reell

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungre-ell
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›reell‹ als Letztglied: ↗unreell  ·  mit ›reell‹ als Grundform: ↗Reellität
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ehrlich, anständig
Beispiele:
ein reeller Mensch, Kaufmann
ein reelles Geschäft, Angebot
das ist eine reelle Firma
er verdient sein Geld durch reelle Arbeit
jmd. ist reell, handelt reell
reell bedient werden
dort geht es nicht reell zu
umgangssprachlich ordentlich, zufriedenstellend
Beispiele:
reelle Speisen, Getränke
das ist endlich mal, wirklich was Reelles, ist immer das Reellste!
eine reelle Erbschaft an Mutterwitz [G. Hauptm.PippaII]
2.
wirklich, tatsächlich
Beispiele:
jmd. hat eine reelle Chance, reelle Aussichten
etw. ist reell begründet
Mathematikeine reelle Zahl (= Zahl, die sich als endlicher oder unendlicher Dezimalbruch darstellen lässt)
Mathematikeine reelle Funktion
eine Menge reeller Gegenstände [G. KellerGr. Heinrich4,739]
Das reelle Bild der Planetenscheibe, das vom Objektiv im Brennpunkt erzeugt wird [Urania1956]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

real · irreal · Realität · realisieren · Realismus · Surrealismus · surreal · Realist · realistisch · reell
real Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich, der Wirklichkeit entsprechend’ (Mitte 17. Jh., vgl. schon Realwerk, Anfang 17. Jh.), entlehnt aus spätlat. reālis ‘wirklich’, mlat. ‘die Sache betreffend, sachlich, wesentlich’, zu lat. rēs ‘Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache’. Vielfach erstes Glied in Zusammensetzungen im Sinne von ‘auf die Wirklichkeit, auf die Praxis ausgerichtet, die Dinge betreffend’, vgl. Realschule, Reallexikon ‘Sachwörterbuch’, Realwissenschaften (18. Jh.), Realpolitik (19. Jh.). Dazu die verneinende Bildung (s. ↗in-) irreal Adj. ‘nicht wirklich, nicht der Wirklichkeit entsprechend’ (20. Jh.; vgl. frz. irréel, Ende 18. Jh.). Realität f. ‘Wirklichkeit, Tatsache, tatsächliche Beschaffenheit, künstlerische Wahrhaftigkeit’ (Mitte 17. Jh.), auch (meist im Plur., besonders in Bayern und Österreich) ‘Grundbesitz, Liegenschaften’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus mlat. realitas (Genitiv realitatis) ‘Sache, Ding, Wirklichkeit, Grund und Boden’. realisieren Vb. ‘(einen Gedanken, ein Vorhaben) verwirklichen, durchführen’ (Mitte 17. Jh.), speziell ‘Papiergeld in klingende Münze umsetzen, eine Sache zu Geld machen’ (Mitte 18. Jh.), heute auch ‘ein Musik-, Theaterstück aufführen, verfilmen’ (1. Hälfte 20. Jh.); entlehnt aus gleichbed. frz. réaliser (mfrz. realiser ‘ein Kapital vertraglich zu regelmäßigen Zahlungen umwandeln’). In jüngster Zeit (unter Einfluß von engl. to realize) auch ‘klar erkennen, verstehen, begreifen’. Realismus m. ‘Wirklichkeitssinn, der Wirklichkeit entsprechende Haltung gegenüber den tatsächlichen Gegebenheiten und Verhältnissen, Sachlichkeit’, in der Philosophie Bezeichnung für erkenntnistheoretische Grundrichtungen, die von der Realität der Außenwelt ausgehen (zuerst bezogen auf die Scholastik, die die Allgemeinbegriffe als bewußtseinsunabhängige Wirklichkeit auffaßte), gelehrte Bildung (Ende 18. Jh., Kant, Schiller, Goethe) zu real. Als Gestaltungsprinzip in der Kunst seit etwa 1830 geläufig (gleichzeitig mit frz. réalisme). Surrealismus m. Bezeichnung für eine (in Paris entstandene) Strömung in bildender Kunst und Literatur, die, auf Psychoanalyse und Symbolismus fußend, das Irrationale und Unbewußte sowie auch Traum- und Rauscherlebnisse ohne Rücksicht auf Logik und Kausalität darzustellen sucht (1. Hälfte 20. Jh.), nach frz. surréalisme (1924, vgl. frz. sur ‘auf, über’, afrz. sor, sur, aus lat. super ‘oben, auf, darüber’). Dazu im Dt. (ohne frz. Vorbild) surreal Adj. ‘fern der Realität, unwirklich’ (20. Jh.). Realist m. ‘Vertreter des (philosophischen, künstlerischen) Realismus’ (Mitte 18. Jh.), allgemein ‘sachlich denkender und handelnder Mensch’ (Ende 18. Jh.), gebildet (unter Einfluß von frz. réaliste, 16. Jh., engl. realist, 17. Jh.) zu real. realistisch Adj. ‘zum Realismus gehörend, wirklichkeitsnah, sachlich, an der Wirklichkeit orientiert’ (2. Hälfte 19. Jh.). reell Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich vorhanden’ (um 1700), Entlehnung von gleichbed. frz. réel, afrz. reel, real, das auf spätlat. reālis (s. oben) beruht; im Dt. verwendet wie real. Daneben entwickelt sich (ebenfalls seit etwa 1700) die heute vorherrschende, jedoch unabhängig und abweichend vom Frz. entstandene Bedeutung ‘anständig, ehrlich, ordentlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
anschaulich · anwendungsbezogen · auf den Gegenstand bezogen · ↗bestimmt · ↗echt · ↗fassbar · ↗gegenständlich · ↗greifbar · ↗konkret · reell · ↗sachbezogen · ↗wirklich  ●  ↗handfest  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
dauerhaft · ↗langlebig · reell · ↗solide · ↗stabil · ↗wertbeständig  ●  ↗währschaft  schweiz. · Da weiß man, was man hat.  ugs., sprichwörtlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alternative Aussicht Basis Chance Erfolgschance Feldkomponente Funktion Gefahr Gegenwert Gewinnchance Marktchance Marktwert Matrize Medaillenchance Möglichkeit Nutzen Option Preis Siegchance Siegeschance Subsumtion Variable Wert Zahl durchaus imaginär komplex rational virtuell Überlebenschance

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Anders aber als im vergangenen Jahr geben Analysten dem Vorhaben in diesem Jahr eine reelle Chance.
Die Welt, 19.05.2005
Dann bestehe die reelle Chance, das Budget auch für 1996 einzuhalten.
Süddeutsche Zeitung, 21.11.1996
Hier ist statt der quadratischen Form jede reelle Zahl zugelassen.
Klix, Friedhart: Information und Verhalten, Berlin: Deutscher Verl. der Wissenschaften 1971, S. 327
Auf keinen Fall solle er den Wechsel bezahlen, denn das Spiel sei nicht reell gewesen.
Friedländer, Hugo: Der König der Spieler Rudolf Stallmann und Genossen auf der Anklagebank. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3807
Und das alles geht auf Kosten der gediegenen Arbeit, des reellen Handels, der Wertschätzung guter Ware.
Popp, Joseph: Zur Einführung. In: Bräuer, Hasso (Hg.) Archiv des deutschen Alltagsdesigns, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1915], S. 239
Zitationshilfe
„reell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reell>, abgerufen am 09.12.2019.

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