Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

reserviert

Grammatik partizipiales Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung re-ser-viert
Grundformreservieren
Wortbildung  mit ›reserviert‹ als Grundform: Reserviertheit
Herkunft reservieren, vgl. réservéfrz ‘zurückhaltend, bedächtig’
eWDG

Bedeutung

zurückhaltend
Beispiele:
reserviert bleiben
sich kühl und reserviert verhalten
er behandelte ihn höflich und reserviert
seine reservierte Haltung ändern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reservieren · reserviert · Reserviertheit · Reserve · Reservist · Reservat · Reservation · Reservoir
reservieren Vb. ‘aufbewahren, zurücklegen, aufheben, (sich) zurückhalten, (sich etw.) ausbedingen, (ein Recht) vorbehalten’ (1. Hälfte 16. Jh.), entlehnt, wohl unter Einfluß von gleichbed. frz. réserver (afrz. reserver ‘vorbehalten, aufsparen’), aus lat. reservāre ‘aufsparen, aufbewahren, vorbehalten’ (vgl. lat. servāre ‘erretten, erhalten, unversehrt bewahren, in acht nehmen, achtgeben’, s. konservieren). Seit Mitte des 19. Jhs. auch ‘(einen Platz) freihalten, vormerken (lassen)’. Dazu reserviert Part.adj. ‘zurückhaltend, kühl, abweisend, verschlossen’ (2. Hälfte 19. Jh., nach mfrz. frz. réservé ‘zurückhaltend, bedächtig’), ‘vorbestellt, freigehalten’ (um 1900) und Reserviertheit f. ‘kühles, zurückhaltendes Benehmen’ (2. Hälfte 19. Jh.). Reserve f. ‘Ersatztruppe, Nachschub, zum Kampf einsatzbereite, noch zurückgehaltene Streitkräfte’ (Anfang 17. Jh.), danach ‘Gesamtheit der ausgebildeten, aber nicht aktiv dienenden Soldaten’ (2. Hälfte 19. Jh.), ‘Ersatz, Vorrat, Aushilfe’ (Anfang 19. Jh.; vgl. eiserne Reserve), ‘Vorbehalt, Zurückhaltung, Verschlossenheit, Kühle’ (Mitte 19. Jh.), Übernahme von gleichbed. mfrz. frz. réserve. Reservist m. ‘der Reserve angehörender Wehrpflichtiger’ (2. Hälfte 19. Jh.), frz. réserviste. Reservat n. ‘Sonderrecht bzw. Vorbehalt eines Rechts bei der Aufteilung von Befugnissen’ (Anfang 16. Jh.), ‘Schutz- und Wohngebiet für (vertriebene) Minderheiten’ und ‘Naturschutzgebiet’ (Anfang 20. Jh.), aus lat. reservātum ‘das Zurückbehaltene’, dem substantivierten Neutr. des Part. Perf. von lat. reservāre; bis ins 18. Jh. auch in der lat. Pluralform Reservata. Reservation f. ‘zwangsweise auf Reservate beschränkter Lebensraum der Ureinwohner’ (Anfang 20. Jh., entsprechend amerik.-engl. reservation), ‘Aufbewahrung, Freihaltung’ (19. Jh.), zuvor als juristischer Terminus ‘(innerer) Vorbehalt’ (18. Jh., vereinzelt schon Anfang 16. Jh.), entlehnt aus spätlat. reservātio (Genitiv reservātiōnis) ‘Erhaltung, Bewahrung, Verwahrung, Vorbehalt’. Reservoir n. ‘Sammelbecken, Wasserspeicher, Vorrat(sbehälter)’ (Anfang 18. Jh.), mfrz. frz. réservoir; dann auch (Anfang 20. Jh.) ‘(unerschöpflicher) Vorrat, Reservebestand, Nachwuchs(kräfte)’.

Thesaurus

Synonymgruppe
distanziert · in sich gekehrt · introvertiert · nach innen gekehrt · nicht mitteilsam · reserviert · unaufgeschlossen · unzugänglich · verschwiegen · zurückhaltend  ●  nicht erreichbar  fig. · verschlossen  Hauptform, fig. · zugeknöpft  ugs.
Assoziationen
  • distanziert · menschenscheu · ungesellig · unnahbar
  • (sich) kurz fassen · einsilbig · kurz angebunden · nicht gesprächig · nicht viele Worte machen · redescheu · wenig auskunftsfreudig · wortarm · wortkarg · zurückhaltend (reagieren)  ●  kurzsilbig  veraltet · nicht kooperativ (mit Ermittlern)  Jargon · schmallippig (reagieren)  fig. · kurz ab  ugs. · maulfaul  ugs. · zugeknöpft  ugs.
  • (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · keine Antwort geben · nichts sagen · stumm bleiben  ●  schweigen  Hauptform · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs., fig. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
  • zurückhaltender Mensch  ●  ruhiger Patron  ugs. · sagt nicht viel  ugs. · stiller Vertreter  ugs. · stilles Wasser  ugs., fig.
Synonymgruppe
(für jemanden) bereitstehend · (für jemanden) frei gehalten · (für jemanden) reserviert · (jemandem) vorbehalten

Typische Verbindungen zu ›reserviert‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reserviert‹.

Verwendungsbeispiele für ›reserviert‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Natürlich setzt man sich auch hier nicht auf reservierte Plätze. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 200]
Diese Programme residieren in einem dafür reservierten Teil des Speichers. [C't, 1991, Nr. 2]
Für berufstätige Frauen bietet die Bahn – sozusagen als feministisches Entgegenkommen – seit acht Jahren zweimal täglich nur für Frauen reservierte Züge an. [Die Zeit, 06.04.2000, Nr. 15]
Lediglich vier Reporter langweilen sich auf den für die Medien reservierten Sitzen. [Die Zeit, 03.08.2012, Nr. 32]
Die weiblichen Singles jedoch zeigen sich in dieser Frage wesentlich reservierter. [Die Zeit, 14.06.2012 (online)]
Zitationshilfe
„reserviert“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reserviert>.

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