ein anderer] würde entweder verlegen werden oder rechtschaffen die Wahrheit sagen [ St. ZweigBalzac261]
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
einen rechtschaffenen (= großen) Hunger haben
er hat sich rechtschaffen (= sehr) plagen müssen, ist rechtschaffen müde
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

recht · Rechte · rechts · aufrecht · aufrechterhalten · rechtfertigen · rechtgläubig · rechtschaffen · Rechtschreibung
recht Adj. ‘richtig, dem Recht, den Gesetzen entsprechend, gut’, vgl. auch rechte Seite (‘äußere, obere Seite’) von Stoffen, Wäschestücken, (nur attributiv der rechte, ein rechter) ‘auf der Seite befindlich, die beim Menschen der Herzseite gegenüberliegt’, politisch ‘zur Rechten gehörend’ (s. unten Rechte f.), ahd. reht ‘recht, gerecht, berechtigt, richtig, gerade, einfach, gut, wirklich, zutreffend, wahr’ (8. Jh.), mhd. reht ‘in gerader Linie, gerade, Sitte, Recht entsprechend, gerecht, gehörig, wahrhaft, wirklich, eigentlich’, asächs. reht ‘recht, gerecht, richtig, wahr, gut, gerade, eben’, mnd. recht ‘gerade, aufrecht, richtig, genau, passend, wahr, eigentlich, gesetzmäßig, rechtmäßig, gerecht, auf der der Herzseite gegenüberliegenden Seite befindlich’, mnl. nl. recht, afries. riucht, aengl. riht, engl. right, anord. rēttr, schwed. rätt, got. raíhts führen auf germ. *rehta- und wie awest. rāšta ‘gerade’, griech. orektós (ὀρεκτός) ‘ausgestreckt, erwünscht, ersehnt’ (zu orégein, ὀρέγειν ‘(die Hand) hinstrecken, darreichen, sich strecken, zu erreichen suchen’), lat. rēctus ‘gerade, richtig, recht, aufrecht, regelrecht, schlicht, einfach, rechtschaffen, tugendhaft, sittlich’ (zu lat. regere ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’) als to-Partizipialbildungen und mit anord. rēttr ‘Recht, Rechtsanspruch’ (germ. *rehtu-), air. recht ‘Ordnung, Gesetz, Recht’ als tu-Stämmen auf eine Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’, wozu auch aind. ṛ́jyati, ṛñjáti ‘streckt sich, eilt’, irajyáti ‘ordnet an, lenkt’, rā́ṭ ‘König’, lat. rēx ‘Lenker, König’, air. reg-, rig- ‘ausstrecken’, (Genitiv rīg) ‘König’ gehören; s. ferner rank, recken, Rechen, rechnen, Reich, richten. Die ursprüngliche Bedeutung ‘geradegerichtet’ ist erhalten in rechter Winkel, Reckteck, aufrecht, senkrecht, waagerecht. Die heute geläufige Verwendung als Gegenwort zu link (s. d.) entwickelt sich in spätmhd. Zeit aus der Vorstellung des Gebrauchs der rechten Hand als geeignet, als richtig, gleichbed. ahd. zeso (8. Jh.), mhd. zese (flektiert ahd. zesawēr, mhd. zes(e)wer) ablösend. Vgl. dazu die übertragene Fügung rechte Hand ‘unentbehrlicher Helfer’ (17. Jh.), älter rechter Arm (16. Jh.), vgl. mhd. er was mīn zesewe hant. Rechte f. ‘rechte Hand, rechter Arm’ (16. Jh.), seit dem 19. Jh. auch ‘politische Gruppe, Strömung, Partei (in einem parlamentarischen Staat), die konservative Ziele verfolgt’, im Anschluß an frz. la droite ‘die Rechte’, nach der Sitzordnung im Parlament, wo seit der französischen Restaurationszeit die konservativen Parteien ihre Plätze vom Präsidenten aus gesehen rechts innehatten. rechts Adv. ‘auf der rechten Seite’ (16. Jh.), ‘politisch zur Rechten gehörend’ (19. Jh.), hervorgegangen aus dem Genitiv Sing. des Adjektivs; vgl. ahd. (9. Jh.), mhd. rehtes ‘in rechter Weise, richtig’. aufrecht Adj. ‘gerade, aufgerichtet, rechtschaffen, redlich, unbestechlich’, ahd. ūfreht ‘aufgerichtet’ von der Körperhaltung (um 1000), mhd. ūfreht ‘gerade aufwärts gerichtet, aufrecht, emporstrebend, schlank, ohne Falsch’; in der Bedeutung ‘redlich, offenherzig, unbestechlich’ seit dem 18. Jh. mit aufrichtig (s. d.) konkurrierend; aufrechterhalten Vb. ‘bestehen lassen, an etw. festhalten’ (16. Jh.). rechtfertigen Vb. ‘die Berechtigung eines Tuns, Handelns nachweisen, erklären’, reflexiv ‘sich von einem Verdacht befreien, nachweisen, daß etw. berechtigt ist’, mhd. rehtvertegen, rehtvertigen ‘ausfertigen, übergeben, von einer Schuld befreien, vor Gericht vertreten, verteidigen, gerichtlich behandeln, bestrafen’, abgeleitet von mhd. rehtvertec, rehtvertic ‘gerecht, rechtmäßig, rechtschaffen, übereinstimmend mit’. rechtgläubig Adj. ‘strenggläubig, orthodox’, eigentlich ‘richtig gläubig’ (15. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. orthodoxus (s. orthodox). rechtschaffen Adj. ‘ehrlich, redlich, anständig, pflichtbewußt, groß, stark, sehr’ (16. Jh.), eigentlich ‘richtig, gut beschaffen’, älter auch rechtgeschaffen (16. Jh.). Rechtschreibung f. ‘Lehre von der richtigen Schreibung der Wörter, Orthographie’ (2. Hälfte 16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. orthographia (s. Orthographie); vgl. ahd. rehtscrībāri ‘wer richtig schreibt’ (Hs. 12. Jh., für griech.-lat. orthographus).

Thesaurus

Synonymgruppe
anständig · aufrecht · aufrichtig · ehrbar · ehrlich · fair · geradeheraus · grundanständig · grundehrlich · grundgut · kreuzbrav · lauter · patent · rechtschaffen · redlich · treu · treu und brav · unverstellt · veritabel · wahrhaft  ●  das Herz am rechten Fleck haben  sprichwörtlich, fig. · honett  geh. · lauteren Herzens  geh., veraltend
Assoziationen
Synonymgruppe
gesetzestreu · rechtschaffen · regelkonform  ●  paragraphenreiterisch  negativ, fig. · vorschriftenhörig  negativ
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›rechtschaffen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rechtschaffen‹.

Verwendungsbeispiele für ›rechtschaffen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort soll es, hört man jetzt, rechtschaffen sozialistisch zugegangen sein. [konkret, 1982]
Da finde ich schon mal einen Politiker, und dann ist er rechtschaffen! [Die Zeit, 19.11.2012, Nr. 47]
Ich glaube eher, daß es nicht mehr so recht gelingen will, rechtschaffene Bücher zu den „Ereignissen“ hochzustilisieren, zu denen sie früher gemacht wurden. [Die Zeit, 24.09.1976, Nr. 40]
Irgendwie sah alles gleich bieder aus, rechtschaffen meist, aber auch nicht mehr. [Süddeutsche Zeitung, 02.10.2002]
Sie hatte rechtschaffenen Hunger und in ihrem wenig einladenden »Hotel« mochte sie nicht zu Abend speisen. [Ury, Else: Nesthäkchen fliegt aus dem Nest, Stuttgart: K. Thienemanns 1997 [1920], S. 19]
Zitationshilfe
„rechtschaffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rechtschaffen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
rechtsbürgerlich
rechtsbündig
rechts stehend
rechts außen
rechts
rechtschreiben
rechtschreiblich
rechtsdogmatisch
rechtsdrehend
rechtserfahren