relativ

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungre-la-tiv
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›relativ‹ als Erstglied: ↗Relativbewegung · ↗Relativpronomen · ↗Relativsatz
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
nicht uneingeschränkt, nicht absolut gültig, nur in bestimmten Grenzen und Verhältnissen zutreffend, von Bedingungen oder Beziehungen abhängig
Beispiele:
seine Behauptungen, Feststellungen hatten sich als relativ erwiesen
die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist eine relative Erscheinung, da sie nur in bestimmten Gesellschaftsordnungen existiert
Gut und Böse, Schön und Hässlich sind relative Werte
der Baum bot ihm nur relative Sicherheit gegen das Unwetter
er glaubte, das neue Medikament habe nur relativen Nutzen
wir gewähren unseren Kindern schon früh eine relative Selbstständigkeit
Wahrscheinlichkeit wird ... als relative Häufigkeit aufgefaßt [Dt. Literaturzeitg.1964]
adverbiell
verhältnismäßig, vergleichsweise
Beispiele:
etw. ist relativ häufig, selten, gut, schlecht, einfach, leicht, schwierig
die Gegend ist relativ ruhig, menschenleer, sicher
eine Angelegenheit ist relativ dringend, bedeutend, wichtig
er war ein relativ bescheidener Mensch
wir erwarten eine relativ gute Ernte
Diese künftige Fabrik wird relativ menschenleer sein [KlausKybernetik402]
2.
durch seine Beziehung auf etw. bestimmt, nicht absolut
Beispiele:
Zeit und Raum sind nach der Relativitätstheorie relative Größen
von allen Mitschülern hatte er relativ (= im Vergleich zu den anderen) das Meiste, Beste erhalten
der Antrag meines Freundes erlangte relativ (= im Vergleich zu denen der anderen) die meisten Stimmen
die Rakete flog relativ zur Erdoberfläche auf einer Parabelbahn
das relative Gehör haben (= einen Ton auf Grund seiner Intervallbeziehungen bestimmen können)
die relative Höhe (= Höhe eines Berges in bezug auf die Landschaft, über die er emporragt)
die relative Feuchtigkeit, Luftfeuchtigkeit (= auf den Hundertsatz des Sättigungsgrades bezogene Feuchtigkeit)
die relative Mehrheit (= Mehrheit der meisten Stimmen im Vergleich zur Stimmenanzahl der jeweiligen Mitbewerber, einfache Mehrheit)
Marxismus der relative Mehrwert (= durch Verkürzung der für die Reproduktion der Ware Arbeitskraft notwendigen Arbeitszeit vom Kapitalisten erzielter Mehrwert)
Marxismus die relative Übervölkerung (= im Verhältnis zu den mittleren Verwertungsbedürfnissen des Kapitals überflüssiger und darum arbeitsloser oder nur unregelmäßig beschäftigter, aber für das Kapital disponibler Teil der Arbeiterbevölkerung, industrielle Reservearmee)
Marxismus die relative Verelendung des Proletariats (= Verschlechterung der Lebenslage der Arbeiterklasse im Kapitalismus, wobei die Profite der Kapitalisten weitaus schneller steigen als die Löhne der Arbeiter)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Relation · relativ · relativieren
Relation f. ‘Beziehung, Wechselverhältnis’ (1. Hälfte 16. Jh.), älter und heute veraltend ‘(amtlicher) Bericht, Berichterstattung’, mhd. relation ‘Berichterstattung (über die Erledigung eines Auftrages), Augenzeugenbericht, Vortrag, Nachricht, Erzählung, amtlicher Bericht, Gutachten’, in beiden Bedeutungen entlehnt aus lat. relātio (Genitiv relātiōnis) ‘das Zurücktragen, das Vorbringen, Erzählung, Berichterstattung, Beziehung, Rücksicht, Verhältnis’, Verbalsubstantiv zu lat. referre (relātum) ‘zurückbringen, auf etw. zurückführen, beziehen, nach etw. beurteilen’; vgl. lat. ferre (lātum) ‘tragen, hervorbringen, verbreiten’. Vgl. ferner die Fügung amerik.-engl. public relations ‘Beziehungen zur Öffentlichkeit, Öffentlichkeitsarbeit, Imagepflege’, seit Mitte 20. Jh. auch im Dt. relativ Adj. ‘in einem Verhältnis zu etw. stehend und dadurch bestimmt, nur unter gewissen Umständen zutreffend, bedingt, verhältnismäßig’, entlehnt (Mitte 18. Jh., auch relativisch) aus spätlat. relātīvus ‘sich beziehend auf, bezüglich’ (zu lat. referre, s. oben) bzw. Übernahme von (ebenfalls auf dem Spätlat. beruhendem) gleichbed. frz. relatif, afrz. ‘sich beziehend auf, bezüglich’. relativieren Vb. ‘in Beziehung, in ein Verhältnis zu etw. setzen, in seiner Gültigkeit einschränken’ (belegt frühes 20. Jh., doch wohl älter; vgl. Relativierung, 2. Hälfte 19. Jh.), gebildet zum Adj.

Thesaurus

Synonymgruppe
durchaus · ↗halb · ↗reichlich · relativ · ↗vergleichsweise · ↗verhältnismäßig · ↗ziemlich  ●  ↗einigermaßen  Hauptform · ↗ganz  ugs. · ganz schön  ugs. · ↗halbwegs  ugs. · ↗hinlänglich  geh. · in Grenzen  geh. · ↗leidlich  geh. · ↗mäßig  geh. · ↗recht  ugs. · schon ganz  ugs.
Assoziationen
  • (es ist) nicht weit her (mit) · (sich) in Grenzen halten · ↗(ziemlich) bescheiden · den Umständen entsprechend · ↗durchschnittlich · ↗durchwachsen · ↗mittelmäßig · ↗passabel  ●  ↗(so) einigermaßen  ugs. · ↗einigermaßen  ugs. · geht so  ugs. · ↗medioker  geh., bildungssprachlich · ↗mittelprächtig  ugs. · ↗mäßig  geh., Hauptform · mäßig bis saumäßig  ugs., sarkastisch · ↗na ja  ugs. · nicht (so) berauschend  ugs. · nicht (so) berühmt  ugs. · nicht besonders  ugs. · nicht so dolle  ugs. · nicht so prickelnd  ugs., fig., variabel · nicht so toll  ugs. · so lala  ugs.
  • nicht besonders gut  ●  mehr schlecht als recht  Redensart · Alles Scheiße, deine Elli.  ugs., Spruch, variabel · beschissen ist noch gestrunzt  ugs., regional, Spruch, scherzhaft-ironisch · geht so  ugs. · ging so  ugs. · ich kann nicht besser klagen  ugs., scherzhaft-ironisch · na ja okay  ugs. · so so  ugs.
  • ausgesprochen · ganz und gar · ↗gänzlich  ●  ↗betont  geh. · ↗prononciert  geh.
  • im Großen und Ganzen · in etwa · könnte man sagen · mehr oder weniger · ↗sozusagen  ●  ↗irgendwie  ugs. · keine Ahnung  ugs. · oder so  ugs. · ↗praktisch  ugs. · ↗quasi  ugs. · so ungefähr  ugs., Hauptform · so(was) in der Art  ugs. · sone Art  ugs. · sowas wie  ugs.
  • gemessen an · im Vergleich zu · im Verhältnis zu · in Relation zu · ↗neben · verglichen mit  ●  ↗dafür  ugs. · ↗dagegen  ugs.
  • bedingt · eingeschränkt · relativ · ↗tendenziell · ↗vergleichsweise · ↗verhältnismäßig  ●  ↗eher  ugs.
  • in Maßen · ↗mäßig · nicht besonders · nicht sonderlich · nicht weiter
  • bis zu einem gewissen Grad(e) · ein Stück weit · in gewissem Maß(e) · in gewissem Rahmen · in gewissem Umfang · ↗teilweise · zum Teil  ●  in gewisser Hinsicht  Hauptform
Synonymgruppe
bedingt · eingeschränkt · relativ · ↗tendenziell · ↗vergleichsweise · ↗verhältnismäßig  ●  ↗eher  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Armut Begriff Häufigkeit Luftfeuchtigkeit Mehrheit Ruhe Schwäche Stabilität Stärke Wohlstand absolut bescheiden einfach gering günstig harmlos hoch homogen klein kurz mild moderat niedrig noch preiswert ruhig schwach stabil unbedeutend unbekannt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›relativ‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am Ende sei es relativ einfach gewesen, den Nutzern entgegenzukommen.
Die Zeit, 20.08.2013 (online)
Mit Uran endet leider die Liste der relativ einfach entsorgbaren Materialien.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1993, Nr. 10
Er heißt noch in relativ späten Stellen ein »Gott der Götter«.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. III, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 155
Auch hier ist die Dauer, der relativ definitive Charakter das entscheidende Moment und diese Ausdrucksweise nur elliptisch.
Schumpeter, Joseph: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin: Duncker u. Humblot 1997 [1912], S. 172
Keiner im Bundestag weiß mehr von allem alles, dafür aber ziemlich viel von relativ wenig.
Tange, Ernst Günter: Zitatenschatz zur Politik, Frankfurt a. M.: Eichborn 2000, S. 55
Zitationshilfe
„relativ“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/relativ>, abgerufen am 16.02.2019.

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