Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

regen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung re-gen
Wortbildung  mit ›regen‹ als Erstglied: regsam  ·  mit ›regen‹ als Letztglied: abregen · anregen · aufregen
Mehrwortausdrücke  sich regen bringt Segen
eWDG

Bedeutung

ein Glied des Körpers bewegen, rühren
Beispiele:
Arme und Beine, die Hände regen
sie konnte kein Glied, vor Kälte kaum noch die Finger regen
der Vogel begann seine Flügel zu regen
gehobenWo ein Tritt tausend Fäden regt [ GoetheFaustI 1924]
bildlich
Beispiele:
die Bäume regten im Wind ihre Zweige
gehobensie regten fleißig die Hände (= arbeiteten fleißig)
gehobenfür ihn werden sie keine Hand, keinen Finger mehr regen (= nichts mehr tun)
sich regensich (ein wenig) bewegen, in Bewegung geraten
Beispiele:
der Kranke regt sich kaum, konnte sich nicht regen
sie saß und regte sich nicht
umgangssprachlicher rührt und regt sich nicht
er erwachte und begann sich zu regen
kein Muskel regt sich in seinem Gesicht
ihre Finger regten sich
nichts regte sich
gehobenkein Blatt regt sich
gehobenein leichter Wind, kein Lüftchen hatte sich geregt
gehobenes regten sich die ersten Geräusche des Tages
gehobenein heimliches Regen zieht durch das ganze Gärtchen [ O. LudwigHimmel u. Erde1,383]
umgangssprachlich, bildlich
Beispiele:
er regt sich tüchtig (= ist tätig, fleißig)
reg dich ein wenig! (= sei nicht untätig!)
sie hat sich seit Wochen nicht geregt (= nicht bemerkbar gemacht)
übertragen spürbar werden, entstehen
Beispiele:
Hoffnung, Furcht, Neid, das Gewissen, die Neugier, ihr mitleidiges Herz regte sich
der Widerspruch, ein Gedanke, Wunsch, Zweifel hatte sich in mir geregt
neue Kräfte regen sich
Zunächst … regte sich Unruhe im Saal [ NollHolt2,110]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

regen · rege · regsam · aufregen · erregen
regen Vb. ‘eine leichte Bewegung machen’, reflexiv ‘sich leicht bewegen, sich rühren, tätig sein, spürbar werden’, mhd. regen ‘in Bewegung setzen, aufrichten, erregen, erwecken’, reflexiv ‘sich leicht bewegen’ ist das Kausativum (eigentlich ‘ragen machen’) zu einem starken, im Nhd. untergegangenen Verb mhd. regen ‘emporragen, sich erheben, steif, gestreckt sein, starren’. Als verwandt kann man (auf Grund der Lautverhältnisse) wohl Rahe, Ruck, rücken und vielleicht auch Reck (s. d.) ansehen. Außergerm. Anknüpfungen fehlen. Lit. réklēs (Plur.) ‘Stangengerüst’, das man zur Rekonstruktion einer Wurzel ie. *rek- ‘emporragen, Stange’ heranzieht, ist falsche Schreibung für das in einen anderen etymologischen Zusammenhang gehörende lit. ríekles (vgl. Fraenkel 2, 729). – rege Adj. ‘munter, lebhaft, rüstig, betriebsam’, Ableitung (Anfang 16. Jh.) vom Verb; zunächst nur prädikativ, attributiver Gebrauch seit dem 18. Jh. regsam Adj. ‘rührig, beweglich’ (18. Jh.). aufregen Vb. ‘in Erregung versetzen’, reflexiv ‘in Erregung geraten’, mhd. ūfregen. erregen Vb. ‘unruhig machen, reizen, hervorrufen, bewirken’, mhd. erregen.

Regen · regnen · regnerisch · Regenbogen · Regenpfeifer · Regenwurm · Regenschirm
Regen m. ‘atmosphärischer Niederschlag in Tropfen’, ahd. regan (8. Jh.), mhd. regen, asächs. regan, regin, mnd. rēgen, mnl. rēghen, rein, reen, nl. regen, afries. rein, aengl. regn, engl. rain, anord. schwed. regn, got. rign, germ. *regna-, *regnō-. Herkunft unbekannt. Ein nur auf das Germ. beschränktes Wort? – Vom Substantiv abgeleitet regnen Vb. ‘als Regen fallen, Regen geben’, ahd. reganōn (8. Jh.), mhd. regenen, mnd. mnl. rēgenen, nl. regenen, aengl. regnian, engl. to rain, anord. schwed. regna sowie anord. rigna, got. rignjan. regnerisch Adj. (17. Jh.), frühnhd. regnicht, regnig, mhd. regenic. Regenbogen m. ahd. reganbogo (10. Jh.), mhd. regenboge, mnd. rēgen(s)bōge, mnl. rēghenbōghe, nl. regenboog, aengl. rēnboga, engl. rainbow, anord. regnbogi, schwed. regnbåge. Regenpfeifer m. Vogel, der seinen Ruf besonders bei (bevorstehendem) Regen hören lassen soll (18. Jh.). Regenwurm m. ahd. reganwurm (um 900), mhd. regenwurm, aengl. rengwyrm; so benannt, weil dieser Wurm nach Regenfall das Erdreich verläßt und auf dem Erdboden anzutreffen ist. Regenschirm m. (Anfang 18. Jh.) für (auch ins Dt. entlehntes) frz. parapluie, gebildet analog älterem Sonnenschirm (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) bewegen · (sich) rühren · (sich) rühren und regen  ●  (sich) regen  geh. · (sich) rippeln  ugs., niederdeutsch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›regen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›regen‹.

Verwendungsbeispiele für ›regen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In Eva regt sich die alte Sehnsucht nach eigenem Haus. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1930. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1930], S. 201]
Im Volk selber regte sich keine Opposition gegen diese Strategie. [konkret, 1989]
Erstmals regte sich ein von den Kommunisten geschickt manipulierter Protest. [Der Spiegel, 24.06.1985]
Als dann die Wirtschaft zusammenbrach, regte sich Protest, und der begann sehr aggressiv zu werden. [konkret, 1981]
Zitationshilfe
„regen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/regen>.

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