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reißen

GrammatikVerb · riss, hat/ist gerissen
Aussprache
Worttrennungrei-ßen
Wortbildung mit ›reißen‹ als Erstglied: ↗Reißbahn · ↗Reißfestigkeit · ↗Reißleine · ↗Reißlänge · ↗Reißspinnstoff · ↗Reißteufel · ↗Reißverschluss · ↗Reißwolf · ↗Reißwolle · ↗Reißzahn · ↗reißfest
 ·  mit ›reißen‹ als Letztglied: ↗abreißen1 · ↗anreißen1 · ↗aufreißen1 · ↗auseinanderreißen · ↗ausreißen · ↗durchreißen · ↗einreißen · ↗emporreißen · ↗entzweireißen · ↗fortreißen · ↗herausreißen · ↗hereinreißen · ↗herumreißen · ↗herunterreißen · ↗hinabreißen · ↗hineinreißen · ↗hinreißen · ↗hinunterreißen · ↗hochreißen · ↗kaputtreißen · ↗losreißen · ↗mitreißen · ↗nachreißen · ↗niederreißen · ↗reinreißen · ↗runterreißen · ↗umreißen · ↗voneinanderreißen · ↗vorwärtsreißen · ↗wegreißen · ↗zurückreißen · ↗zusammenreißen · ↗überreißen
 ·  mit ›reißen‹ als Grundform: ↗entreißen · ↗reißend · ↗verreißen · ↗zerreißen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw., jmdn. durch starkes Ziehen oder eine andere heftige Bewegung (von etw.) gewaltsam trennen
a)
etw. von etw. anderem, jmdn. von etw. abtrennen
α)
etw. von etw. reißenetw. abreißen
Beispiele:
einen Zweig vom Baum, Strauch reißen
jmdm. einen Knopf vom Mantel reißen
den abgemessenen Stoff vom Ballen reißen
jmdm. die brennenden Kleider vom Leibe reißen
der Sturm riss ihm den Hut vom Kopfe
Sport sie hat beim Hochsprung (die Latte) bei 1,65 Meter gerissen (= sie hat beim Hochsprung die Latte berührt, sodass diese zu Boden fiel)
bildlich
Beispiel:
jmdm. die Maske, seine Larve vom Gesicht reißen (= jmdn. entlarven)
β)
etw. aus etw. reißenetw. ausreißen
Beispiele:
eine Pflanze, Unkraut aus der Erde reißen
er hat ein Blatt aus dem Buche gerissen
Wenn ich dem [dem Huhn] das Herz aus dem Leibe reiße und es aufesse [FalladaMurkelei37]
bildlich
Beispiele:
sich [Dativ] ein Gefühl aus dem Herzen reißen
Ach, Mac, reiß mir nicht das Herz aus dem Leibe [BrechtDreigroschenoperII 1]
γ)
jmdm. etw. aus der Hand reißenjmdm. etw. entreißen, wegreißen
Beispiel:
er versuchte, mir den Brief aus der Hand, aus den Händen zu reißen
bildlich
Beispiele:
aus dem Zusammenhang gerissen, ist diese Stelle unverständlich
Und daß uns dann der Erfolg nicht mehr aus den Zähnen gerissen werden kann [M. WalserinErkundungen259]
jmdn., sich aus etw. reißen
Beispiele:
jmdn. aus dem Schlafe reißen (= jmdn. unsanft wecken)
jmdn. aus seinen Träumen, Illusionen reißen (= jmdm. schonungslos die Wirklichkeit vor Augen führen)
jmdn. aus der Verlegenheit, Ungewissheit reißen
b)
ein Ganzes zerteilen
Beispiele:
den Stoff nach dem Faden reißen
Seide wird gerissen, nicht geschnitten
er hat den Brief in Stücke, Fetzen gerissen
bei dem Unfall wurde ihm der Mantel in Fetzen gerissen
der Sturm riss das Zeitungspapier mittendurch
c)
ein Loch in etw. reißenetw. so beschädigen, dass ein Loch entsteht
Beispiel:
er hat sich [Dativ] ein Loch in den Strumpf, die Hose gerissen
bildlich
Beispiele:
die Reise riss ein Loch in seine Ersparnisse
gehoben sein Tod riss eine (schmerzhafte) Lücke in ihre Reihen
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
entzweihen, sich in Teile trennen
Beispiele:
der (Bind)faden, das Tau, Seil ist gerissen
die Plane riss mittendurch
der Film ist gerissen
die Funkverbindung, Telefonverbindung ist plötzlich gerissen
der Stoff, das Papier reißt leicht
bildlich
Beispiele:
jetzt reißt mir aber die Geduld (= jetzt verliere ich aber die Geduld)
umgangssprachlich jetzt reißt mir aber der Geduldsfaden (= jetzt verliere ich aber die Geduld)
bei ihm ist endlich der Knoten gerissen (= er fängt endlich merklich an zu wachsen) (= er hat endlich etw., was für ihn schwierig war, begriffen)
wenn alle Stricke, Stränge reißen (= wenn keine andere Möglichkeit bleibt), dann ...
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
an etw. reißenan etw. zerren, ziehen, es aber wegen des entgegenstehenden Widerstandes nicht trennen, zerreißen können
Beispiele:
der Hund reißt an der Kette, Leine
Eines Abends ... wurde sehr heftig an der Klingel des Pfarrhöfchens gerissen [G. Hauptm.Ketzer4,88]
bildlich
Beispiele:
der Lärm, ständige Streit reißt an den Nerven
salopp sich am Riemen reißen (= sich anstrengen, zusammennehmen)
umgangssprachlich es reißt mir in allen Gliedern (= ich habe Rheuma)
umgangssprachlich ein reißender (= heftig ziehender) Schmerz
Riß etwa dieser bittere Krieg an seinen eigenen Nerven weniger? [Feuchtw.Jüd. Krieg386]
süddeutsch es reißt jmdn.es drängt jmdn., etw. zu tun
Beispiel:
Und trotzdem, mich selber reißt es loszugehen, loszuschlagen [Feuchtw.Tag17]
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
jmdn., etw. irgendwohin reißenjmdn., etw. schnell, gewaltsam irgendwohin ziehen, bewegen
Beispiele:
er wurde vom Strudel in die Tiefe gerissen
der Sog des sinkenden Schiffes hat ihn mit in die Tiefe gerissen
er riss ihn mit sich in den Abgrund
er riss mich zu Boden
jmdn. in die Höhe, hinter eine schützende Mauer reißen
er riss sie in seine Arme
der Wachtposten riss das Gewehr an die Backe
der Fahrer bremste und riss seinen Wagen nach rechts
Sport ein Gewicht reißen (= ein Gewicht ohne innezuhalten rasch hochstemmen)
übertragen
Beispiele:
er wird uns doch noch (mit) ins Verderben, Unglück reißen
ich werde (innerlich) hin und her gerissen (= ich kann mich nicht entscheiden)
salopp er hat sich [Dativ] das Buch unter den Nagel gerissen (= es sich widerrechtlich angeeignet)
etw. an sich reißenetw. gewaltsam, mit Energie in seinen Besitz bringen
Beispiele:
er will immer das Gespräch, Wort, die Unterhaltung an sich reißen (= das Gespräch bestimmen, führend in der Unterhaltung sein)
er hat die Führung, Herrschaft an sich gerissen
du willst alles, alle Vorteile an dich reißen
5.
mit Hilfsverb ›hat‹
sich reißensich an der Haut ritzen, eine kleine Wunde zuziehen
Beispiele:
ich habe mich am Finger gerissen
ich habe mich an einem Nagel, Dorn gerissen
oder uns die nackten Füße an spitzen Steinen blutig rissen [TravenGeneral366]
6.
der Wolf hat ein Schaf gerissen (= der Wolf hat ein Schaf gefangen, getötet und gefressen)
Beispiele:
der Fuchs hat zwei Hühner gerissen
ich wußte gar nicht, daß Wildgänse Lämmer reißen [BöllBillard142]
7.
mit Hilfsverb ›hat‹
umgangssprachlich sich um etw., jmdn. reißenetw., jmdn. heftig begehren, durchaus haben wollen
Beispiele:
man riss sich um die Eintrittskarten
die Leute rissen sich um die Ware
die jungen Männer rissen sich um sie (= sie hatte viele Bewerber)
Er glaubt, daß sich alle Weiber um ihn reißen, und wird doch eigentlich nur genasführt [FontanePetöfy34]
8.
mit Hilfsverb ›hat‹
Beispiel:
Possen, Witze reißen (= machen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abschleppen · hinter sich her schleifen · ↗mitreißen · reißen · ↗schleppen · ↗zerren · ↗ziehen  ●  ↗trecken  regional
Synonymgruppe
aufreißen · reißen · ↗zerreißen · ↗zerren
Synonymgruppe
aufplatzen · ↗bersten · in Scherben gehen · in tausend Stücke auseinanderfliegen · in tausend Stücke zerspringen · ↗platzen · reißen · ↗splittern · ↗springen · ↗zerbrechen · ↗zerplatzen · ↗zerschellen · ↗zersplittern · ↗zerspringen · zu Bruch gehen
Oberbegriffe

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daraufhin rissen die Besitzer den gesamten Namen aus der Wand.
Die Zeit, 26.10.2009, Nr. 43
Ein anderer Held der Literatur lässt sich hingegen begeistert sämtliche Zähne aus dem Mund reißen.
Süddeutsche Zeitung, 26.07.2003
Da er ein total vollgeschriebenes Blatt Papier drohend gegen mich schwang, riß ich es ihm aus der Hand.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 33
Plötzlich begannen sie zu laufen, sie rissen sich an den Dornen.
Heym, Georg: Der Dieb. In: Deutsche Literatur, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1911], S. 10742
Da riß ihr Roman den glimmenden Zweig aus der Hand.
Ganghofer, Ludwig: Der Dorfapostel, Stuttgart: Adolf Bonz 1917 [1900], S. 158
Zitationshilfe
„reißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reißen#1>, abgerufen am 19.10.2018.

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reißen

GrammatikVerb · riss, hat gerissen
Aussprache
Worttrennungrei-ßen
Wortbildung mit ›reißen‹ als Erstglied: ↗Reißahle · ↗Reißblei · ↗Reißbrett · ↗Reißfeder · ↗Reißhaken · ↗Reißkohle · ↗Reißnadel · ↗Reißnagel · ↗Reißschiene · ↗Reißzeug · ↗Reißzwecke
 ·  mit ›reißen‹ als Letztglied: ↗abreißen2 · ↗anreißen2 · ↗aufreißen2
eWDG, 1974

Bedeutung

veraltet etw. zeichnen
Beispiel:
In schneller Arbeit riß er die Skizze aufs Brett [Feuchtw.Goya342]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abschleppen · hinter sich her schleifen · ↗mitreißen · reißen · ↗schleppen · ↗zerren · ↗ziehen  ●  ↗trecken  regional
Synonymgruppe
aufreißen · reißen · ↗zerreißen · ↗zerren
Synonymgruppe
aufplatzen · ↗bersten · in Scherben gehen · in tausend Stücke auseinanderfliegen · in tausend Stücke zerspringen · ↗platzen · reißen · ↗splittern · ↗springen · ↗zerbrechen · ↗zerplatzen · ↗zerschellen · ↗zersplittern · ↗zerspringen · zu Bruch gehen
Oberbegriffe

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daraufhin rissen die Besitzer den gesamten Namen aus der Wand.
Die Zeit, 26.10.2009, Nr. 43
Ein anderer Held der Literatur lässt sich hingegen begeistert sämtliche Zähne aus dem Mund reißen.
Süddeutsche Zeitung, 26.07.2003
Da er ein total vollgeschriebenes Blatt Papier drohend gegen mich schwang, riß ich es ihm aus der Hand.
Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 33
Plötzlich begannen sie zu laufen, sie rissen sich an den Dornen.
Heym, Georg: Der Dieb. In: Deutsche Literatur, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1911], S. 10742
Da riß ihr Roman den glimmenden Zweig aus der Hand.
Ganghofer, Ludwig: Der Dorfapostel, Stuttgart: Adolf Bonz 1917 [1900], S. 158
Zitationshilfe
„reißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reißen#2>, abgerufen am 19.10.2018.

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