revolutionär

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungre-vo-lu-ti-onär · re-vo-lu-tio-när (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›revolutionär‹ als Letztglied: ↗antirevolutionär · ↗gegenrevolutionär · ↗konterrevolutionär · ↗nachrevolutionär · ↗scheinrevolutionär · ↗vorrevolutionär
eWDG, 1974

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von Revolution (Lesart 1 u. 3)
entsprechend der Bedeutung von Revolution (Lesart 1)
Beispiele:
revolutionäre Ideen, Gedanken, Ziele, Forderungen
eine revolutionäre Anschauung, Gesinnung
ein revolutionärer Kämpfer
eine fortschrittliche revolutionäre Partei
Kampf der internationalen revolutionären Arbeiterbewegung
das Proletariat, die revolutionärste Klasse des Volkes
der revolutionäre Befreiungskampf des unterdrückten Volkes
der mit revolutionärer Leidenschaft, Eifer geführte Kampf gegen Militarismus und Krieg
revolutionäre Erhebungen, Ereignisse
die revolutionäre Geschichte, Entwicklung des Landes
die revolutionären Traditionen des Volkes
die revolutionäre Romantik
ein revolutionärer Dichter, Denker
entsprechend der Bedeutung von Revolution (Lesart 3)
Beispiel:
eine revolutionäre Entdeckung, Erfindung, Errungenschaft
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Revolution · Revolutionär · revolutionär · revolutionieren · Konterrevolution · Revoluzzer
Revolution f. ‘Umlaufbewegung der Gestirne, besonders der Planeten um die Sonne, grundlegende qualitative progressive Veränderung in der menschlichen Gesellschaft’, frühnhd. revoluce (2. Hälfte 15. Jh.), revolucion, reuolution (16. Jh.) ‘Umlauf eines Himmelskörpers um ein Hauptgestirn, (tägliche) Umdrehung (der Erde um die eigene Achse)’, auch ‘Sternkonstellation, Sternzeichen’, ist entlehnt aus spätlat. revolūtio (Genitiv revolūtiōnis) ‘das Zurückwälzen’ (z. B. des Steins vor dem Grabe Christi), ‘Ablauf, Rückkehr’ (z. B. die Wiederkehr des Mondes auf seiner Bahn), mlat. ‘Bahn, Umlauf der Gestirne’, Verbalabstraktum zu lat. revolvere ‘zurückrollen, zurückwälzen’; vgl. lat. volvere (volūtum) ‘rollen, wälzen, drehen’. Zu Beginn des 17. Jhs. (im Frz. bereits im 16. Jh.) erlangt Revolution außerhalb des fachsprachlichen Gebrauchs allgemeine Geltung im Sinne von ‘Wandel, Veränderung’ (der äußeren Umstände wie der inneren Haltung, vgl. Revolution der Gedanken, des Geistes, 17. Jh., Revolution im Geschmack, 18. Jh.), steht (unter Einfluß von frz. révolution und engl. revolution) für ‘Veränderung im Staat, Beseitigung von Mißständen, Änderung der Staatsform’ (18. Jh.) und bezeichnet seit der französischen Revolution vor allem den ‘gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staatsform und der bestehenden Machtverhältnisse’ (Ende 18. Jh., im Frz. in diesem Sinne zuerst 17. Jh.). Revolutionär m. ‘Anhänger der französischen Revolution’, daher zunächst auch ‘Aufrührer’ (Ende 18. Jh., zuerst auch in frz. Schreibung), dann verallgemeinert ‘wer das Überkommene grundlegend verändern will’ (1. Hälfte 19. Jh.), Übernahme von frz. révolutionnaire m. ‘Anhänger der Revolution’, Substantivierung des Adjektivs frz. révolutionnaire ‘übereinstimmend mit dem Geist der politischen Veränderungen’ (1789), woraus im Dt. revolutionär Adj. ‘die Revolution betreffend’, zunächst auf die französische Revolution bezogen, daher auch ‘aufrührerisch’ (Ende 18. Jh.), dann der Bedeutungsentwicklung von Revolution folgend. revolutionieren Vb. ‘Bestehendes durch eine Revolution erneuern, umstürzen’, zunächst im Hinblick auf die französische Revolution (Ende 18. Jh.), ‘Bestehendes durch bahnbrechende neue Erkenntnisse verändern’ (Anfang 19. Jh.), aus gleichbed. frz. révolutionner. Konterrevolution f. ‘Gegenrevolution, gewaltsame Aktionen reaktionärer Gruppen gegen eine Revolution’ (Anfang 19. Jh.), frz. contre-révolution (1790). Revoluzzer m. ‘revolutionärer Mitläufer, Pseudorevolutionär’, geringschätzige Abwandlung (um 1800) von Revolutionär, wohl in Anlehnung an ital. rivoluzionario.

Thesaurus

Synonymgruppe
bahnbrechend · ↗epochal · ↗epochemachend · revolutionär · ↗stilbildend · ↗umwälzend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akt Arbeiterbewegung Avantgarde Bewegung Elan Erhebung Errungenschaft Front Garde Gesinnung Idee Kommandorat Linke Neuerung Neuerunge Pathos Potential Streitkraft Subjekt Umbruch Umgestaltung Umsturz Umtrieb Umwälzung Veränderung Volksheer Volkspartei Wachsamkeit Zelle geradezu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›revolutionär‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dass er den spezifischen Wert der Frauen reflektiert, könnte man schon revolutionär nennen.
Die Zeit, 07.10.2013, Nr. 40
Man meint, der Straße zusehen zu können bei ihrem revolutionären Werk.
Die Welt, 03.05.2004
Selbstverständlich hätten die revolutionären Arbeiter in diesen Sowjets die Führung übernommen.
Enzensberger, Hans Magnus: Der kurze Sommer der Anarchie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972, S. 130
Es beschreibt nicht das Dasein, sondern ihm ist das revolutionäre Ziel selbst schon vollkommene Wirklichkeit.
Rubiner, Ludwig: Nachwort zu »Kameraden der Menschheit«. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 16962
Revolutionäre Empfindungen lebten mit einem Mal glühend in mir auf.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4859
Zitationshilfe
„revolutionär“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/revolutionär>, abgerufen am 20.05.2019.

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