reiben

GrammatikVerb · rieb, hat gerieben
Worttrennungrei-ben (computergeneriert)
Wortbildung mit ›reiben‹ als Erstglied: ↗Reibefläche · ↗Reibeisen · ↗Reibekartoffeln · ↗Reibekeule · ↗Reibekuchen · ↗Reibekäse · ↗Reibelaut · ↗Reiber · ↗Reiberei · ↗Reibfläche · ↗Reibkartoffeln · ↗Reibkeule · ↗Reibkuchen · ↗Reibkäse · ↗Reibschale
 ·  mit ›reiben‹ als Letztglied: ↗abreiben · ↗anreiben · ↗aufreiben · ↗ausreiben · ↗durchreiben · ↗einreiben · ↗herumreiben · ↗hinreiben · ↗nachreiben · ↗trockenreiben
 ·  mit ›reiben‹ als Grundform: ↗gerieben · ↗verreiben · ↗zerreiben
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
einen Gegenstand an, auf einem anderen bei dauernder Berührung hin und her bewegen
Beispiel:
Hauke ... nahm das Pferd selbst am Zügel, das sogleich liebkosend den Kopf an seiner Schulter rieb [StormSchimmelr.7,234]
einen Gegenstand dadurch säubern, dass ein anderer auf ihm bei ständiger Berührung hin und her bewegt wird
Beispiele:
die Politur des Tisches, eine Fläche mit einem weichen, feuchten Lappen sauber, blank reiben
österreichisch den Boden reiben (= scheuern)
Wollsachen dürfen beim Waschen nicht gerieben werden
mit den Händen unter leichtem Druck über einen Körperteil streichen
Beispiele:
jmdm. die Schläfen, Glieder reiben
er rieb sich [Dativ] (nachdenklich) die Stirn
sich [Dativ] (verwundert) die Augen reiben
ich musste mir erst den Schlaf aus den Augen reiben
sich [Dativ] die Hände reiben
unter leichtem Druck mit der einen Hand über, gegen die andere streichen
Beispiele:
er rieb sich vergnügt, fröhlich, zufrieden, schmunzelnd die Hände
der Schuh, Kragen reibt, hat mich gerieben (= scheuert, hat mir die Haut wund gescheuert)
2.
etw., besonders Lebensmittel, durch Hin- und Herbewegen auf einem Reibeisen fein zerkleinern, flockig zermahlen
Beispiele:
Käse, Kartoffeln, Äpfel, Muskatnuss, harte Brötchen reiben
geriebene Semmel (= Semmelmehl)
etw. zerstoßen
Beispiele:
etw. zu Pulver, Staub reiben
Im übrigen lernte der Schüler ... die Pinsel waschen, die Tusche reiben (= zerstoßen und anrühren) [HesseGlasperlensp.6,211]
3.
umgangssprachlich sich an jmdm., einer Sache reibenmit jmdm. Streit anfangen, in Streit geraten, mit einer Sache uneins sein
Beispiele:
versuche nicht, dich an mir zu reiben!
Das Neue wird sich mit diesen oder jenen bisherigen Ansichten reiben [Lehrerzeitung1957]
nun haben Sie sich an der Welt gerieben [Feuchtw.Narrenweisheit264]
4.
salopp jmdm. etw. unter die Nase reibenjmdm. etw. vorhalten
Beispiel:
jmdm. seine Fehler, Faulheit unter die Nase reiben
jmdm. etw. deutlich, grob sagen
Beispiel:
dem habe ich es aber unter die Nase gerieben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reiben · Reibe · Reibeisen · Reiberei · abreiben · Abreibung · aufreiben · zerreiben · ribbeln · rubbeln · rebeln
reiben Vb. ‘einen Gegenstand an einem anderen hin und her bewegen, mit den Händen unter leichtem Druck über einen Körperteil streichen’. Für das nur westgerm. bezeugte starke Verb ahd. rīban (um 800), mhd. rīben, mnd. mnl. wrīven, nl. wrijven (westgerm. *wrīban) mit dem Intensivum nd. wribbeln ‘wirbeln, schwenken, reiben, quetschen’ (vgl. auch seemännisch Wreifholz ‘Reibeholz, das zwischen Schiff und Anlegestelle gehängt wird’) bietet sich keine sichere außergerm. Anknüpfungsmöglichkeit. Am ehesten läßt sich noch griech. rhī́ptein (ῥίπτειν) ‘werfen, schleudern, stoßen, stürzen’ vergleichen, so daß mit einer Ausgangsbedeutung ‘drehen, hin und her bewegen’ über eine Labialerweiterung ie. *u̯reip-, *u̯rīp- Anschluß an die Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ (s. auch ↗werden, ↗werfen, ↗Wurm) möglich ist. S. auch ↗gerieben. Reibe f. ‘Küchengerät mit durchlöcherter, rauher Oberfläche zum Zerkleinern, Zermahlen verschiedener Lebensmittel oder Gewürze’ (15. Jh.). Reibeisen n. mhd. rībīsen. Reiberei f. ‘Meinungsverschiedenheit, Auseinandersetzung, Streitigkeit’ (19. Jh.), gebildet im Anschluß an sich an jmdm. reiben ‘mit jmdm. Streit anfangen, in Streit geraten’ (16. Jh.). abreiben Vb. ‘durch Reiben entfernen, säubern, reibend bearbeiten, frottieren, massieren, durch Reibung abnutzen’, mhd. aberīben ‘durch Reiben entfernen, loslösen’; Abreibung f. ‘das Abreiben’ (16. Jh.), umgangssprachlich ‘Tracht Prügel’, auch ‘Schelte, Abkanzelung’ (Anfang 20. Jh.). aufreiben Vb. ‘völlig zerreiben, wundreiben’, übertragen ‘eine militärische Einheit im Kampf vernichten, überbeanspruchen und völlig verbrauchen, zermürben, erschöpfen, ermüden’ (um 1500). zerreiben Vb. ‘durch Reiben zerkleinern, pulverisieren’, mhd. zerrīben. ribbeln Vb. ‘reiben, aufrauhen’, Intensivbildung (16. Jh.) zu reiben. Daneben die Lautvariante rubbeln Vb. ‘heftig reiben’, regional auch ‘poltern, rumpeln’ (20. Jh., wohl älter), vgl. engl. to rub. In Weinanbaugebieten dazu ablautend rebeln Vb. ‘Trauben zerreiben, pressen, quetschen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
reiben · ↗scheuern  ●  schubben (mittelniederdt.)  ugs. · ↗schubbern  ugs., norddeutsch
Synonymgruppe
(Käse) reiben · ↗raspeln
Synonymgruppe
abfrottieren · ↗abreiben · ↗abtrocknen · ↗frottieren · reiben · ↗trockenreiben · ↗trocknen
Assoziationen
Synonymgruppe
(durch Reiben) entfernen · ↗abreiben · reiben · wegpolieren  ●  ↗abrubbeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Augen Daumen Finger Hand Kinn Nase Schlaf Stirn Wange Wunde Zeigefinger abreiben aneinander aneinanderreiben aufreiben ausreiben einreiben erstaunt gegeneinander genüßlich herumreiben hinreiben man schadenfroh ungläubig verdutzt vergnügt verwundert wund

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reiben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als das Konzert vorüber war, rieben wir uns die Augen.
Die Welt, 16.05.2003
Doch hier reibt sich nichts, die Handlung schwoft eher müde vor sich hin.
Der Tagesspiegel, 11.07.2001
Er beginnt dabei mit dem rechten Fuß, dann wäscht er den linken Fuß und reibt beide Füße.
Khoury, Adel Theodor: Gebet. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 899
Um nicht gleich dreinzuschlagen, rieb er sie schwer an der Nase.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 423
Verwundert reibt er sich die Augen, vor ihm steht seine Frau.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 22118
Zitationshilfe
„reiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reiben>, abgerufen am 19.01.2019.

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