religiös

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungre-li-gi-ös
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›religiös‹ als Letztglied: ↗antireligiös · ↗areligiös · ↗freireligiös · ↗interreligiös · ↗irreligiös · ↗multireligiös · ↗unreligiös
 ·  mit ›religiös‹ als Grundform: ↗Religiosität · ↗Religiösität
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
der Religion entsprechend, sich auf sie beziehend
Beispiele:
eine religiöse Strömung, Unterweisung
ein religiöses Vorurteil
religiöse Fragen, Vorschriften
ein religiöser Skeptiker
ein religiöses Werk, Thema
die Hussitenbewegung war keine rein religiöse Bewegung
etw. religiös betrachten
die Duldung des Religiösen
2.
der Religion gemäß lebend, fromm, gläubig
Beispiele:
ein religiöser Mensch
religiös leben und handeln
religiös gestimmt sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Religion · religiös · Religiosität
Religion f. ‘Glaube an als existent vorausgesetzte überirdische, heilige, göttliche Mächte, dessen Lehre (Festlegungen, Dogmen u. dgl.) und seine Ausübung’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh.) aus lat. religio (Genitiv religiōnis) ‘gewissenhafte Beachtung dessen, was sich auf die Verehrung der Götter bezieht, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit (gegenüber dem Heiligen), religiöses Gefühl, fromme Scheu, Gottesfurcht, Glaube, das Heilige, kultische Verehrung’. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Bildung (so bereits Cicero) zu lat. relegere ‘von neuem in Gedanken durchgehen’, eigentlich ‘wieder zusammennehmen, zurücknehmen, wieder, von neuem lesen’ (vgl. lat. legere ‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, lesen’). Eine andere, ebenfalls antike, jedoch bereits christlich geprägte Auffassung (bei Lactantius, um 300) stellt lat. religio zu lat. religāre ‘zurück-, auf-, anbinden, befestigen’ (vgl. lat. ligāre ‘binden, an-, festbinden, verbinden, vereinigen’); sie wird von Augustin aufgenommen, der religio als ‘Bindung des Menschen an Gott’ begreift, und dadurch Bestandteil der älteren Kirchensprache. religiös Adj. ‘die Religion betreffend, auf ihr beruhend, gläubig, fromm’, Übernahme (um 1700, anfangs in frz. Schreibweise) von gleichbed. frz. religieux (afrz. religios), das im Dt. früher bezeugtes religios (16. Jh., vereinzelt noch im 20. Jh.) zurückdrängt. Älter ist mhd. religiōse m., frühnhd. Religios ‘Priester, Mitglied eines Ordens’, heute (nur noch in der zweiten Bedeutung) meist Plur. die Religiosen. Alle Formen beruhen auf lat. religiōsus ‘gewissenhaft, voll religiöser Scheu, gottesfürchtig, fromm, heilig’, mlat. (substantiviert) auch ‘Mitglied eines Ordens, Mönch, Geistlicher’. Religiosität f. ‘Gläubigkeit, Frömmigkeit’ (2. Hälfte 17. Jh.), spätlat. religiōsitās (Genitiv religiōsitātis); vgl. frz. religiosité (afrz. auch ‘Ordens-, Mönchsleben’).

Thesaurus

Synonymgruppe
fromm · ↗gläubig · religiös · vom Glauben erfüllt
Assoziationen
  • (Person) christlichen Glaubens · Anhänger des Christentums · ↗Christ · ↗Christenmensch · Kind Gottes · in der Nachfolge Jesu Lebender
  • orthodox · ↗rechtgläubig · streng religiös · ↗strenggläubig  ●  allein im Besitz der wahren Lehre  variabel
  • Religiot · religiöser Idiot
Synonymgruppe
Glaubens- · Religions- · auf den Glauben bezogen · auf die Religion bezogen · religiös
Assoziationen
  • quasireligiös · religionsartig · religionshaft  ●  ↗pseudoreligiös  ugs., abwertend · religiomorph  geh., selten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bekenntnis Eifer Eiferer Erziehung Fanatiker Fanatismus Fundamentalismus Führer Gefühl Gemeinschaft Glaube Minderheit Motiv Oberhaupt Rechte Symbol Toleranz Tradition Unterweisung Wahn Zeremonie ethisch ethnisch kulturell motiviert philosophisch politisch rassisch weltanschaulich Überzeugung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›religiös‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im religiösen System des Reiches ließen sie sich gut integrieren.
Die Zeit, 10.10.1997, Nr. 42
Deren Organisation verfolgte aber neben religiösen immer auch konkrete politische Ziele.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1985, Nr. 7
Die religiöse Einstellung wendet sich ab vom Diesseits auf das Jenseits.
Kraemer, H.: Synkretismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 31348
Es werde religiöse Freiheit geben, aber die Religion dürfe nicht geschmäht werden.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]
Der harte Kampf ums religiöse Dasein forderte die ganze Kraft.
Baeck, Leo: Das Wesen des Judentums, Frankfurt a. M.: Kauffmann 1932 [1905], S. 281
Zitationshilfe
„religiös“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/religiös>, abgerufen am 19.05.2019.

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