reifen

GrammatikVerb · reift, reifte, ist/hat gereift
Aussprache
Worttrennungrei-fen
Grundformreif
Wortbildung mit ›reifen‹ als Erstglied: ↗Reifephase · ↗Reifung  ·  mit ›reifen‹ als Letztglied: ↗ausreifen · ↗entgegenreifen · ↗heranreifen · ↗nachreifen
 ·  formal verwandt mit: ↗frühgereift · ↗sonnengereift
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
reif werden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
von Früchten
Beispiele:
das Obst, Getreide ist gereift
die Äpfel, Birnen reifen zeitig, früh in diesem Jahr
das reifende Korn
die Erdbeeren brauchen viel Sonne zum Reifen
wenn an den Sonnenhängen überm Fluß die Himbeeren reifen [HartungWunderkinder143]
übertragen
Beispiel:
Für Käte selbst aber war schließlich in der Woche vor Weihnachten die Zeit gereift zu einer erst vorsichtigen, dann sehr freimütigen Unterredung [A. ZweigBeil291]
b)
vom Menschen   sich entwickeln, älter und erfahrener werden
Beispiele:
der Knabe reift zum Manne
das Kind ist früh gereift
als gereifter Mann sieht man manches anders
Er war im stillen über das schnelle Reifen seiner Tochter ebenso erfreut wie beunruhigt [AndresHochzeit94]
c)
gehoben ein Plan reift in jmdm.ein Plan entwickelt sich in jmdm. und nimmt seine endgültige Form an
Beispiele:
ein Entschluss reift in jmdm.
der Plan muss noch reifen
in ihm ist die Erkenntnis gereift, dass ...
Ein Gedanke ... kam ihm jetzt wieder und reifte rasch zum Entschluß [FontaneWuthenowI 1,442]
Sibylle hatte gehofft, sie könnte ihre Entscheidung reifen lassen [FrischStiller377]
2.
dichterisch etw., jmdn. reif machen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
wie oft an der Mauer / Reifte die herbstliche Sonne den Wein [Ric. HuchGedichte17]
Eine kurze Nacht / Hat meiner Jahre trägen Lauf beflügelt, / Frühzeitig mich zum Mann gereift [SchillerCarlosV 11]
ein Zug wie von Leiden hat ihre Schönheit gereift, vergeistigt [Hofmannsth.ProsaI 189]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif2 · reifen1
Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).

reif · Reife · reifen2 · reiflich
reif Adj. ‘im Wachstum voll entwickelt und daher geeignet zur Ernte, erwachsen, erfahren, seelisch ausgeglichen, genügend vorbereitet’, ahd. rīf(i) (8. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. rīp(i), afries. rīp, mnd. mnl. aengl. rīpe, engl. ripe, nl. rijp (westgerm. *reipi-) gehört wohl (vgl. Seebold 370 f.) zu einem in aengl. rīpan ‘mähen, ernten’ vorliegenden starken Verb, wozu engl. (schwach flektierend) to reap ‘mähen, ernten’; vgl. auch aengl. rīp ‘Ernte’, riftre, riftere ‘Schnitter’, reopa ‘Garbe’. Das Adjektiv bedeutet also eigentlich ‘was geerntet werden kann’. Man kann vielleicht die unter ↗Riffel (s. d.) genannten Formen heranziehen und an eine Labialerweiterung ie. *reib- der unter ↗Rain (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’ anknüpfen. Ursprünglich auf Ähren und Früchte bezogen, die so weit sind, daß sie geschnitten bzw. eingesammelt werden können, wird reif dann auf alles übertragen, was zum Abschluß einer Entwicklung gelangt ist. Reife f. ‘das Reifsein, Vollendung der Entwicklung’ (16. Jh.; häufiger seit 18. Jh.), aber schon ahd. rīfī (9. Jh.); vgl. mhd. rīfecheit, mnd. rīpicheit ‘Reife’. reifen2 Vb. ‘reif werden, sich entwickeln, reif machen, zur Reife bringen bzw. kommen’, ahd. rīfen, rīfēn (9. Jh.), mhd. rīfen, asächs. rīpon, mnd. mnl. rīpen, nl. rijpen, aengl. rīpian, engl. to ripen. reiflich Adj. ‘eingehend, gründlich’, zuerst (um 1500) Adverb zum Adjektiv reif, seit dem 18. Jh. auch adjektivisch in Verbindung mit Wörtern wie Erwägung, Nachdenken, Überlegung u. dgl.; vgl. ahd. rīflīhho Adv. ‘rechtzeitig, frühzeitig’ (8./9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
alt werden · ↗altern · reif werden · reifen · älter werden
Assoziationen
  • senil werden · ↗vergreisen
  • (die) jungen Alten · ↗alt · alt und grau (sein / werden) · ↗angejahrt · gealtert · gehobenen Alters · im Rentenalter · im reifen Alter von · in fortgeschrittenem Alter · in vorgerücktem Alter · nicht mehr der (die) Jüngste · nicht mehr ganz (so) jung · vorgerückten Alters · ↗ältlich  ●  auf meine (deine, seine...) alten Tage  ugs. · fortgeschrittenen Alters  geh. · in (jemandes) reife(re)n Jahren  geh. · in Ehren ergraut  geh. · in die Jahre gekommen  ugs. · in die Tage gekommen  ugs. · in hohen Jahren stehen  geh. · in höheren Jahren stehen  geh. · ↗oll  derb · viele Jahre auf dem Buckel haben  ugs. · zwischen 80 und scheintot  derb, variabel
Synonymgruppe
(persönlich) wachsen · an Statur gewinnen · ↗hinzulernen · reifen · reifer werden
Assoziationen
  • (seine) Gesinnung wechseln · (seine) Prinzipien verraten · (seine) Überzeugungen über Bord werfen · ↗(zur anderen Seite) überlaufen · die Seite(n) wechseln · ↗umfallen · ↗umkippen · ↗umschwenken  ●  hinzugelernt haben  euphemistisch, ironisch
  • (etwas) (jetzt) anders sehen · (etwas) mit anderen Augen sehen · (jetzt) anders denken über · (seine) Einstellung ändern · (seinen) Standpunkt wechseln · (sich) auf einen anderen Standpunkt stellen · in seiner Meinung umschwenken · sich anders besinnen · ↗umschwenken · zu einer anderen Auffassung gelangen  ●  (seine) Meinung ändern  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apfel Banane Barrique Beere Blütentraum Eichenfaß Einsicht Eizelle Entschluß Erkenntnis Faß Feige Frucht Führungspersönlichkeit Führungsspieler Holzfaß Korn Käse Orange Persönlichkeit Tomate Traube Wein altern ausreifen entgegenreifen heran heranreifen langsam nachreifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Keine Symbolik ist so von Generation zu Generation gereift wie die Symbolik der Religion.
Die Welt, 20.12.2005
Persönlich wie auch beruflich konnte ich durch dieses Programm wesentlich reifen.
Der Tagesspiegel, 07.03.1998
Alter Käse muß lange reifen, aber ist er nach so langer Zeit noch genießbar?
Süddeutsche Zeitung, 27.02.1995
Die Samen - bei einer Pflanze hat man 12000 gezählt - reifen meist früher als das Korn.
Wiehle, Hermann u. Harm, Marie: Lebenskunde für Mittelschulen - Klasse 3, Halle u. a.: Schroedel u. a. 1941, S. 86
Noch war die Zeit nicht gereift für tiefere, echtere Lösungen.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 621
Zitationshilfe
„reifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reifen#1>, abgerufen am 14.12.2019.

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reifen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungrei-fen
formal verwandt mitReif2
eWDG, 1974

Bedeutung

es reiftReif fällt, bildet sich
Beispiel:
heute Nacht, gegen Morgen hat es gereift
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif2 · reifen1
Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).

reif · Reife · reifen2 · reiflich
reif Adj. ‘im Wachstum voll entwickelt und daher geeignet zur Ernte, erwachsen, erfahren, seelisch ausgeglichen, genügend vorbereitet’, ahd. rīf(i) (8. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. rīp(i), afries. rīp, mnd. mnl. aengl. rīpe, engl. ripe, nl. rijp (westgerm. *reipi-) gehört wohl (vgl. Seebold 370 f.) zu einem in aengl. rīpan ‘mähen, ernten’ vorliegenden starken Verb, wozu engl. (schwach flektierend) to reap ‘mähen, ernten’; vgl. auch aengl. rīp ‘Ernte’, riftre, riftere ‘Schnitter’, reopa ‘Garbe’. Das Adjektiv bedeutet also eigentlich ‘was geerntet werden kann’. Man kann vielleicht die unter ↗Riffel (s. d.) genannten Formen heranziehen und an eine Labialerweiterung ie. *reib- der unter ↗Rain (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’ anknüpfen. Ursprünglich auf Ähren und Früchte bezogen, die so weit sind, daß sie geschnitten bzw. eingesammelt werden können, wird reif dann auf alles übertragen, was zum Abschluß einer Entwicklung gelangt ist. Reife f. ‘das Reifsein, Vollendung der Entwicklung’ (16. Jh.; häufiger seit 18. Jh.), aber schon ahd. rīfī (9. Jh.); vgl. mhd. rīfecheit, mnd. rīpicheit ‘Reife’. reifen2 Vb. ‘reif werden, sich entwickeln, reif machen, zur Reife bringen bzw. kommen’, ahd. rīfen, rīfēn (9. Jh.), mhd. rīfen, asächs. rīpon, mnd. mnl. rīpen, nl. rijpen, aengl. rīpian, engl. to ripen. reiflich Adj. ‘eingehend, gründlich’, zuerst (um 1500) Adverb zum Adjektiv reif, seit dem 18. Jh. auch adjektivisch in Verbindung mit Wörtern wie Erwägung, Nachdenken, Überlegung u. dgl.; vgl. ahd. rīflīhho Adv. ‘rechtzeitig, frühzeitig’ (8./9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
alt werden · ↗altern · reif werden · reifen · älter werden
Assoziationen
  • senil werden · ↗vergreisen
  • (die) jungen Alten · ↗alt · alt und grau (sein / werden) · ↗angejahrt · gealtert · gehobenen Alters · im Rentenalter · im reifen Alter von · in fortgeschrittenem Alter · in vorgerücktem Alter · nicht mehr der (die) Jüngste · nicht mehr ganz (so) jung · vorgerückten Alters · ↗ältlich  ●  auf meine (deine, seine...) alten Tage  ugs. · fortgeschrittenen Alters  geh. · in (jemandes) reife(re)n Jahren  geh. · in Ehren ergraut  geh. · in die Jahre gekommen  ugs. · in die Tage gekommen  ugs. · in hohen Jahren stehen  geh. · in höheren Jahren stehen  geh. · ↗oll  derb · viele Jahre auf dem Buckel haben  ugs. · zwischen 80 und scheintot  derb, variabel
Synonymgruppe
(persönlich) wachsen · an Statur gewinnen · ↗hinzulernen · reifen · reifer werden
Assoziationen
  • (seine) Gesinnung wechseln · (seine) Prinzipien verraten · (seine) Überzeugungen über Bord werfen · ↗(zur anderen Seite) überlaufen · die Seite(n) wechseln · ↗umfallen · ↗umkippen · ↗umschwenken  ●  hinzugelernt haben  euphemistisch, ironisch
  • (etwas) (jetzt) anders sehen · (etwas) mit anderen Augen sehen · (jetzt) anders denken über · (seine) Einstellung ändern · (seinen) Standpunkt wechseln · (sich) auf einen anderen Standpunkt stellen · in seiner Meinung umschwenken · sich anders besinnen · ↗umschwenken · zu einer anderen Auffassung gelangen  ●  (seine) Meinung ändern  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apfel Banane Barrique Beere Blütentraum Eichenfaß Einsicht Eizelle Entschluß Erkenntnis Faß Feige Frucht Führungspersönlichkeit Führungsspieler Holzfaß Korn Käse Orange Persönlichkeit Tomate Traube Wein altern ausreifen entgegenreifen heran heranreifen langsam nachreifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Persönlich wie auch beruflich konnte ich durch dieses Programm wesentlich reifen.
Der Tagesspiegel, 07.03.1998
Alter Käse muß lange reifen, aber ist er nach so langer Zeit noch genießbar?
Süddeutsche Zeitung, 27.02.1995
Daher reift er auch bei uns nur in geschützten Lagen.
Maier-Bode, Friedrich Wilhelm (Hg.), Das Buch des Bauern, Hiltrup (Westf.): Landwirtschaftsverl. 1954 [1953], S. 40
Die Samen - bei einer Pflanze hat man 12000 gezählt - reifen meist früher als das Korn.
Wiehle, Hermann u. Harm, Marie: Lebenskunde für Mittelschulen - Klasse 3, Halle u. a.: Schroedel u. a. 1941, S. 86
Noch war die Zeit nicht gereift für tiefere, echtere Lösungen.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 621
Zitationshilfe
„reifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reifen#2>, abgerufen am 14.12.2019.

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