rezipieren

GrammatikVerb · rezipierte, hat rezipiert
Aussprache
Worttrennungre-zi-pie-ren (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1974

Bedeutung

etw. annehmen, aufnehmen, übernehmen
Beispiele:
er rezipierte die verschiedensten sprachwissenschaftlichen Werke, Traditionen
Ereignisse, die von seinem Bewusstsein rezipiert worden sind
die rezipierten Ausdrucksmittel aus der Volksdichtung
rezipiertes (= angenommenes fremdes) Recht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rezept · rezipieren · Rezeption · Rezipient · rezeptiv · Rezeptur · rezeptieren
Rezept n. ‘Anweisung zur Herstellung bzw. Abgabe eines Medikaments’, auch ‘Medikament’ (bis 17. Jh.), frühnhd. recept (15. Jh.), entlehnt aus gleichbed. mlat. receptum, dem substantivierten Part. Perf. von lat. recipere (s. unten). Lat. receptum bedeutet eigentlich ‘es ist genommen, verwendet worden’ und wird zur Antwort auf die imperativische Einleitungsformel der ärztlichen Anweisung an den Apotheker recipe (abgekürzt R) ‘nimm, verwende’. In verallgemeinertem Sinne steht Rezept für ‘Allheilmittel, Lösungsvorschlag’ (1. Hälfte 16. Jh.), dann auch für ‘Herstellungs-, Zubereitungsvorschrift’ in der Kochkunst (2. Hälfte 18. Jh.). rezipieren Vb. ‘an-, übernehmen’ (fremdes Gedankengut), ‘geistig aufnehmen, verstehen’, entlehnt (17. Jh.) aus lat. recipere (receptum) ‘zurücknehmen, -holen, entgegennehmen, in sich aufnehmen’, von Arzneimitteln ‘bestimmte Stoffe in sich aufnehmen, mit ihnen versetzt werden’; vgl. lat. capere ‘nehmen, fassen, begreifen’ und s. ↗re-. Rezeption f. ‘Aufnahme’ (in eine Gemeinschaft), ‘An-, Übernahme’ (fremden Kultur- und Gedankenguts), entlehnt (16. Jh.) aus spätlat. receptio (Genitiv receptiōnis) ‘Aufnahme’, eigentlich ‘das Zurückbehalten, Vorbehalt’, zu lat. recipere (s. oben). Ebenfalls auf dem Lat. beruhendes frz. réception f. wird im 19. Jh. mit der Bedeutung ‘Aufnahme(raum), Empfang(sbüro)’ ins Dt. übernommen. Rezipient m. ‘Empfänger (einer Information), Leser, Hörer’, entlehnt (17. Jh.) aus lat. recipiēns (Genitiv recipientis) ‘Aufnehmender’, dem substantivierten Part. Präs. von lat. recipere (s. oben). rezeptiv Adj. ‘auf-, wahrnehmend, empfänglich’, gelehrte Bildung (18. Jh.) zu lat. receptum, dem Part. Perf. von lat. recipere (s. oben). Rezeptur f. ‘Steuereinnahme’, (18. Jh.), ‘Zusammensetzung, Zubereitung eines Arzneimittels’ (19. Jh.), gelehrte Bildung zu Rezept (s. oben) und zu rezeptieren Vb. ‘ein Rezept ausstellen, ein Medikament verschreiben’ (18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aspekt Ebene Erbe Feuilleton Forschung Kunstwerk Lehre Leser Literatur Philosophie Thesis Werk Westen

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir sind das zwar schon phänotypisch nicht, wurden aber gewiss so rezipiert.
Die Zeit, 11.05.2012, Nr. 20
Immer noch erkennt und rezipiert man viel zu wenig Kunst von Frauen.
Die Welt, 17.01.2003
So wurde das aristotelische Denken zwar rezipiert, aber vermischt mit fremdem Gut.
Khoury, Adel Theodor: Aristoteles. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 126
Theologie rezipiert worden, und sie haben das Lehrsystem der Kirche aufgelockert und in fruchtbarer Weise bereichert.
Müller, L.: Russische Religionsphilosophie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 27824
Früher und stärker wurde die Aufklärung, freilich in angepaßter Form, in Rußland 102 rezipiert und auch zu einem Moment in der eigenen Literatur.
o. A.: Die Kirche im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1970], S. 5035
Zitationshilfe
„rezipieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rezipieren>, abgerufen am 21.05.2019.

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