Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

regulieren

Grammatik Verb · reguliert, regulierte, hat reguliert
Aussprache 
Worttrennung re-gu-lie-ren
Wortbildung  mit ›regulieren‹ als Erstglied: Regulierer · Regulierhahn · Regulierhebel · Regulierschraube · Regulierung · regulierbar
 ·  mit ›regulieren‹ als Letztglied: deregulieren · einregulieren · nachregulieren · überregulieren
 ·  mit ›regulieren‹ als Binnenglied: selbst regulierend · selbstregulierend  ·  mit ›regulieren‹ als Grundform: Regulator
Herkunft zu rēgulārespätlat ‘regeln, einrichten’
eWDG

Bedeutung

etw. (bei auftretenden Störungen wieder) in eine bestimmte Ordnung bringen, ausgleichen, regeln
Beispiele:
die Temperatur, den Druck, die Geschwindigkeit regulieren
eine Maschine regulieren
den Gang eines Uhrwerks, die Uhr regulieren
einen Flusslauf regulieren
die Zähne des Kindes mussten reguliert (= gerichtet) werden
das Zusammenleben der Menschen durch Gesetze, bestimmte Normen regulieren
seine Geschäfte, die Versicherungsschäden regulieren
regulierende Kräfte, Einflüsse
sich regulieren
Beispiele:
etw. reguliert sich nach den jeweils herrschenden Bedingungen
Kybernetikein sich selbst regulierendes System
dann regulieren sich auch die Herz‑ und Kreislaufverhältnisse wieder von selbst [ Gesundheit1966]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Regel · regeln · Regelung · Regler · regelmäßig · regelrecht · regulieren · Regulierung · regulär · Regularität · Regulator
Regel f. ‘Richtschnur, Richtlinie, Vorschrift, Norm, gewohnte Ordnung’, auch (wegen der regelmäßigen Wiederkehr) ‘Menstruation’, ahd. regula ‘Ordensregel, Regel, Richtschnur’ (9. Jh.), mhd. regel(e) ‘Ordensregel, Regel, Vorschrift, Norm, Maß’ ist, zunächst als Ausdruck des Klosterlebens, wie mnd. regule, reg(g)ele f. ‘(Ordens)regel, Lehre, Richtschnur’, mnl. reghele, regle f. ‘(Ordens)regel, Richtschnur, Reihe, gerade Linie, Lineal’, nl. regel m. ‘Linie, Zeile, Norm, gewohnte Ordnung, Richtschnur, Ordensregel, Menstruation’, aengl. regol m. ‘Regel, Kanon, Gesetz, Muster, Lineal’, anord. regula (durch mnd. Vermittlung auch regla) f. ‘Ordensregel’ aus mlat. regula f. ‘Ordensregel, Vorschrift, Richtschnur, Richtscheit, Meßlatte, Lineal’ übernommen (vgl. die bis ins 18. Jh. gebräuchliche bildungssprachliche Variante nhd. Regul, gestützt durch regulieren, s. unten). Das mlat. Substantiv, dessen Stammvokal nach Ausweis der germ. Entlehnungen kurz zu sein scheint (falls der bei Länge meist auftretende Wandel zu ī im Germ. hier nicht wegen des weiterhin deutlich empfundenen Zusammenhangs mit der lat. Form unterblieb), setzt lat. rēgula ‘Leiste, Latte, Stab, Richtscheit, Lineal, Regel, Richtschnur, Grundsatz’ fort, eine dehnstufige Nominalbildung zu lat. regere ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’. Dazu regeln Vb. ‘in eine bestimmte Ordnung bringen, nach Regeln ordnen’ (2. Hälfte 18. Jh., vereinzelt schon geregelt für spätlat. rēgulāriter im frühen 16. Jh.); Regelung f. ‘das Regeln, Ordnen, Festlegung, Vorschrift’ (19. Jh.); Regler m. ‘Vorrichtung zum selbsttätigen Regeln bestimmter Größen’ in der Technik (19. Jh.), zuvor gelegentlich von Personen ‘wer alles nach Regeln ordnen will’ (Ende 18. Jh., ohne Zusammenhang mit mhd. regelære ‘Mönch, besonders nach der Regel des heiligen Augustinus lebender Kanoniker’, mlat. canonicus regularis); regelmäßig Adj. ‘nach bestimmten Regeln geordnet, gleichmäßig’ (2. Hälfte 17. Jh.), adverbiell ‘in gleichbleibendem Turnus wiederkehrend, immer’ (Ende 18. Jh.); regelrecht Adj. ‘ordnungsgemäß, richtig’ (Anfang 18. Jh., erst im 19. Jh. geläufig). regulieren Vb. ‘in eine bestimmte Ordnung bringen, (bei Störungen) ausgleichen’ (seit Ende 18. Jh. vorwiegend terminologisch; in der Allgemeinsprache, im 20. Jh. teilweise auch in der Technik durch regeln ersetzt), mhd. regulieren ‘nach einer Regel ausführen’, entlehnt aus spätlat. rēgulāre ‘regeln, einrichten’, zu lat. rēgula (s. oben); dazu Regulierung f. ‘das Ordnen, Ausgleichen’ (um 1800, mit zunehmender Häufigkeit vor allem Bestandteil fachlicher Komposita). regulär Adj. ‘ordnungsgemäß, richtig’ (Ende 18. Jh.), zuvor ‘gleiche Teile habend, regelmäßig angeordnet, symmetrisch’ (von geometrischen Gebilden, namentlich im Festungsbau, 2. Hälfte 16. Jh.), anfangs in der Form regular, seit Ende 17. Jh. (wohl unter dem Einfluß von gleichbed. frz. régulier) französierend regulär, regulair, Übernahme von spätlat. rēgulāris ‘regelmäßig, eine Richtschnur enthaltend’ (lat. ‘zur Schiene formbar, Schienen-’, zu lat. rēgula, s. oben); dazu Regularität f. ‘Regelmäßigkeit, Richtigkeit’ (Mitte 17. Jh.), nach gleichbed. frz. régularité, einer gelehrten Bildung zu spätlat. rēgulāris (vgl. spätlat. irrēgulāritās ‘Stand des Weltgeistlichen’). Regulator m. ‘Regler’ zur Einstellung des gleichmäßigen Ganges einer Maschine (18. Jh.), ‘Wanduhr’ mit verstellbarem Pendel (19. Jh.), gelehrte Bildung zu spätlat. rēgulāre (s. oben). Vgl. frz. régulateur (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) korrigieren · (sich) regulieren
Synonymgruppe
(eine) Regelung treffen · regeln · reglementieren · regulieren · schalten (technisch) · steuern
Ökonomie
Synonymgruppe
(Schaden) regulieren · (die) Zeche zahlen (für) · (eine) Zahlung leisten · Geld in die Hand nehmen (journal., polit.) · abführen (Steuern) · aufkommen (für) · ausgeben · begleichen (Rechnung) · bestreiten (Geldbetrag) · eintreten (Versicherung, Bürge) · entrichten · verausgaben (Verwaltungsdeutsch) · zahlen  ●  bezahlen  Hauptform · (die finanziellen Lasten) tragen  geh. · (etwas) springen lassen  ugs. · abdrücken  ugs. · ablatzen  ugs. · auf den Tisch blättern  ugs. · berappen  ugs. · blechen  ugs. · geben für  ugs. · hinblättern  ugs. · latzen  ugs. · lockermachen (Geldbetrag)  ugs. · löhnen  ugs. · prästieren  geh., lat. · raushauen  ugs. · rauspfeifen  ugs. · tief(er) in die Tasche greifen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›regulieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›regulieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›regulieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von der Schuld seien erst 2400 M. reguliert, der Rest von 10000 Mark stehe noch offen. [Friedländer, Hugo: Der Klub der Harmlosen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 26036]
Wir müssen sehr darauf achten, nur dort zu regulieren, wo es notwendig ist. [C't, 2000, Nr. 9]
Jetzt kann es nur noch darum gehen, künftig weniger zu regulieren. [Die Zeit, 28.10.1999, Nr. 44]
In schwierigen Zeiten reguliere sich eben alles über die Kosten. [Die Zeit, 24.10.1997, Nr. 44]
Den Schaden von 200 Euro habe ich bereits vor Tagen reguliert. [Die Zeit, 15.12.2011 (online)]
Zitationshilfe
„regulieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/regulieren>.

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