Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

reiten

Grammatik Verb · reitet, ritt, ist/hat geritten
Aussprache [ˈʀaɪ̯tn̩]
Worttrennung rei-ten
Wortbildung  mit ›reiten‹ als Erstglied: Reitanzug · Reitbahn · Reitbeteiligung · Reitbursche · Reitdecke · Reitelefant · Reiter · Reiterei · Reitesel · Reitfrack · Reitgerte · Reithalle · Reithose · Reitjagd · Reitkleid · Reitknecht · Reitknochen · Reitkostüm · Reitkunst · Reitlehre · Reitlehrer · Reitpeitsche · Reitpferd · Reitplatz · Reitsattel · Reitschule · Reitsitz · Reitsport · Reitstall · Reitstiefel · Reitstock · Reitstunde · Reittier · Reitturnier · Reitunterricht · Reitweg
 ·  mit ›reiten‹ als Letztglied: abreiten · anreiten · aufreiten · ausreiten · bereiten2 · davonreiten · durchreiten · einreiten · erreiten · fortreiten · heimreiten · heranreiten · herausreiten · herbeireiten · hereinreiten · herumreiten · hinaufreiten · hinausreiten · hineinreiten · hinreiten · hinunterreiten · losreiten · nachreiten · niederreiten · reinreiten · rumreiten · totreiten · umherreiten · umreiten · vorreiten · weiterreiten · zureiten · überreiten
 ·  mit ›reiten‹ als Grundform: Reiten · Ritt  ·  formal verwandt mit: beritten
eWDG

Bedeutungen

1.
sich auf einem Tier, besonders einem Pferd, sitzend fortbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’ bzw. mit ‘hat’
Beispiele:
er reitet gut, schlecht, langsam, schnell, tollkühn
wir sind scharf, in schnellem Tempo, ein schnelles Tempo geritten
(im) Galopp, Trab, Schritt reiten
nach Hause, in die Stadt, über, durch die Felder, auf die Jagd reiten
er ist einen andern Weg geritten
er ist, hat früher viel geritten
Reitendie Hohe Schule reiten (= formvollendete Reitkunst zeigen)
geritten kommen
reiten können, lernen
er hat Unterricht im Reiten
auf einem Esel, Kamel, Pferd reiten
im Damensattel, Herrensattel reiten
das Kind reitet auf dem Schaukelpferd
er hat das Kind auf den Knien, Schultern reiten lassen
er hat den Gegner, das Hindernis zu Boden geritten
umgangssprachlicher hat den Gegner, das Hindernis über den Haufen geritten
veraltetein reitender Bote (= ein berittener Bote)
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? [ GoetheErlkönig]
daß er in seinen jungen Jahren Rennen geritten hatte [ RennKrieg170]
veraltetDann wurde die Eingabe durch einen reitenden Boten in die Stadt gesandt [ StormSchimmelr.7,214]
bildlich
Beispiel:
das Schiff reitet (= tanzt) auf den Wellen
ein Tier, besonders ein Pferd, reiten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er reitet ein schönes, edles Pferd
einen Esel, ein Kamel reiten
das Pferd in die Schwemme reiten
er hat das Pferd müde, zuschanden, zu Tode geritten
2.
übertragen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
eine Attacke gegen etw., jmdn. reiten (= etw., jmdn. attackieren)
umgangssprachlichein Steckenpferd reiten (= eine Liebhaberei betreiben)
umgangssprachlicher reitet immer wieder seine Prinzipien (= versteift sich immer wieder darauf)
saloppder Teufel reitet ihn (= er treibt Unfug, mutwillig Böses)
saloppdich reitet wohl der Teufel? (= du bist wohl nicht bei Sinnen, bei Trost?)
scherzhaftden Pegasus reiten (= Verse machen)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reiten · Reiter · Reiterei · beritten
reiten Vb. ‘sich auf einem Tier, besonders einem Pferd, sitzend fortbewegen, zum Reiten benutzen (ein Tier)’, ahd. rītan ‘reiten, fahren, sich bewegen’ (9. Jh.), mhd. rīten, asächs. aengl. rīdan, afries. rīda, mnd. mnl. rīden, nl. rijden, engl. to ride, anord. rīða ‘hin und her bewegen, schwingen, wanken, reiten, besiegen’, schwed. rida ‘reiten’ (germ. *reidan) lassen sich mit air. rīad(a)im ‘ich fahre’, dērīad ‘Zweigespann’, kymr. rhwydd-hau ‘beeilen’, gall.-lat. rēda ‘vierrädriger Reisewagen’ (dazu lat. rēdārius ‘Lenker eines solchen Wagens’) verbinden und mit bereit und Reede (s. d.) auf ie. *reidh- ‘fahren, in Bewegung sein’ zurückführen, eine Erweiterung der auch in rennen, rinnen, Reise, rieseln und Ernst (s. d.) vorliegenden Wurzel ie. *er-, *or-, *r- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’. Die Einschränkung auf die heutige Bedeutung erfolgt in frühnhd. Zeit; vgl. aber noch ‘in schaukelnder oder schwingender Bewegung sein’ (16. Jh.). Die umfassendere Bedeutung zeigt sich auch in den Substantiven ahd. reita, reitī ‘Wagen, Streitwagen’, aengl. rād ‘Ritt, Reiten, Zug, Reise’, engl. road ‘Straße’, anord. reið ‘Ritt, Fahrt, Reise, Wagen, Schiff’ sowie in anord. reiða ‘schwingen, schieben, darreichen, fahren, treiben’. – Reiter m. ‘wer reitet, wer auf einem Pferd oder einem anderen Reittier sitzt’, ahd. rītāri, rīteri (11. Jh.), ritteri (Hs. 13. Jh.), mhd. rīter, rītære ‘Reiter, Reitersmann, Kämpfer zu Pferde’. Reiterei f. ‘berittene Truppe’ (16. Jh.), frühnhd. rewtterey ‘Kriegsdienst zu Pferd’ (15. Jh.), reiterey ‘das Reiten’ (Anfang 16. Jh.). beritten Adj. ‘mit Pferden ausgestattet, zu Pferde’, mhd. beriten, eigentlich Part. Prät. von dem heute nur noch in der Bedeutung ‘(ein Pferd) zureiten, ausbilden, zu Pferde durchmessen (Strecke, Gebiet)’ gebrauchten Präfixverb bereiten, mhd. berīten ‘(auf dem Pferd) reiten, reitend angreifen, reitend einholen, reitend besichtigen’ (vgl. Bereiter als Berufsbezeichnung für ‘Zureiter, Ausbilder von Reitpferden’).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Pferd) besteigen · reiten · rittlings sitzen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›reiten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reiten‹.

Verwendungsbeispiele für ›reiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einmal bekam die kleine Hexe Lust, in die Stadt zu reiten. [Preußler, Otfried: Die kleine Hexe, Stuttgart: Thienemann 1980 [1957], S. 33]
Ohne das Ende des Festes abzuwarten, ritten sie schweigsam heim. [Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 164]
Dann aber reitet sie der Übermut, gleich zweimal, und sie fliegt raus. [Der Spiegel, 12.11.1990]
Erst werdet Ihr mich ziehen, und dann werde ich auf Euch reiten. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1952]]
Die Brigaden bildeten gewissermaßen zwei Treffen, und zwischen den beiden ritt der General. [Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222]
Zitationshilfe
„reiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reiten>.

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