Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

reinlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung rein-lich
Wortzerlegung rein1 -lich
Wortbildung  mit ›reinlich‹ als Erstglied: Reinlichkeit  ·  mit ›reinlich‹ als Letztglied: unreinlich · überreinlich
eWDG

Bedeutungen

1.
Grammatik: häufig attributiv bzw. häufig adverbiell
sauber
Beispiele:
eine reinliche Wohnung, ein reinliches Haus
gerade als wir durch die – nicht eben sehr reinliche – Hauptstraße … einfuhren [ St. ZweigUngeduld212]
daß die Kleidung der Frauensperson bescheiden war, wenn auch reinlich [ A. Drachin: Österr. Erzähler1,31]
ordentlich
Beispiel:
[ich] entledigte mich auch meines Stärkhemdes, das ich, reinlich gefaltet, der übrigen Garderobe hinzufügte [ Th. MannKrull8,359]
übertragen klar, deutlich
Beispiele:
eine reinliche Scheidung, Trennung der Begriffe
Er drang auf eine reinliche Scheidung von Religion und Philosophie [ MehringLessing-Legende420]
2.
die Sauberkeit liebend, für Sauberkeit sorgend
Beispiele:
eine reinliche Hausfrau
Katzen sind reinliche Tiere
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rein · Reinheit · reinigen · Reinigung · bereinigen · Bereinigung · verunreinigen · Verunreinigung · reinlich · Reinlichkeit
rein Adj. ‘ohne fremdartige Bestandteile, unvermischt, unverfälscht, frei von Schmutz, sauber, frisch gewaschen, unberührt, keusch, vollkommen, fehlerlos’, ahd. (h)reini (8. Jh.), mhd. rein(e), asächs. hrēni, mnd. rein, mnl. reine, rēne, nl. rein, afries. (h)rēne, anord. hreinn, schwed. ren, got. hrains. Mit dem Suffix ie. -ni- gebildetes germ. *hraini- ist verwandt mit ahd. (h)rītara (um 800), mhd. rīter, nhd. (obd.) Reiter ‘Sieb’, aengl. hridder, hriddel, engl. riddle ‘Sieb’ und außergerm. mit griech. krī́nein (κρίνειν) ‘scheiden, trennen, unterscheiden, sichten, urteilen, entscheiden’, lat. cernere (aus *crin-) ‘sichten, scheiden, sondern, unterscheiden, entscheiden’, crībrum ‘Sieb, Durchschlag’, air. criathar (aus *krē̌itro-) ‘Sieb’. Auszugehen ist von ie. *(s)kerī̌-, *(s)krē̌i-, *(s)krī̌- ‘schneiden, scheiden’, einer Form der unter scheren1 (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet rein vor allem ‘nicht schmutzig, sauber’ und ‘unverfälscht’; in Teilen der Schweiz und Rheinfrankens noch erhalten im Sinne von ‘fein gemahlen, gesiebt’ (von Mehl, Zucker, Sand u. dgl.). – Reinheit f. ‘Sauberkeit, Klarheit, Lauterkeit, Unschuld’ (17. Jh.), anfangs konkurrierend mit Reinlichkeit (s. unten) und (dem zu Anfang des 19. Jhs. untergegangenen) Reinigkeit, mhd. reinecheit, reinekeit, reinikeit, ahd. in un(h)reinigheit ‘Unreinheit’ (11. Jh.). reinigen Vb. ‘säubern’, mhd. reinegen, rein(i)gen, abgeleitet von mhd. reinec, reinic ‘rein’; vgl. ahd. (h)reinen (8. Jh.), (h)reinōn (9. Jh.), mhd. reinen, asächs. hrēnian, hrēnon, got. hrainjan. Dazu Reinigung f. mhd. reinegunge, reinigunge. bereinigen Vb. ‘ins reine, in Ordnung bringen, beilegen, klären’ und Bereinigung f. (beide 15. Jh.). verunreinigen Vb. ‘beschmutzen, schmutzig machen’ (15. Jh.); vgl. mhd. verunreinen; Verunreinigung f. (15. Jh.). reinlich Adj. ‘sauber, ordentlich’, mhd. reinlich; Reinlichkeit f. ‘Sauberkeit, Genauigkeit, Sorgfalt’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
auf Sauberkeit bedacht · reinlich · reinlichkeitsliebend · sauberkeitsliebend

Typische Verbindungen zu ›reinlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reinlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›reinlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Tier sucht von sich aus die reinlichen Stellen zum Lager. [Die Landfrau, 26.09.1925]
Dem reinlichen Stück fiel dann der frei gewordene Platz zu. [Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 11]
Der kritische Philosoph hat auf reinliche Scheidung der Gebiete zu achten. [Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 3048]
Bei uns ist man dagegen für eine reinliche Trennung der Disziplinen. [Die Zeit, 12.06.1958, Nr. 24]
Doch sei für den echten Erzieher diese reinliche Scheidung unbefriedigend. [Die Zeit, 01.09.1955, Nr. 35]
Zitationshilfe
„reinlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reinlich>.

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