Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

rhetorisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung rhe-to-risch
Herkunft zu rhētorikósgriech (ῥητορικός) ‘den Redner, die Redekunst betreffend, rednerisch’ < rhḗtōrgriech (ῥήτωρ) ‘Redner’
eWDG

Bedeutung

die Rhetorik betreffend, im Hinblick auf die Rhetorik
a)
die Fähigkeit wirkungsvollen Redens betreffend, rednerisch
Beispiele:
eine rhetorische Begabung, Veranlagung, Leistung
jmd. ist rhetorisch geschult, geübt
b)
nach den Regeln der Rhetorik, die Rede wirksam gestaltend
Beispiele:
rhetorische Nuancen, Kunstgriffe, rhetorisches Beiwerk
Sprachwissenschaft rhetorische Figuren, Wendungen (= als stilistisches Kunstmittel zur wirksamen Gestaltung der Rede gebrauchte Wendungen)
Er verzichtet auf alle rhetorischen Effekte, er hob nicht ein einziges Mal die Stimme, er machte nicht viel Worte [ Weiskopf8,243]
eine rhetorische Frageals stilistisches Mittel zur Belebung der Rede gestellte Frage, auf die keine Antwort erwartet wird
Beispiel:
Ob Kötzschke es schon einmal erlebt habe, daß ein Schweiger wie Bollmann sich … den Mund verbrannt habe? Das war nun eine rein rhetorische Frage, und Kötzschke brauchte nicht darauf zu antworten [ ZuchardtSpießrutenlauf102]
c)
abwertend in wirksam gestalteter Rede abgefasst, aber ohne Inhalt, phrasenhaft
Beispiele:
es ist nur eine rhetorische Bemäntelung des Sachverhalts
Für Beweislücken hat man rhetorischen Kitt [ WeinertRufe110]
Leute, die, wenn sie rhetorisch werden, sich immer hinter den Thesen von Geistern verstecken, die sie nicht verstehen [ Benn1,482]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rhetorik · rhetorisch · Rhetor
Rhetorik f. ‘Redekunst, Lehre von der Beredsamkeit’, mhd. rhetorica, retorica, nhd. (bis ins 19. Jh.) Rhetorica, daneben Rhetorice, Rhetoric(k), Rethoric und (im 18. Jh. unter frz. Einfluß) bisweilen Rhetorique, Entlehnung von gleichbed. lat. rhētorica (ars), rhētoricē, griech. rhētorikḗ (téchnē) (ῥητορικὴ τέχνη), also dem substantivierten Femininum von lat. rhētoricus, griech. rhētorikós (ῥητορικός) ‘den Redner, die Redekunst betreffend, rednerisch’, zu griech. rhḗtōr (ῥήτωρ) ‘Redner’. – rhetorisch Adj. ‘den Regeln der Rhetorik entsprechend, die Redeweise betreffend’ (1. Hälfte 16. Jh.), auch ‘schönrednerisch, phrasenhaft’ (18. Jh.); lat. rhētoricus (s. oben). Dazu die Fügung rhetorische Frage ‘stilistisch wirkungsvolle Frage, auf die keine Antwort erwartet wird’ (2. Hälfte 19. Jh.); vgl. auch rhetorische Figur (1. Hälfte 18. Jh.), rhetorische Hyperbole (17. Jh.). Rhetor m. ‘Lehrer der Beredsamkeit’ (im alten Griechenland), ‘(hervorragender) Redner’, Übernahme (16. Jh.) von griech. rhḗtōr (ῥήτωρ, s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
phrasenhaft · rhetorisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›rhetorisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rhetorisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›rhetorisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selten ist es in einer Klasse so still wie bei derartigen rhetorischen Fragen. [Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle, München: Piper o.J. [1933], S. 95]
Und alsbald ist im höfischen Stil auch schon weitgeschwungene rhetorische Bewegung da. [Auerbach, Erich: Mimesis, Bern: Francke 1959 [1946], S. 99]
Das war im Mai 1990 natürlich nur eine rhetorische Frage. [Die Zeit, 17.06.1999, Nr. 25]
Müssen Journalisten einem Politiker nicht auch einmal das Recht zugestehen, rhetorisch zu entgleisen? [Die Zeit, 11.07.1997, Nr. 29]
So eine Frage ist doch nun wirklich keine rhetorische Kunst. [konkret, 1992]
Zitationshilfe
„rhetorisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rhetorisch>.

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