reuen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung reu-en
eWDG, 1974

Bedeutung

etw. reut jmdn.etw. erfüllt jmdn. mit Reue, jmd. bereut etw.
Beispiele:
meine Worte reuen mich
es reut mich, dass ich es getan habe
es reut sie sehr, ihn beleidigt zu haben
überleg es dir, damit es dich nachher nicht reut
es hat mich schon gereut, ihn ins Vertrauen gezogen zu haben
sprich kein Wort, das dich später reut, reuen wird
deine Tat braucht dich nicht zu reuen
mein Geld reut mich (= ich wünschte, ich hätte es nicht ausgegeben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reue · reuen · bereuen · reuig · reumütig · Reumütigkeit
Reue f. ‘Bedauern, Zerknirschung über Getanes oder Unterlassenes’, ahd. (h)riuwa ‘Leid, Trauer, Schmerz, Unglück, Klage’ (8. Jh.), mhd. riuwe, riwe, rewe, riu ‘Betrübnis über Getanes, Geschehenes, Schmerz, Kummer, Trauer, Leid, Mitleid, übles Aussehen, Beschädigung’, mnd. rouwe, rūwe, mnl. rouwe, nl. rouw, auch ‘Trauer’, aengl. hrēow, engl. (älter) rue (germ. *hreuwō-), dazu das Adjektiv asächs. hriuwi, anord. hryggr ‘traurig, betrübt’, aengl. (mit anderer Stammbildung) hrēow ‘betrübt’ und das starke Verb ahd. (h)riuwan ‘(be)klagen, jammern, zu Mitleid bewegen, schmerzen’, reflexiv ‘bereuen, trauern’ (um 800), mhd. riuwen, riwen ‘in Betrübnis versetzen, leid tun, verdrießen’, reflexiv ‘Reue empfinden’, asächs. hreuwan ‘beklagen, schmerzlich sein’, aengl. hrēowan ‘schmerzen, reuen’ (germ. *hreuwan), anord. (schwach flektierend) hryggja, hryggva ‘betrübt sein’. Außergerm. lassen sich vielleicht vergleichen aind. karúṇaḥ ‘kläglich, mitleidig’, griech. krū́ein (κρούειν) ‘stoßen, schlagen, stampfen’ und die s-Erweiterungen lit. krùšti ‘zerstampfen, zerstoßen’, aslaw. sъkrušiti ‘zerbrechen, zerreißen, zerschmettern’, russ. krušít’ (крушить) ‘zertrümmern, zerschlagen, vernichten’, so daß auf eine Wurzel ie. *kreu-, erweitert *kreus-, *krous- ‘stoßen, schlagen, zerschlagen, brechen’ zurückgegangen werden kann. Die offensichtlich übertragene germ. Bedeutung ‘seelischer Schmerz, Trauer’ spezialisiert sich im Mittelalter zu ‘Schmerz, Zerknirschung über etw., was man getan oder unterlassen hat, das man ungeschehen machen möchte’, im christlichen Sinne ‘Einsicht in eine bzw. Erkenntnis einer Sündenschuld’ (vgl. die Folge Reue, Beichte, Buße, entsprechend kirchenlat. contrītio, cōnfessio, satisfactio). reuen Vb. ‘leid tun, bedauern, ungeschehen machen wollen’, ahd. (h)riuwōn (8. Jh.), (h)riuwēn (9. Jh.) ‘beklagen, bedauern, Buße tun’, mhd. riuwen ‘beklagen, bereuen, leid sein’, reflexiv ‘klagen, Reue empfinden’; schwaches, vom Substantiv abgeleitetes Verb. bereuen Vb. ‘tiefes Bedauern über etw. Getanes oder Unterlassenes empfinden’, ahd. bi(h)riuwēn ‘betrübt sein’ (9. Jh.), mhd. beriuwen ‘betrübt sein, in Betrübnis versetzen’. reuig Adj. ‘voller Reue, zerknirscht’, ahd. (h)riuwag (9. Jh.), mhd. riuwec, riwec. reumütig Adj. ‘voller Reue, Bedauern’ (17. Jh.); Reumütigkeit f. (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) leidtun · (sich seiner) Schuld bewusst sein · (sich) in Selbstkritik üben · (sich) reumütig zeigen · Reue zeigen · ↗bereuen  ●  (sich) Asche aufs Haupt streuen  fig. · Asche auf sein Haupt streuen  fig. · im Büßergewand herumlaufen  fig. · im Büßerhemd gehen  fig. · in Sack und Asche gehen  fig., variabel · (jemanden) reuen  geh., veraltet · (sich) in Zerknirschung üben  geh., ironisierend
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›reuen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reuen‹.

Verwendungsbeispiele für ›reuen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nichts davon ist übrig, aber ihn reut es nicht, dass er dageblieben ist.
Die Zeit, 25.12.2000, Nr. 52
Mich reut es heute noch, dass ich nicht versucht habe, unseren Peiniger zu verprügeln.
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2004
Den Vater reut es sehr, daß er meine Entfremdung ermöglicht hat.
Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 12
Am Ende reut es ihn, daß er einem Sozialdemokraten das Leben gerettet hat.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4826
Hungertobel hielt plötzlich mit Reden inne, als reue es ihn, Emmenbergers Übernamen ausgesprochen zu haben.
Dürrenmatt, Friedrich: Der Verdacht, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1965 [1953], S. 11
Zitationshilfe
„reuen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/reuen>, abgerufen am 24.11.2020.

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