Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

reifen

Grammatik Verb · reift, reifte, ist/hat gereift
Aussprache  [ˈʀaɪ̯fn̩]
Worttrennung rei-fen
Grundformreif
Wortbildung  mit ›reifen‹ als Erstglied: Reifephase · Reifeprozess · Reifezeit · Reifung
 ·  mit ›reifen‹ als Letztglied: ausreifen · entgegenreifen · heranreifen · nachreifen
 ·  mit ›reifen‹ als Grundform: gereift  ·  formal verwandt mit: frühgereift · sonnengereift
eWDG

Bedeutungen

1.
reif werden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
von Früchten
Beispiele:
das Obst, Getreide ist gereift
die Äpfel, Birnen reifen zeitig, früh in diesem Jahr
das reifende Korn
die Erdbeeren brauchen viel Sonne zum Reifen
wenn an den Sonnenhängen überm Fluß die Himbeeren reifen [ HartungWunderkinder143]
übertragen
Beispiel:
Für Käte selbst aber war schließlich in der Woche vor Weihnachten die Zeit gereift zu einer erst vorsichtigen, dann sehr freimütigen Unterredung [ A. ZweigBeil291]
b)
vom Menschen   sich entwickeln, älter und erfahrener werden
Beispiele:
der Knabe reift zum Manne
das Kind ist früh gereift
als gereifter Mann sieht man manches anders
Er war im stillen über das schnelle Reifen seiner Tochter ebenso erfreut wie beunruhigt [ AndresHochzeit94]
c)
gehoben ein Plan reift in jmdm.ein Plan entwickelt sich in jmdm. und nimmt seine endgültige Form an
Beispiele:
ein Entschluss reift in jmdm.
der Plan muss noch reifen
in ihm ist die Erkenntnis gereift, dass …
Ein Gedanke … kam ihm jetzt wieder und reifte rasch zum Entschluß [ FontaneWuthenowI 1,442]
Sibylle hatte gehofft, sie könnte ihre Entscheidung reifen lassen [ FrischStiller377]
2.
dichterisch etw., jmdn. reif machen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
wie oft an der Mauer / Reifte die herbstliche Sonne den Wein [ Ric. HuchGedichte17]
Eine kurze Nacht / Hat meiner Jahre trägen Lauf beflügelt, / Frühzeitig mich zum Mann gereift [ SchillerCarlosV 11]
ein Zug wie von Leiden hat ihre Schönheit gereift, vergeistigt [ Hofmannsth.ProsaI 189]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reif · Reife · reifen2 · reiflich
reif Adj. ‘im Wachstum voll entwickelt und daher geeignet zur Ernte, erwachsen, erfahren, seelisch ausgeglichen, genügend vorbereitet’, ahd. rīf(i) (8. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. rīp(i), afries. rīp, mnd. mnl. aengl. rīpe, engl. ripe, nl. rijp (westgerm. *reipi-) gehört wohl (vgl. Seebold 370 f.) zu einem in aengl. rīpan ‘mähen, ernten’ vorliegenden starken Verb, wozu engl. (schwach flektierend) to reap ‘mähen, ernten’; vgl. auch aengl. rīp ‘Ernte’, riftre, riftere ‘Schnitter’, reopa ‘Garbe’. Das Adjektiv bedeutet also eigentlich ‘was geerntet werden kann’. Man kann vielleicht die unter Riffel (s. d.) genannten Formen heranziehen und an eine Labialerweiterung ie. *reib- der unter Rain (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’ anknüpfen. Ursprünglich auf Ähren und Früchte bezogen, die so weit sind, daß sie geschnitten bzw. eingesammelt werden können, wird reif dann auf alles übertragen, was zum Abschluß einer Entwicklung gelangt ist. – Reife f. ‘das Reifsein, Vollendung der Entwicklung’ (16. Jh.; häufiger seit 18. Jh.), aber schon ahd. rīfī (9. Jh.); vgl. mhd. rīfecheit, mnd. rīpicheit ‘Reife’. reifen2 Vb. ‘reif werden, sich entwickeln, reif machen, zur Reife bringen bzw. kommen’, ahd. rīfen, rīfēn (9. Jh.), mhd. rīfen, asächs. rīpon, mnd. mnl. rīpen, nl. rijpen, aengl. rīpian, engl. to ripen. reiflich Adj. ‘eingehend, gründlich’, zuerst (um 1500) Adverb zum Adjektiv reif, seit dem 18. Jh. auch adjektivisch in Verbindung mit Wörtern wie Erwägung, Nachdenken, Überlegung u. dgl.; vgl. ahd. rīflīhho Adv. ‘rechtzeitig, frühzeitig’ (8./9. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›reifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›reifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Samen – bei einer Pflanze hat man 12000 gezählt – reifen meist früher als das Korn. [Wiehle, Hermann u. Harm, Marie: Lebenskunde für Mittelschulen – Klasse 3, Halle u. a.: Schroedel u. a. 1941, S. 86]
Der Führer ließ reichste Ernte reifen, die nun das deutsche Volk heimführen konnte. [o. A.: Kundgebung in Prachatitz: Feierliche Eingliederung des Böhmerwaldgebietes in den Gau »Bayerische Ostmark« der NSDAP, 22.01.1939]
Sie sagt, sie sei gereift mit all den leidvollen Erfahrungen. [Die Zeit, 29.04.1998, Nr. 19]
Sie reifen doppelt so schnell wie üblich, versprechen die Hersteller. [Die Zeit, 02.10.1997, Nr. 41]
Meine historische Mission reifte in mir mit etwa 35 Jahren. [o. A.: ICH, RUDOLF BAHRO. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1980]]
Zitationshilfe
„reifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reifen#1>.

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reifen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung rei-fen
formal verwandt mitReif2
eWDG

Bedeutung

es reiftReif fällt, bildet sich
Beispiel:
heute Nacht, gegen Morgen hat es gereift
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif2 · reifen1
Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. – reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›reifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›reifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daher reift er auch bei uns nur in geschützten Lagen. [Maier-Bode, Friedrich Wilhelm (Hg.), Das Buch des Bauern, Hiltrup (Westf.): Landwirtschaftsverl. 1954 [1953], S. 40]
Die Samen – bei einer Pflanze hat man 12000 gezählt – reifen meist früher als das Korn. [Wiehle, Hermann u. Harm, Marie: Lebenskunde für Mittelschulen – Klasse 3, Halle u. a.: Schroedel u. a. 1941, S. 86]
Der Führer ließ reichste Ernte reifen, die nun das deutsche Volk heimführen konnte. [o. A.: Kundgebung in Prachatitz: Feierliche Eingliederung des Böhmerwaldgebietes in den Gau »Bayerische Ostmark« der NSDAP, 22.01.1939]
Sie sagt, sie sei gereift mit all den leidvollen Erfahrungen. [Die Zeit, 29.04.1998, Nr. 19]
Sie reifen doppelt so schnell wie üblich, versprechen die Hersteller. [Die Zeit, 02.10.1997, Nr. 41]
Zitationshilfe
„reifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reifen#2>.

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