reimen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungrei-men
Wortbildung mit ›reimen‹ als Erstglied: ↗Reimerei  ·  mit ›reimen‹ als Letztglied: ↗anreimen · ↗zusammenreimen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ein Wort mit einem anderen zu einem Reim verbinden
Beispiele:
er hat ein Wort auf das andere gereimt
er hat Freud auf Leid gereimt
die Verse sind gut, schlecht gereimt
eine gereimte Fabel (= eine Fabel in gereimten Versen)
Er sang die Terzinen reimlos oder wie sie der Zufall reimte [C. F. Meyer1,318]
übertragen etw. in Einklang miteinander bringen
Beispiele:
[während Smeraldina] sich vergebens bemühte, das seltsame Betragen des Fremden, seine Armut, seine Freigebigkeit, sein graues Haar und seine Abenteuersucht miteinander zu reimen [HeyseI 3,220]
Wie soll ich diese Widersprüche reimen [SchillerCarlosII 10]
2.
ein Wort reimt sich auf ein anderesein Wort bildet mit einem anderen einen Reim
Beispiele:
›Hund‹ reimt sich auf ›Fund‹
salopp reim dich oder ich fress dich (= wird gesagt, wenn sich etw. unbedingt reimen soll)
übertragen sich (mit etw.) reimenmit etw. zusammenpassen, einen Sinn geben
Beispiele:
diese Handlung reimt sich nicht mit seinem sonstigen Verhalten
wie reimt sich das?
was mir jetzt, wenn ich es bedenke, mit der Reputation des wohlehrsamen Handwerks sich keineswegs reimen will [StormPole Poppensp.4,41]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reim · reimen
Reim m. ‘Gleichklang einer oder mehrerer Silben bei verschiedenem Anlaut (besonders am Ende einer Verszeile), kleines Gedicht, Vers’, mhd. rīm ‘Reim, Vers(zeile), Verspaar’ ist entweder eine Entlehnung von afrz. frz. rime ‘gebundene Rede, Reim’ oder übernimmt vielmehr als altes germ. Wort im Sinne von ‘Reihe’ (wie auch das Mnd. und Mnl.) die im Afrz. übliche Bedeutung. Denn afrz. rime stammt wohl (vgl. FEW 16, 718) seinerseits aus dem Germ., und zwar aus anfrk. *rīm ‘Reihe’ bzw. ahd. rīm ‘Reihe, Reihenfolge, Zahl’ (8. Jh.), denen asächs. unrīm ‘Unzahl’, aengl. rīm ‘Zahl, Zählung, Rechnung’, anord. rīm ‘Berechnung, Kalender’ (auch, nach dem Mnd., ‘Reim, Gedicht’) entsprechen. Diese sind verwandt mit griech. ararískein (ἀραρίσκειν) ‘zusammenfügen, verfertigen’, arithmós (ἀριθμός) ‘Reihe, Zahl, (Auf)zählung’, nḗritos (νήριτος) ‘zahllos, unendlich’, lat. rītus ‘Gebrauch, Sitte, Gewohnheit, Art’, air. rīm ‘Zahl’, so daß Anschluß an die Wurzelform *(a)rī̌-, *rēi- der unter ↗Arm (s. d.) angeführten Wurzel ie. *ar(ə)- ‘zusammenfügen, passen’ möglich ist. Die Bedeutungsentwicklung führt von ‘Reihenfolge’ über ‘Reihe ähnlich klingender Versausgänge, Reimreihe’ zu ‘Endreim’ und ‘Reimvers’. Die bis ins 17. Jh. reichende Verwendung von Reim im Sinne von ‘Vers(zeile), Verspaar’ ist noch in ↗Kehrreim (s. d.) und Kinderreim ‘einfacher, leicht faßlicher, einprägsamer Reim, Vers für Kinder’ bewahrt. Durch Opitz wird Reim (nach frz. Vorbild) als ‘Endreim’ definiert. reimen Vb. ‘Reime bilden, in Reimen ausdrücken, in Reime bringen’, reflexiv ‘einen (End)reim bilden, zueinander passen, einen Sinn ergeben’, mhd. rīmen ‘in Verse bringen’, aus gleichbed. afrz. rimer; vgl. dagegen ahd. rīmen, aengl. rīman ‘zählen’.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(ein) Gedicht verfassen · Gedichte schreiben · Verse schmieden · ↗dichten · reimen
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) reimen (auf) · durch Reim verbunden (sein) · in Reimen enden
Assoziationen
  • durch Reim(e) verbunden · gereimt · in Versen · in Versform · in gereimter Form (verfasst)
  • Gedicht · ↗Poem · ↗Reim · lyrisches Werk

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arsch Biß Dichter Dreck Englische Erotik Exotik Gedicht Kuß Lied Lyriker Manier Schmerz Spruch Stegreif Strophe Vers Volksmund Zeile auf aufeinander bloß dichten du einst holprig irgendwie rappen trefflich zusammenreimen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reimen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich sah sie mir an, und erstaunlich viele reimten sich.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 49
Wer legt am schnellsten Platten auf, wer reimt am kühnsten und wer tanzt den anderen davon.
Die Welt, 05.08.2000
Wie reimt sich das alles auf «exzentrisches Kind deutscher Romantik»?
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 240
Und seltsamerweise war früher sehr viel mehr gereimt als heute.
Die Zeit, 29.11.1963, Nr. 48
Wie sie sich miteinander reimen und in die Einheit "einer" Freiheit zusammengehen, kann hier freilich nicht ausgeführt werden.
Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 942
Zitationshilfe
„reimen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reimen>, abgerufen am 20.10.2018.

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