Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

revolutionieren

Grammatik Verb · revolutioniert, revolutionierte, hat revolutioniert
Aussprache 
Worttrennung re-vo-lu-ti-onie-ren · re-vo-lu-tio-nie-ren
Wortbildung  mit ›revolutionieren‹ als Erstglied: Revolutionierung
Herkunft aus gleichbedeutend révolutionnerfrz
eWDG

Bedeutungen

1.
das Volk, die Massen revolutionierendas Volk, die Massen auf eine Revolution vorbereiten
Beispiel:
Der Krieg [zwischen Rußland und Japan von 1904/05] wurde zu einem Faktor, der das russische Proletariat in schnellem Tempo revolutionierte und es so der Revolution näherbrachte [ Thälm.Reden1,319]
2.
etw. grundlegend umwandeln, umgestalten, verändern
Beispiele:
die Erfindung des Schießpulvers hat die ganze mittelalterliche Kriegsführung revolutioniert
seine Theorie, Entdeckung war so revolutionierend, dass …
Der Einsatz der synthetischen Seiden revolutionierte schließlich die gesamte Strumpfindustrie [ Urania1969]
3.
selten eine Revolution machen, revoltieren
Beispiel:
das Volk revolutionierte (gegen die Krone)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Revolution · Revolutionär · revolutionär · revolutionieren · Konterrevolution · Revoluzzer
Revolution f. ‘Umlaufbewegung der Gestirne, besonders der Planeten um die Sonne, grundlegende qualitative progressive Veränderung in der menschlichen Gesellschaft’, frühnhd. revoluce (2. Hälfte 15. Jh.), revolucion, reuolution (16. Jh.) ‘Umlauf eines Himmelskörpers um ein Hauptgestirn, (tägliche) Umdrehung (der Erde um die eigene Achse)’, auch ‘Sternkonstellation, Sternzeichen’, ist entlehnt aus spätlat. revolūtio (Genitiv revolūtiōnis) ‘das Zurückwälzen’ (z. B. des Steins vor dem Grabe Christi), ‘Ablauf, Rückkehr’ (z. B. die Wiederkehr des Mondes auf seiner Bahn), mlat. ‘Bahn, Umlauf der Gestirne’, Verbalabstraktum zu lat. revolvere ‘zurückrollen, zurückwälzen’; vgl. lat. volvere (volūtum) ‘rollen, wälzen, drehen’. Zu Beginn des 17. Jhs. (im Frz. bereits im 16. Jh.) erlangt Revolution außerhalb des fachsprachlichen Gebrauchs allgemeine Geltung im Sinne von ‘Wandel, Veränderung’ (der äußeren Umstände wie der inneren Haltung, vgl. Revolution der Gedanken, des Geistes, 17. Jh., Revolution im Geschmack, 18. Jh.), steht (unter Einfluß von frz. révolution und engl. revolution) für ‘Veränderung im Staat, Beseitigung von Mißständen, Änderung der Staatsform’ (18. Jh.) und bezeichnet seit der französischen Revolution vor allem den ‘gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staatsform und der bestehenden Machtverhältnisse’ (Ende 18. Jh., im Frz. in diesem Sinne zuerst 17. Jh.). Revolutionär m. ‘Anhänger der französischen Revolution’, daher zunächst auch ‘Aufrührer’ (Ende 18. Jh., zuerst auch in frz. Schreibung), dann verallgemeinert ‘wer das Überkommene grundlegend verändern will’ (1. Hälfte 19. Jh.), Übernahme von frz. révolutionnaire m. ‘Anhänger der Revolution’, Substantivierung des Adjektivs frz. révolutionnaire ‘übereinstimmend mit dem Geist der politischen Veränderungen’ (1789), woraus im Dt. revolutionär Adj. ‘die Revolution betreffend’, zunächst auf die französische Revolution bezogen, daher auch ‘aufrührerisch’ (Ende 18. Jh.), dann der Bedeutungsentwicklung von Revolution folgend. revolutionieren Vb. ‘Bestehendes durch eine Revolution erneuern, umstürzen’, zunächst im Hinblick auf die französische Revolution (Ende 18. Jh.), ‘Bestehendes durch bahnbrechende neue Erkenntnisse verändern’ (Anfang 19. Jh.), aus gleichbed. frz. révolutionner. Konterrevolution f. ‘Gegenrevolution, gewaltsame Aktionen reaktionärer Gruppen gegen eine Revolution’ (Anfang 19. Jh.), frz. contre-révolution (1790). Revoluzzer m. ‘revolutionärer Mitläufer, Pseudorevolutionär’, geringschätzige Abwandlung (um 1800) von Revolutionär, wohl in Anlehnung an ital. rivoluzionario.

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Innere nach außen kehren · aus den Angeln heben · revolutionieren · umstürzen · umwälzen · verändern  ●  vom Kopf auf die Füße stellen  fig. · alles umkrempeln  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›revolutionieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›revolutionieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›revolutionieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Übrigen haben sie den deutschen Film auf Jahre beeinflusst, um nicht zu sagen revolutioniert. [Die Zeit, 27.02.2012, Nr. 09]
Dabei gäbe es zwei einfache Wege, das System zu revolutionieren. [Die Zeit, 28.06.2010, Nr. 26]
Also sicher nicht den Konsum, wohl aber die Kunst, den richtigen Wein an den richtigen Kunden zu bringen, wollte er revolutionieren. [Die Zeit, 18.11.1988, Nr. 47]
Wenn das der Fall wäre, würde es die Welt revolutionieren. [Süddeutsche Zeitung, 14.12.1999]
Und wenn sie sich hervortun und versuchen, die Mode zu revolutionieren, nimmt man es ihnen übel. [Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 19046]
Zitationshilfe
„revolutionieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/revolutionieren>.

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